Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Moni (Fortuna Eck) im Interview – „Flingern ist kein Arbeiter-Viertel mehr“

Der schönste Platz ist immer an der Theke: Monika Frohburg

Ihren Nachnamen kennen vermutlich die wenigsten. Für ihre Gäste ist Monika Frohburg einfach nur Moni. Seit 31 Jahren betreibt die 69-Jährige das Fortuna Eck im Stadtteil Flingern. Ende des Jahres ist dort Schluss. Unfreiwillig. Das Haus wurde verkauft. Der neue Eigentümer wollte die Miete verdoppeln. Und nu? theycallitkleinparis hat mit Moni gesprochen.

 

Moni, du betreibst seit 1988 das Fortuna Eck an der Hoffeldstraße Ecke Fortunastraße. Was hast du gedacht, als die Kündigung kam?
Da war natürlich ein Schock für mich. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Das Haus, in dem das Fortuna Eck ist, ist vor zwei Jahren verkauft worden. Der neue Eigentümer wollte dann, der Klassiker, die Miete erhöhen.
Ja, ich sollte das Doppelte zahlen. Das kann ich aber natürlich nicht. Deshalb muss ich jetzt Ende des Jahres raus.

Was zahlst du denn derzeit an Pacht?
Das möchte ich nicht sagen.

Du wirst im November 70. Da kann man ja durchaus mal an den Ruhestand denken.
Natürlich. Aber ich hätte den Zeitpunkt gerne selber bestimmt. Ich hätte mir durchaus vorstellen können, noch ein, zwei Jahre weiterzumachen.

Wie viele Tage in der Woche hat das Fortuna Eck geöffnet?
Sechs Tage, von Montag bis Samstag, immer ab 15 Uhr. Unter der Woche mache ich oft schon um 21 Uhr Feierabend. Am Wochenende, wenn mehr los ist, lasse ich aber auch schon mal bis zwei, drei Uhr auf.

Und dann bist du immer alleine hier?
Normalerweise ja. Nur wenn hier Geburtstagsfeiern oder Veranstaltungen anstehen, hilft mir eine Freundin. Oder meine Kinder.

Die Preise sind ja vermutlich bei dir niedriger als in vielen anderen Kneipen in Flingern. Was kostet ein Bier, eine Cola, ein Killepitsch im Fortuna Eck?
Ein Bier kostet 1,30 Euro. Eine Cola 1,50 Euro. Killepitsch 2,50 Euro. Wenn die Stammgäste mal kein Geld haben, können sie natürlich auch später bezahlen. Das sehen wir nicht so eng.

Und gibt es auch Essen?
Früher gab es Hausmannskost. Aber jetzt mache ich das nicht mehr. Würstchen habe ich aber eigentlich immer da. Und ein Brot kann ich auch machen. Falls mal jemand Hunger hat.

Wie bist du Wirtin geworden?
Ich habe schon gekellnert, bevor ich das Fortuna Eck übernommen habe. Im damaligen Hoffelder Hof, das war da, wo heute die Sparkasse ist. Mein Vorgänger hier im Fortuna Eck hat mich dann zunächst mal gefragt, ob ich eine mehrwöchige Urlaubvertretung für ihn machen könnte. Habe ich dann gemacht. Danach hat er mir angeboten, den Laden zu übernehmen. Das war 1988. Seitdem mache ich das.

Was magst du an dem Beruf?
Eigentlich alles. Ich bin Wirtin mit Leib und Seele. Aber ich habe nie selber getrunken. Mein einziges Laster ist mal ein Zigarettchen. Ich bin gerne mit Leuten zusammen. Die meisten meiner Gäste habe ich einfach ins Herz geschlossen.

Was sollte eine gute Wirtin mitbringen?
Das würde ich gerne meine Gäste fragen. Die mögen mich halt alle. Wahrscheinlich weil ich auch gerne gebe.

Was sind das für Leute, die bei dir verkehren?
Ich habe immer drauf geachtet, dass ich hier Leute drin habe, die auch reinpassen. Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich wollte keine Schreihälse. Eigentlich war das Fortuna Eck immer eine Familienkneipe. Die Mitglieder meiner Thekenmannschaft Fortuna Eck, von denen sind übrigens die ganzen Pokale da oben (zeigt auf ein Regal unter der Decke), haben oft ihre Kinderchen mitgebracht. Und ihre Frauen. Alles nette Leute. Von denen sind mittlerweile aber auch einige schon kurz vor der Rente. Jedenfalls: Es gab keinen Stress und kein Theater. Und vom Alter her sind die Gäste ganz unterschiedlich. Wir hatten hier schon Abipartys, genauso wie 60. Geburtstage.

Was für Musik läuft bei dir im Laden?
Gemischt. Viele bringen ihre Smartphones mit und schließen die dann an die Anlage an. Wenn mal einen Abend nur Punkrock läuft, habe ich damit kein Problem. Aber halt nicht ständig. Ich mag es, wenn von allem etwas dabei ist.

Wie ist deine Beziehung zu Fortuna Düsseldorf? Bist du Fan?
Ich bin natürlich Fan. Wenn die sonntags spielen, gehe ich auch schon mal mit ins Stadion. Das letzte Mal war ich bei einem Freundschaftsspiel gegen Fortuna Köln in der Arena, das ist aber auch schon wieder zwei Jahre her (Anm. d. Red. Die Fortuna verlor das Spiel damals 1:3).

Werden die Spiele der Fortuna hier gezeigt?
Nee, nicht mehr. Früher hatte ich Sky. Damals kostete das im Monat 320 Euro, ist ja viel Geld. Aber ich habe es für meine Leute gemacht, weil die die Spiele gerne hier gucken wollten. Als dann das Abo teurer wurde, habe ich es wieder abbestellt. Was sollste denn da fürs Bier nehmen?

Was traust du der Fortuna diese Saison zu?
Ich denke schon, dass da was draus zu machen ist.

Und „was draus zu machen“ heißt, dass sie nicht absteigen?
Dass sie stabil bleiben. Die haben ja in der letzten Zeit sehr gut gespielt.

Kommen denn auch mal Spieler vorbei?
Aus der aktuellen Mannschaft nicht, nein. Aber früher waren ab und zu mal welche hier. Die Allofs-Brüder zum Beispiel.

Neben dem Fußball wird das Fortuna Eck auch mit Live-Musik in Verbindung gebracht. Allen voran mit Punkrock. Wie oft finden hier Konzerte und andere Veranstaltungen statt?
Jetzt den Sommer über war es natürlich ruhig. Aber am 6. September spielt hier die Tochter vom Jürgen Kramer, die Lina. Und im Herbst macht Fichli noch mal seine Toten-Hosen-Party. Die fand immer jedes halbe Jahr statt. Das wird dann wohl die letzte sein.

Müssen die Veranstalter für den Raum etwas bezahlen?
Nein, für den Raum zahlen sie nichts.

Stimmt es, dass Die Toten Hosen ab und zu hier zu Gast waren?
Das stimmt, ja. Die haben sich früher, wenn sie auf Tour gingen, sogar manchmal hier an der Ecke getroffen. Campino wohnte damals um die Ecke, auf der Rosmarinstraße. Und von zwei anderen Bandmitgliedern lebten die Eltern auf der Fortunastraße. Es gab auch schon mal Fans von außerhalb, die ihre Schulferien opferten, um hier auf der Straße auf die Band zu warten. Meist natürlich vergeblich.

Gibt es Abende, an die du dich besonders gerne erinnerst?
Eigentlich waren alle Abende nett. Alles tippitoppi. Kann ich nicht anders sagen.

Du bist seit 31 Jahren in Flingern. Wie hat sich das Viertel in der Zeit verändert?
Teilweise finde ich die Entwicklung sogar gut. Dass was an den Häusern gemacht wird zum Beispiel. Aber Mieten von 15 oder 18 Euro sind natürlich nicht normal. Das ist ja nur noch Geldmacherei. Da denkt keiner mehr an den normalen Arbeiter. Aber Flingern ist ja auch kein Arbeiter-Viertel mehr hier. Schon lange nicht mehr.

Und am Interieur der Kneipe, hast du da viel gemacht?
Nicht viel, nein. Ein bisschen was für die Leute. Die elektronische Dartscheibe. Den Kicker habe ich von Diebels geschenkt bekommen. Die beiden Steh-Tische sind irgendwann dazu gekommen, weil die jungen Leute lieber stehen wollen. Ein bisschen musste ja auch mit der Zeit gehen.

Wie sind die Reaktionen deiner Gäste auf das Ende des Fortuna Ecks?
Die sind natürlich traurig. Neulich hatte ich eine Mädels-Band hier. Die Kitsch Cats. Die haben geweint, als ich ihnen die Geschichte erzählt habe. Schon wieder etwas, was verloren geht. Es gibt aber auch Leute, die anrufen und fragen, ob sie mir irgendwie helfen können. Manche von denen kenne ich gar nicht. Ein Maler und eine Weinhändlerin aus Flingern haben sogar einen Brief an den neuen Hauseigentümer geschrieben.

Stimmt es, dass eine Petition gegen das Ende des Fortuna-Ecks gestartet werden soll?
Kann sein. Wenn die das machen, würde ich mich natürlich drüber freuen. Auch wenn es letzten Endes nichts bringt. Den Versuch alleine finde ich schon toll. Daran merke ich ja auch, wie alle hinter mir stehen.

Was wirst du machen, wenn du nicht mehr als Wirtin arbeitest?
Ich will mich dann ab und zu mal mit meinen Gästen treffen. Damit wir uns nicht aus den Augen verlieren.

Und sonst? So was wie Gartenarbeit?
Nee, ich leg mich zwar gerne mal in den Garten. Aber da arbeiten, das ist nichts für mich.

Wenn du noch mal anfangen könntest, würdest du irgendetwas anders machen?
Ich würde es wieder so machen. Ich kann mir für mich gar nichts anderes vorstellen als Wirtin zu sein. Ich habe ein schönes Leben gehabt. Kein Stress, kein Theater. Vielleicht liegt das aber auch ein bisschen an mir.

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