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„Wir wollen Düsseldorf zu einer Start-up-Metropole entwickeln“ – Interview zur ersten Start-up Woche

Uwe Kerkmann, Foto: Paul Esser /


Die Big Player der Start-up-Szene, London, New York oder Tel Aviv, sind Düsseldorf natürlich Lichtjahre voraus. Aber man möchte aufholen am Rhein, von den Erfahrungen der anderen profitieren. Nicht zuletzt deshalb veranstaltet die Stadt vom 11. bis zum 17. April die erste Düsseldorfer Start-up Woche. Was genau verspricht man sich davon? Und was erwartet die Besucher? theycallitkleinparis hat nachgefragt, bei Uwe Kerkmann, dem Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Düsseldorf.

Herr Kerkmann, wann genau bezeichnet man ein Unternehmen eigentlich ein Start-up?
Unternehmen mit einer innovativen Idee, einem skalierbaren Geschäftsmodell und noch nicht älter als 10 Jahre bezeichnen wir als Start-up.

Wie viele Start-ups gibt es in Düsseldorf derzeit?
Wir zählen in Düsseldorf über 135 Start-ups, das sind aber vermutlich nicht alle. Daneben gibt es auch noch zahlreiche, klassische Gründungen.

Was für Branchen sind vorrangig vertreten?
Wir können uns in Düsseldorf über eine sehr gute Mischung aus vielen Bereichen freuen. Da sind Start-ups aus der Medizin oder generell den Life Sciences dabei, aber vor allem auch Start-ups, die digitale Dienstleistungen und Lösungen anbieten.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Start-up aus Düsseldorf?
Da kann man mehrere nenne. Trivago ist sicherlich das bekannteste. Dann gibt es auch noch auxmoney, Just Spices, Tunatech, um nur ein paar zu nennen. Außerdem befinden sich einige vielversprechende Start-ups gerade in der Entwicklung.

Wie ist Düsseldorf, was Start-ups angeht, im deutschlandweiten Vergleich einzuordnen?
Das ist schwierig zu beantworten. Es gibt ja verschiedene Kriterien, die man da zu Rate ziehen kann. Natürlich sind Berlin und auch Hamburg, München und Frankfurt mit einer starken Fintech-Start-up-Szene noch vor uns. Aber der Vergleich fällt hier generell schwer, einfach weil die Grundvoraussetzungen an jedem Ort sehr unterschiedlich sind. Ich glaube vielmehr, wir sollten uns nicht mit anderen Orten vergleichen, sondern auf uns schauen. Und wenn wir das tun, sind wir auf einem sehr guten Weg, wir sind noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen, wir stehen aber auch sicherlich nicht am Anfang.

Eine Studie von McKinsey besagt, dass bis 2020 in Berlin 100.000 neue Arbeitsplätze durch Start-ups entstehen. Wie sind die Prognosen für Düsseldorf?
Die zentrale Charakteristik der Start-up-Szene ist ihre Schnelllebigkeit. Daher arbeiten wir diesbezüglich nicht mit mittel- oder langfristigen Prognosen. Es kann sein, dass ein Start-up, das heute noch als hoffnungsvoll gilt, morgen bereits die Pforten schließen muss – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Unser Job ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Start-ups möglichst effektiv helfen. Nehmen Sie beispielsweise Trivago, die in Düsseldorf ihre neue Zentrale für ca. 2.000 Mitarbeiter bauen. Das ist keine Prognose, sondern ein ganz konkretes, geplantes Vorhaben. Das sind Zahlen, auf die wir uns verlassen können.

Was kann Düsseldorf von New York, London oder Tel Aviv, den Großen der Gründerszene, lernen?
Wir können zum Beispiel lernen, wie wir Rahmenbedingungen schaffen, die für Gründer wirklich Mehrwert bieten. Wir können lernen, welche Partner man an Bord holen muss, um ein funktionierendes Ökosystem zu schaffen. Wir können uns auch von der sehr lösungsorientierten und positiven Denkweise, der Mentalität, ein Scheibchen abschneiden.

Das Thema Start-ups kam hier in der Stadt erst mit OB Geisel auf die Agenda. War man da nicht ein bisschen spät dran?
Mit dem Startschuss für die Start-up-Initiative hat OB Geisel einem wichtigen Thema einen entscheidenden Impuls gegeben. Die Stadt hat sich schon seit 2010 zusammen mit der Universität Düsseldorf sehr zielgerichtet um Start-ups bemüht. Das mag zeitlich im internationalen Vergleich mit Highlights wie dem Silicon Valley verspätet anmuten, aber das Thema Start-ups ist in Deutschland auch erst seit ca. 2011 richtig populär. Vorher wurde zwischen Start-up und Gründung größtenteils nicht unterschieden, die Gründer waren aber schon immer da, auch in Düsseldorf, wie die zahlreichen Erfolgsstorys zeigen. Leider ist das in der Vergangenheit nicht so wahrgenommen worden. Die Start-up Initiative, die Oberbürgermeister Geisel im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hat, hat das Ziel, die Start-up-Kultur am Standort Düsseldorf sichtbarer zu machen und voranzubringen. Wir sind schon gut, aber mit der Initiative wollen wir Düsseldorf zu einer Start-up-Metropole entwickeln .

Was kann die Stadt tun, um die Ansiedlung von Start-ups zu forcieren bzw. die Unternehmen, die schon existieren, zu unterstützen?
Rahmenbedingungen zu schaffen ist hier unser Kerngeschäft. Wir müssen als Stadt dafür sorgen, dass Unternehmen die Vorzüge des Standortes erkennen und nutzen können – die tolle Infrastruktur, das eng geflochtene Netzwerk und auch der attraktive Wohnstandort. Darüber hinaus müssen wir aber in ständigem Kontakt mit den Start-ups sein, um zu erfahren, was wir noch besser machen können und wo wir unterstützen können. Und aus unserer Erfahrung sind die Ansprüche sehr individuell. Mal wird vielleicht ein neues Grundstück für den Unternehmenssitz gesucht , mal geht es um den Zugang zu Netzwerken und Firmen. Die Fragestellungen sind sehr vielseitig. Wir fungieren hier als Unterstützer, Ansprechpartner und Wegweiser.

Logo_No1_StartUpWoche_4c_webZwischen dem 11. und 17. April findet in Düsseldorf erstmals die „Start-up Woche“ statt. Was genau erwartet die Besucher?
Wir möchten zeigen, was Düsseldorf in Bezug auf die Start-up-Szene zu bieten hat. Und das ist eine ganze Menge. In der Woche finden fast 40 Veranstaltungen verschiedenster Art statt, die für Start-ups und Gründer in ganz unterschiedlichen Entwicklungsphasen ihrer Unternehmung spannend sind. Da sind Lern- beziehungsweise Workshop-Angebote dabei, aber auch Unterhaltungsformate. Wir freuen uns in der Stadt riesig über die große Resonanz auf Seiten der Ausrichter, aber auch der Teilnehmer.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?
Das ist schwierig zu beantworten, da es so unterschiedliche Formate und Zielgruppen gibt. Auch rechnen wir mit zahlreichen Besuchern aus der Region. Die Szene in Düsseldorf und drum herum ist sehr sehr lebhaft, von daher sind wir zuversichtlich, dass die Woche auch in Bezug auf die Besucherzahlen ein Erfolg wird. Am Ende ist es aber auch für uns ein Lernprozess, was funktioniert und wo wir in den kommenden Jahren nachbessern müssen. So ein bisschen das Prinzip, nachdem auch viele Start-ups handeln.

Langfristig soll das Ganze jährlich etabliert werden und zum Start-up Festival ausgebaut werden. Inwiefern soll das Konzept dann verändert werden?
Wir werden uns genau ansehen, was in diesem Jahr funktioniert und was vielleicht fehlt oder anders organisiert werden sollte. Wir haben selber bereits einige Erfahrungen in der Planungsphase gesammelt, was wir in den kommenden Jahren unbedingt beibehalten wollen und wo wir besser werden können. Lassen Sie uns erst einmal die Ergebnisse und auch die Reaktionen auf die Woche abwarten und dementsprechend werden wir überlegen, wie das Start-up Festival ganz konkret in Zukunft aussehen soll.

11.-17.4. Start-up Woche, Düsseldorf
Das komplette Programm gibt es hier.

2 Responses to “„Wir wollen Düsseldorf zu einer Start-up-Metropole entwickeln“ – Interview zur ersten Start-up Woche”

  1. Alexandra Wehrmann

    Liebe Frau H, herzlichen Dank für die verbalen Blumen. Ich freu mich, dass Ihnen theycallitkleinparis gefällt und nehme Ihre Anregungen gerne auf. Jetzt müssen Sie nur noch mal bestätigen, dass wir beide uns nicht kennen. Ansonsten klingt der Kommentar nämlich wie bestellt.

    Antworten
  2. Katharina

    Ich bin echt baff, wie tagesaktuell Alexandra Wehrmann Interviews zu Ereignissen in unserem D-Dorf bringt. Ich bin sehr inspiriert von den Beiträgen und habe das eine und andere Event aufgrund des Blogs besucht. So angenehm, denn die Rheinische Pest hat diese Frische und auch die Szene-Infos nicht. Weiter so! Manchmal könnte es mehr Meinung sein bzw feuilletonistischer , so dass es über den Informationscharakter hinausgeht und der Leser richtig Fütter kriegt. Aber generell, sehr fleißig Frau Wehrmann. Katharina H

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