Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Die Utopie vom perfekten Menschen. Next Zone beim düsseldorf festival

Szene aus „Super Human“, Foto: Dan Aucante

Urban Dance, früher auch bekannt als Breakdance, ist ein Tanz, der ursprünglich von der Straße stammt. Aus jenen Gegenden, in denen die Menschen nicht in muckelig warmen Villen residieren. Sondern eher an der Peripherie der Städte leben. Da, wo der Ton rau ist und das Leben beizeiten gefährlich. Die Klänge, zu denen die Tänzer agieren, sind dementsprechend. HipHop und Rap die Klassiker. Dicke-Eier-Musik. Nun lebt aber Kunst ja von Überraschung. Und von Gegensätzen. Die Choreografin Lene Boel weiß das. Seit 1997 ist die Dänin künstlerische Leiterin der Kompanie Next Zone. In der Zeit sind 16 Ensemble-Choreografien entstanden, 12 Solos, vier Tanzfilme und eine Installation. Scheint also so, als sei Stillstand und Ausruhen Boels Sache nicht.

Ende September kommt die Skandinavierin, die in New York, London und den Niederlanden ausgebildet wurde und lange Jahre in dänischen und internationalen Kompanien performte, an den Rhein. Im Rahmen des düsseldorf festivals zeigt sie ihren Zweiteiler „Ritual for the Inuit/Super Human“. „Forces of the North“ ist der Abend überschrieben. Kräfte des Nordens. Die junge HipHop-Kompanie aus Skandinavien ist nicht nur erstmals beim düsseldorf festival zu Gast, sondern gleichzeitig zum ersten Mal überhaupt in Deutschland. Wer ihren Trailer gesehen hat, dürfte sich darüber zumindest wundern. Die Moves der jungen Tänzer zaubern einem ein breites Grinsen ins Gesicht, das so gar nicht mehr verschwinden mag. Keine Frage, Boel hat ganze Arbeit geleistet. Der vielleicht genialste Schachzug, der ihr dabei gelungen ist, ist die Musik. Boel hat sich nicht für den eingangs erwähnten Dicke-Eier-Sound entschieden, sondern für pluckernde Minimal-Elektronik. Die zarten, fast zerbrechlichen Klänge in Kombination mit den kraftstrotzenden Tänzern: Dieser Gegensatz ist es, der die Faszination des Ganzen ausmacht.

Auch inhaltlich will Boel mehr als manch anderer. Und so beschränkt sich die Dänin keinesfalls auf ein einziges Sujet. Es ist vielmehr gleich eine ganze Reihe von Themen, an denen sie beziehungsweise ihre Tänzer sich am 27. und 28.9. im Theaterzelt auf dem Burgplatz abarbeiten. Die Utopie vom perfekten Menschen. Arktisches Leben vs. globale Erwärmung. Die Wirkmacht der Spiritualität. Zwischen uralten Mythen, Real‐Life‐Experimenten und Science Fiction kreist die Bühnenarbeit stets um eine Frage: Kann man die Tradition vernachlässigen und eine Welt wollen voll künstlicher Supermänner und Superfrauen, voller Supermenschen? Angesichts der Performer von Next Zone möchte man zumindest an den perfekten Körper glauben. Muskelbepackt und gleichzeitig biegsam wie Schlangenmenschen scheinen sie so gar nicht von dieser Welt.

theycallitkleinparis präsentiert: „Forces of the North“ von Next Zone, 27.+28.9., jeweils 20 Uhr, Theaterzelt auf dem Burgplatz, Düsseldorf, Karten gibt es hier.

theycallitkleinparis verlost 2 mal 2 Tickets für die Vorstellung am 28.9. unter allen, die bis zum 25.9. eine Mail mit dem Betreff „Next Zone“ an salut@theycallitkleinparis.de senden.

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