Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Peter Rueben im Interview – „Zwischen Rezo und Claus Kleber“

Peter Rueben, Foto: Peter Rueben

Peter Rueben ist in Düsseldorf bekannt wie der in solchen Fällen gern herangezogene bunte Hund. 30 Jahre lang hat Rueben für den WDR gearbeitet – als Reporter, Autor und Moderator. In den vergangenen Jahren wurde es vorübergehend ruhig um den 68-Jährigen. Seit einigen Monaten macht Rueben nun wieder Filme. Nicht mehr für den öffentlich-rechtlichen Sender, sondern in erster Linie für sich selbst. Aber natürlich hat er nichts dagegen, wenn sich auch andere die Videos anschauen. theycallitkleinparis hat mit Peter Rueben gesprochen.

 

Peter, wann hast du aufgehört, für den WDR zu arbeiten?
Im Januar 2017. In den letzten zwei Jahren hatte ich meine Arbeit allerdings schon stark zurückgefahren und immer weniger gemacht.

Wie lange warst du für den Sender tätig?
30 Jahre. Angefangen habe ich 1986. Ich war allerdings nie festangestellter Redakteur, sondern immer fester Freier.

Was kam nach deinem Ausstieg?
Journalistisch habe ich erst mal eine Zeit lang nichts gemacht. Nur meine Medientrainings, den Zweig habe ich mir schon vor 15 Jahren aufgebaut, liefen weiter. Ich brauchte Zeit, loszulassen, zu begreifen, was da in den letzten Jahren beim WDR passiert war und zu überlegen, wie ich mich in Zukunft aufstellen möchte.

Wann kam dann der Wunsch auf, wieder journalistisch zu arbeiten?
Ich würde das gar nicht „journalistisch arbeiten“ nennen.

Sondern, wie nennst du es?
Filme machen, Videos machen. Das ist auch mein Ursprung. Ich habe ja in den 1970er-Jahren in freien Videogruppen angefangen. Selber ausdenken. Selber drehen. Selber schneiden. Das hat mich damals fasziniert. Und fasziniert mich heute noch.

Rueben bei einem Dreh mit Andi Meurer von den Toten Hosen, Foto: Peter Rueben

Dann ist das, was du jetzt machst, also eigentlich eine Rückkehr zu den Wurzeln.
Richtig. Es ist das Wiederbeleben von Dingen, die ich als Journalist gerne gemacht habe. Ich habe viele unterschiedliche Sachen gemacht, aber nicht alle gerne. Die Formate, mit denen ich mich am wohlsten fühlte, wo ich am meisten bei mir selber war, waren die „Happy Hour“ (1990 bis 2002) und ein Format namens „Lokalszene“, für das ich als selbstdrehender Reporter unterwegs war, mit entsprechend kleiner Ausrüstung. Beide Formate entsprachen meinen Stärken. Interessante Gespräche zu führen, das lag mir. Oder spontan auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Kommunalpolitik zu können, habe ich hingegen nur vorgetäuscht.

Womit begann dein Wiedereinstieg ins Filmemachen?
Der erste Film, den ich nach meiner WDR-Zeit gemacht habe, ist aus purem Zufall entstanden. Helge Achenbach hat nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in der Galerie von Ulli Maier in Flingern ausgestellt. Da bin ich dann einfach mit meinem Handy hingegangen, habe ein paar Bilder gedreht, ein paar Interviews gemacht. Was ich damit machen wollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Letzten Endes ist dann ein Film daraus geworden. Und als der fertig war, habe ich gedacht, du könntest eigentlich noch einen machen. Wie viele das dann anschließend gucken, ist für mich völlig nebensächlich.

Mittlerweile sind weitere Filme entstanden. Und du hast dir einen YouTube-Kanal eingerichtet, wo du sie einstellst. „Ackerstraße“ heißt der. Warum denn Ackerstraße?
Weil ich um die Ecke wohne. Eigentlich näher an der Lindenstraße. Aber die konnte ich ja nicht nehmen. Ich mag das Wort. Ackerstraße. Das hat so was Dreckiges. Was von Arbeit. Auf dem Acker. Ich bin übrigens in Flingern aufgewachsen. Auf dem hinteren Teil des Höherwegs, in dem Gewerbegebiet. Das war in den 1950er-Jahren. Ich kenne Flingern also noch aus einer Zeit, als es richtig abenteuerlich war. Ohne meinen Hund bin ich damals nur ungern rausgegangen, vor allem abends nicht.

Zurück zu deinen Filmen. Parallel zu deinem YouTube-Kanal sind die auch auf Rainer Bartels Online-Magazin „The Duesseldorfer“ zu sehen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Rainer und ich kennen uns schon länger. Ich habe immer gerne seine Blogs gelesen. Anfangs „Rainer sacht“, später dann „Rainer‘sche Post“ und heute „The Duesseldorfer“. Als ich angefangen habe mit den Filmen, habe ich Leuten, von denen ich dachte, das könnte sie interessieren, Links geschickt. So auch Rainer. Der mochte den Film und sagte, so was könne er sich gut auf seiner Seite vorstellen. Unsere Kooperation ist noch ganz frisch, sie läuft erst seit Juni. Aber wir merken schon, dass wir zusammen gut Ideen entwickeln können.

Welchen Themen möchtest du dich in Zukunft widmen?
Das weiß ich selber noch nicht genau. Kommunalpolitik ist durchaus etwas, was mich als Filmemacher interessiert. Nur eben nicht so, wie ich es in meiner WDR-Zeit gemacht habe. Die „Lokalzeit“ war aber auch, was Kommunalpolitik angeht, kein Player. Da hat die „Rheinische Post“ immer den Takt angegeben. Die Rathaus-Berichterstattung der „Lokalzeit“ war im Gegensatz dazu Erfüllung einer Chronistenpflicht. Sobald man meinungsfreudig wurde, tauchten auch schon die Filter auf, und die Stopzeichen. In all den Jahren, die ich für den WDR gearbeitet habe, hat es auf diesem Sendeplatz nie einen Kommentar-ähnlichen Ansatz gegeben. Egal in welcher Form. Da haben die sich völlig raus gehalten. Bloß keine Meinung. So würde ich das nicht machen.

Du würdest also nicht zwangsläufig eine neutrale Position einnehmen?
Nö. Die meisten dieser klassischen Fernsehbeiträge haben ja die Form eines dialektischen Besinnungsaufsatzes. Einer ist dafür. Einer ist dagegen. Synthese: Schau‘n mer mal. Das finde ich furchtbar.

Trotzdem hast du ja in deinen letzten Jahren beim WDR – entgegen deiner Überzeugung – ähnlich gearbeitet. Ist dir das schwergefallen, den Hebel umzulegen?
Den Hebel umzulegen ist das Einfachste auf der Welt. Man macht die Beiträge halt so, wie sie erwartet werden. Dem kann man sich wunderbar anpassen. Das ist ja auch viel einfacher. Es macht halt nur keinen Spaß. Und letztendlich ähneln sich auch alle Beiträge.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Medienlandschaft stark verändert. YouTuber und Blogger adressieren mit ihren Formaten eine Zielgruppe, die die klassischen Medien gar nicht mehr erreichen. Wem fühlst du dich näher, Rezo oder Claus Kleber vom „heute journal“?
Das ist eine gemeine Frage. Ich glaube, mein persönliches Ideal liegt irgendwo dazwischen. Das, was Rezo macht, ist natürlich auch formatiert und keinesfalls spontan. Das ist auch am Reißbrett entstanden. Genauso wie das „heute journal“. Ich glaube, mir liegen Situationen, in denen ich selber nicht genau weiß, was passiert. Früher waren, so meine Erfahrung, Gesprächspartner eher bereit, sich auf eine solche Ungewissheit einzulassen. Der ehemalige OB Joachim Erwin beispielsweise. Den konntest du freitags um 16 Uhr anrufen und drei Stunden später saß er in der „Happy Hour“ und musste sich unbequeme Fragen zum Thema Olympia-Bewerbung gefallen lassen. Ohne Vorabsprache, ohne alles. Heute wäre das undenkbar. Da hat man auf den Posten ja eher Manager, die der Meinung sind, die Kommunikation müsse wie in einem Unternehmen laufen.

Für deine neuen Filme nutzt du nur sehr wenig Equipment. Ein Handy. Und einen Gimbal. Warum so minimalistisch?
Ein mehrköpfiges Kamerateam braucht immer etwas Zeit, bis es drehbereit ist, und man muss sich kurz verständigen, was der Reporter genau haben will. Wenn ich selber drehe, drücke ich den Knopf, sobald ich was Interessantes sehe. Dazu kommt, dass man die Gesprächspartner als mehrköpfiges Fernsehteam natürlich einschüchtert. Das ist mir als Einzelperson selten passiert. Viele Leute begreifen in dem Moment, in dem ich sie befrage, nicht mal, dass ich eine Kamera dabeihabe. Deshalb sprechen sie ganz normal mit mir. Das war schon beim WDR so, wenn ich mit dem kleinen Equipment unterwegs war.

Aber WDR-intern war diese Arbeitsweise umstritten, phasenweise gar untersagt. Woran störte man sich?
Selbstdrehende Reporter durfte es beim WDR früher nicht geben. Weil man einen starken Personalrat hatte, der die Kameraleute schützen wollte. Heute ist der selbstdrehende Reporter Gang und Gäbe. Aber als ich das angefangen habe, war es schlichtweg nicht erlaubt. Während meiner letzten Jahre beim WDR habe ich dann ein Exposé für ein ähnliches Format eingereicht – und daraufhin acht Wochen lang nichts gehört. Da wusste ich: hat jetzt nicht ganz den Geschmack getroffen. Die Machart hat in der Redaktion stark polarisiert. Die einen fanden es super. Die anderen sagten: ‚Na ja, an die Schnitte muss man sich erst gewöhnen‘.

Die Beiträge, die du bisher für „Ackerstraße“ beziehungsweise „The Duesseldorfer“ gemacht hast, sind zwischen vier und sechs Minuten lang. Könntest du dir vorstellen, dich einem Thema auch mal wesentlich ausführlicher zu widmen?
Das kann ich mir gut vorstellen. Es gibt sogar die Idee einen Formats, in dem man zehn Minuten einem einzigen Thema widmet. Mit einem Gesprächspartner. Das möchte ich gerne mal ausprobieren. So was findet im Fernsehen ja kaum noch statt. Studio-Gespräche dauern in der Regel zweieinhalb Minuten, O-Töne 20 Sekunden. So kommt man natürlich nie in die Tiefe.

Über welche Medien informierst du dich heute selber?
Also, das „Zeit“-Abo haben wir nicht mehr. Die „Titanic“ beziehe ich noch. So was Bescheuertes muss man einfach unterstützen. Und die „Yacht“, weil ich gerne segle. Das ist eigentlich auch Quatsch, weil immer das Gleiche drinsteht. Die „Monopol“ kommt regelmäßig. Tageszeitungen lese ich schon seit Jahren nur noch online. „FAZ“, „Süddeutsche“, „Frankfurter Rundschau“ und natürlich „Rheinische Post“. Zunehmend auch die „New York Times“. Im Fernsehen schaue ich live in erster Linie Fußball. Mal einen gezielt ausgesuchten Film. Dazu routinemäßig Stephen Colberts „The Late Show“ und „LastWeekTonight“ von John Oliver, beides us-amerikanische Late Night Shows. So wie die beiden das machen, hätte ich das auch gerne gekonnt.

Die neuen Filme von Peter Rueben gibt es hier.

Blick in die Vergangenheit: Ausschnitt aus einer „Happy Hour“-Sendung aus dem Jahr 1999

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