Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Tanzende Schwalben. Open-Source-Lieblingsmomente

Foto: Alexandra Wehrmann

Philipp Maiburg selber mochte einen Moment, der mittlerweile schon viele Jahre zurückliegt. 13, um genau zu sein. 2006 forderte die schwedische Band Slagmålsklubben beim „Open Source Festival“ auf dem Gelände des Strandbad Lörick ihr Publikum auf, kollektiv in den See zu springen. Was die Kids natürlich prompt taten – ohne Rücksicht auf laichende Fische zu nehmen. Woran erinnern sich andere Besucher des OSF besonders gern? Welche Momente haben sich in ihre Hirne eingebrannt? theycallitkleinparis hat bei sieben Düsseldorfern mal nachgefragt.

 

Foto: Christian Al-Mosawi

Celine Al-Mosawi, Art-Direktorin
Nach neun Jahren Festivalbesuch mit einer immer stärker werdenden Liebe für Konzerte erinnere ich mich immer wieder gerne an einen Moment aus dem Jahr 2012 zurück. Beirut spielten untermalt von Euphonium und Trompete in einer Kulisse, wie ich das „Open Source“ immer im Gedächtnis behalten möchte. Mit ein paar lieben Freunden im Publikum auf der leichten Anhöhe, ein kaltes Bier in der Hand, die Sonne geht langsam unter und malt den Himmel in den schönsten Farben, über unseren Köpfen fliegen Schwalben und wir lauschen alle tanzend der Musik. In solchen Momenten steht die Zeit kurz still.

Foto: Ulf Preuß

Stephan Fritsch, Filmemacher
Mein schönster Open-Source-Moment fand nicht auf der Galopprennbahn statt, sondern auf der Mintropstraße, nämlich als Kreidler 2015 im ehemaligen Kling-Klang-Studio von Kraftwerk aufgetreten sind. „Live at Elektro Müller“ hieß das Artist-in-residence-Programm, das es Musikern ermöglichte, ein paar Tage im Kling-Klang-Studio zu proben und dann freitags dort aufzutreten. Ich kannte bis dahin die Räume nur von außen. Es war Mitte Juli, total heiß, und der Raum, in dem Kreidler auftraten, war nicht klimatisiert. Es war schön, endlich mal in den Räumen zu sein, in denen die Musik von Kraftwerk entstanden ist, und die Stücke, die Kreidler spielten, passten wunderbar zu dem Ort. Als das Konzert zu Ende war und wir raus in die erfrischende Kühle des Innenhofs traten, war ich froh, das Kling-Klang-Studio als das erlebt zu haben, wofür es gebaut worden war: als Ort, an dem besondere Musik erschaffen wird.

Foto: Benny Berger

Laura Jil Beyer, Texterin & Strategieberaterin
Ich habe gesagt: „Kids, ich schmeiße jetzt ‘ne Runde.“ Während ich am Getränkestand mein Portemonnaie in eine Bierlache entleerte und mit klebrigen Fingern die letzten Groschen abzählte, sann ich darüber nach, wie die Einzelteile meines Düsseldorfer Lebens sich einmal im Jahr zu dieser weißen Tribüne gegenüber von mir fügten. Dass all die durstigen Menschen auf diesem schrägen Grashang eigentlich nur davon besoffen waren, gemeinsam an einem Ort zu sein. Und als ich nach den überschäumenden Plastikbechern griff, realisierte ich pures Glück: Ich habe mehr Homies, als ich Bier tragen kann. Ich weiß nicht, ob Musik lief, als sich das Bräu literweise auf mein Kleid ergoss, oder ob die dusselig eleganten Schwalben im Sonnenuntergang über mir ihre Kreise zogen. Aber ich weiß, welche Weisheiten mir The Streets, Architecture in Helsinki und Hot Chip in 13 Jahren OSF ans Herz gelegt haben: 1. Dry your eyes, mate. 2. Do the whirlwind. 3. Do it, do it, do it, do it, do it, do it, do it now.

Foto: cilc

Christina Irrgang, Freie Autorin & Musikerin
Das „Open Source Festival“ ist für mich im wahrsten Sinn zu einer „sprudelnden Quelle“ geworden: Ich war zum ersten Mal im Sommer 2013 dort mit einer großen Liebe, wir spielten den „heißen Draht“, dann stand ich im Folgejahr schon selbst auf der Bühne mit BAR und nachts rauschte Dean Blunt im Nebel mit einer unfassbaren Show in unsere Köpfe. 2017 präsentierten wir mit BAR neue Stücke und die Magie, die durchs Publikum flirrte, werde ich nie vergessen. Alles Wundervolle ereignete sich immer wieder um die Carhartt-Bühne herum: strahlende Augen, Lächeln, Faszination, liebenswerte Gespräche, musikalischer Austausch und Umarmungen. Marion Strehlow gab mir als ganz fester Bestandteil Gestalt und Philipp Maiburg Raum, Danke! Von der Besucherin zur Künstlerin zu werden auf dem „Open Source“ – ein blaugrünes Juwel.

Foto: Celine Al-Mosawi

Christian Al-Mosawi, Designer
Die typischen Open-Source-Lieblingsmomente finden in der Abendsonne auf der Rennbahn statt. Bei großartiger Musik, umgeben von Freunden, mit einem kühlen Bier in der Hand. Sie fließen im Rauschen der Jahre ineinander und das ist auch okay so. Ein untypischer Lieblingsmoment: nachts, Freunde schon verschwunden, bis 4 Uhr im Stahlwerk für Modeselektor ausgeharrt. Und dann dieser laute, bratzige, fast asoziale Sound, der nicht enttäuscht. Bekannte Gesichter wiedergefunden und glücklich nach Hause in den frühen Morgen entschwunden.

Foto: Jan Paul Laarmann

Jan Paul Laarmann, Projektleiter
Einen halben Tag mit irgendwelchen Leuten verquatscht und keine Ahnung, wer da spielt. Aus dem Nichts schiebt sich endlich die Musik in das Bewusstsein. Beirut beseelt das Publikum in der Abendsonne. Aus dem Dach der Tribüne flattern Schwalben und tanzen in den Himmel.

Andreas van der Wingen, Musiker
Ich durfte zweimal auf der großen Bühne des „Open Source“ spielen. 2010 mit Kiesgroup und 2016 mit Oiro. „Magie“ war mir immer ein sehr genehmes Etikett für dieses Dasein.

Foto: Lars Gottfried

13.7., ab 12:30 Uhr, Rennbahn Düsseldorf, Rennbahnstr. 20, Tickets gibt es hier.

 

 

 

 

 

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