Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Nina Bienefeld im Interview – „Neue Künstler finde ich bei Instagram“

Arbeit von Stefhany Lozano, Foto: Jakob Adolphi

Es gibt in Düsseldorf derart viele Galerien, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Neue Player kommen und gehen. Nina Bienefeld ist geblieben. Ihre Galerie Ninasagt feiert in diesem Jahr bereits zehnten Geburtstag – und gehört damit zu den Konstanten der Branche. theycallitkleinparis hat mit Bienefeld gesprochen.

 

Erinnerst du dich noch an die erste Ausstellung, die du in deinem Leben besucht hast?
Nein, nicht konkret.

Wie wurdest du, was die Kunst angeht, sozialisiert? Nahmen deine Eltern dich zum Beispiel mit ins Museum?
Ja, das war selbstverständlich und nie eine Qual. Speziell mein Vater mag Kunst und Künstlerisches gern als Ausgleich.

Du hast Grafik-Design studiert, bei „Giga TV“ gearbeitet und später in der Redaktion des Stadtmagazins „Prinz“. Was war ursprünglich dein Berufswunsch?
Ich wollte eigentlich als Redakteurin bei „Giga“ bleiben. Da dort das gesamte Team mehr aus Machern als aus ausgebildeten Journalisten bestand, habe ich mir gedacht, ich studiere zusätzlich etwas, was mir Spaß macht, mit dem Wissen, danach nie in einer Werbeagentur am Rädchen zu drehen. Nach meinem Studium gab es „Giga“ dann nicht mehr, da habe ich beim „Prinz“ angefangen.

Letztendlich wurdest du dann Galeristin. Wie kam’s?
Während der Arbeit beim „Prinz“ habe ich seit 2006 nebenher Ausstellungen organisiert. An wechselnden Orten in Düsseldorf und mit großer Unterstützung von meinen „Prinz“-Kollegen. Als die Düsseldorfer Printversion eingestellt wurde, habe ich mich dann mit der Galerie selbstständig gemacht.

Die ersten festen Räume von Ninasagt waren an der Talstraße. 2013 folgte der Umzug auf die Stresemannstraße. Ab welchem Zeitpunkt hast du dich selber als Galeristin bezeichnet?
Mit dem Umzug in die Stresemannstraße und vornehmlich auch mit der Digitalisierung. Arbeiten online zu verkaufen und die Künstler somit weltweit zu vertreten, ist schon eine spannende Sache.

Verglichen mit anderen Städten gibt es in Düsseldorf wahnsinnig viele Galerien. Wie hast du deine Nische gefunden?
Das habe ich nicht bewusst gemacht, sondern das hat sich aus der existierenden Situation in Düsseldorf ergeben. Damals lag in keiner anderen klassischen Galerie der Fokus aus urbaner und angewandter Kunst oder Illustration.

Was für Künstler zeigst du?
Gezeigt wird ein Mix aus nationaler und internationaler Kunst, bekannten Künstlern und solchen, die noch darauf hin arbeiten, bekannt zu werden.

Wie teuer sind die Arbeiten, die bei dir gezeigt werden?
Kleinere Arbeiten oder Drucke sind schon mal für 100 Euro zu bekommen. Meist kosten die Werke aber zwischen 500 und 3000 Euro. Ich versuche, darauf zu achten, dass die Arbeiten für Interessierte meiner Generation zu erwerben sind.

Wie findest du deine Künstler?
Die Galerie kann mittlerweile aus dem erarbeitenden Portfolio schöpfen. Alle Künstler kommen in regelmäßigen Abständen wieder. Neue Künstler finde ich bei Instagram.

Was macht eine Galeristin so den lieben, langen Tag, wenn nicht gerade Vernissage ist?
Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Sind die Vorbereitungen einer Eröffnung abgeschlossen, kommt der Fotograf, werden Kataloge erstellt, die Webseite gepflegt, Arbeiten versandfertig gemacht. Fensterschrift und Flyer ausgetauscht. Nach circa 14 Tagen beginnen dann die Vorbereitungen für die nächste Eröffnung.

Wie agierst du, wenn Besucher deine Galerie betreten? Lässt du sie schauen oder betreust du sie?
Eigentlich lasse ich die Leute nach einer Begrüßung in Ruhe schauen.

Erkennst du einen finanzkräftigen Sammler auf Anhieb?
Da ich eh die meisten Arbeiten meiner Künstler online verkaufe und mit den Käufern nur per E-Mail in Kontakt bin, weiß ich oft nicht, wer hinter dem Kauf steckt und wie groß deren oder dessen Sammlung bereits ist.

Du hast mal gesagt, dass es sieben bis zehn Jahre brauche, bis man mit seiner Galerie ernst genommen wird. Hast du den Eindruck, dass du mittlerweile an dem Punkt angekommen bist? Und wenn ja, woran machst du das fest?
Wenn ich Künstler zum ersten Mal einlade, merke ich an deren Reaktion, dass die Galerie wohl weltweit ein gutes Renommée hat.

Ausstellung von Dave Bruce, Foto: Alexander Romey

Momentan zeigst du die kolumbianische Künstlerin und Illustratorin Stefhany Lozano. Ihre Arbeiten wirken farbenfroh und fröhlich, dabei greift die aktuelle Serie „Kurz davor“ Themen wie Ängste und Klaustrophobie auf. Wie würdest du jemanden, der die Künstlerin nicht kennt, überzeugen, sich ihre Schau anzugucken?
Die Sicht auf Kunst und deren Empfinden ist derart subjektiv, dass es schwer ist, Menschen davon zu überzeugen. Natürlich weiß ich mittlerweile, wem meiner Käufer was gefällt, insofern kann ich schon mal was empfehlen. Meine letzte Ausstellung zeigte unter dem Titel „Playground“ Arbeiten von Dave Bruce. Als Motiv dienten vornehmlich diverse Sportbälle. Folgerichtig waren Ballsport-affine Besucher davon sehr begeistert.

Welche Ausstellungen planst du für den Rest des Jahres?
Nach der Sommerpause findet als Rahmenprogramm zur zweiten Skateweek eine Ausstellung in der Galerie statt. Danach folgen zwei Künstlerinnen, die jeweils ihre erste Show bei mir gestalten und die Ausstellungssaison 2019 beendet Jordy van den Nieuwendijk aus Den Haag.

Mal abgesehen, von deiner eigenen Galerie. Welche ist deine liebste, also weltweit gesehen?
Vorbildliche Arbeiten leisten die Alice Gallery in Brüssel, The Hole in New York und die ruttkowski68 Galerie aus Köln.

Wie beurteilst du die Düsseldorfer Galerienlandschaft?
Bisschen piefig, bisschen elitär, typisch Düsseldorf eben.

Bis 22.6.: Stefhany Lozano „Kurz davor“, Nina sagt, Stresemannstr. 39, Düsseldorf, Mo-Fr 13-18, Sa 12-16 Uhr

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