Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Nächster Rundgang: „Kernkompetenz Widerstand. Die Kiefernstraße“

Kiefernstraße in den Achtzigern, Foto: Kaspar Michels

Die Kiefernstraße ist so etwas wie der Gegenentwurf zum Düsseldorf-Klischee. Auf der einst besetzten Straße zeigt sich die Hochburg des Neo-Kapitalismus von einer gänzlich anderen Seite. Die Häuser sind bunt. Das Wohnen günstig. Die Bewohner alternativ. „Es gibt in Düsseldorf zwei über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Straßen“, schrieb die Welt im Mai 2006. „Die eine ist die Einkaufsmeile Königsallee, auf der sich die Stadt von der wohlhabenden Seite zeigt. Die andere ist die Kiefernstraße in Flingern.“

Die Kiefernstraße hat seit je her ihre ganz eigenen Gesetze. Und ihre eigene Identität. Viele Menschen, die hier leben, haben die Häuser in den 1980er-Jahren mit besetzt – und sind geblieben, nachdem die Stadt im Jahr 1987 Mietverträge mit den ehemaligen Besetzern abschloss. Hier findet man keine Unternehmensberater, Anwälte oder BWLler. Stattdessen Künstler, Handwerker, Physiotherapeuten und Musiker. Oliver aus der 1. Susy aus der 11. Oder Harald aus der 35. Wichtiger als der Nachname ist auf der Kiefern die Hausnummer. Viele Entscheidungen, die die einzelnen Häuser oder die gesamte Straße betreffen, werden in der Gruppe getroffen. Das ist manchmal anstrengend. Aber den Eindruck, das eigene Leben sei fremdbestimmt, bekommt hier keiner so schnell.

Trotzdem dreht sich die Welt rund um die Kiefern natürlich weiter. Die einstige Hall of Fame auf dem Gelände von Teppich Frick machte 2010 Platz für das B8-Center, das unter anderem Filialen eines Elektromarkts, eines Möbeldiscounters und einer Spielothek beherbergt. Auf dem Gelände der Schwanenhöfe präsentiert sich die schöne neue Arbeitswelt nebst Fitness-Studio und Szene-Gastronomien. Und was genau auf dem Grundstück passieren wird, auf dem einst die Kfz-Werkstatt Drösser ihre Reparaturen ausführte, ist noch nicht endgültig klar. Fakt ist: Der zunächst geplante Hotelneubau wurde gekippt.

Die Bewohner der Kiefernstraße werden den Prozess auch in Zukunft im Auge behalten. Kritisch, aber konstruktiv. Der jüngste Stadtrundgang des Düsseldorf-Blogs theycallitkleinparis lädt zu Begegnungen mit Kiefernstraßen-Kennern und Bewohnern ein. „Kernkompetenz Widerstand. Die Kiefernstraße“ ist er überschrieben, findet am 26. Mai statt und alle Details bleiben wie immer im Vorfeld nebulös.

Kernkompetenz Widerstand. Die Kiefernstraße
26. Mai, 12 Uhr
Teilnahmegebühr: 10 Euro
Anmeldungen unter salut@theycallitkleinparis.de (Treffpunkt wird bei Anmeldung bekannt gegeben)

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