Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Michael Heiber im Interview – „Ich möchte die DIY-Szene ansprechen“

Michael Heiber, Foto: Heike Elfrink

Anfang 2018 berichtete theycallitkleinparis über den Plan von Axel Ganz und Michael Heiber. Die beiden Düsseldorfer wollten damals ein Vinylpresswerk in der Stadt aufziehen. Dieser Plan hat sich mittlerweile erledigt. Stattdessen hat Michael Heiber im November 2018 unter dem Namen neophon eine Agentur für Tonträgerherstellung gegründet. Was genau sich dahinter verbirgt? Hat er theycallitkleinparis im Interview erzählt.

 

Eigentlich wolltest du zusammen mit Axel Ganz ein Vinylpresswerk ins Leben rufen. Wann genau entstand die Idee ursprünglich?
Die Idee entstand im Februar 2017, nachdem ich erfahren habe, dass wieder neue Pressmaschinen produziert werden. Die Gründung eines Presswerks hat mich schon immer fasziniert und da habe ich mich intensiv in das Thema eingearbeitet. Bis Sommer 2017 habe ich dann einen Entwurf für einen Businessplan erstellt und Axel Ganz gefragt, ob er das mit mir zusammen machen möchte.

Anfang vergangenen Jahres war über eure geplante Gründung viel in der lokalen Presse zu lesen. Letztendlich habt ihr die Idee dann nicht so umgesetzt wie geplant. Warum nicht?
Die Finanzierung war viel schwieriger als erhofft. Obwohl wir von Investoren Zusagen über 170.000 Euro hatten, fehlte immer noch ein gutes Stück, um mit der Bank weiterreden zu können. Insgesamt hätten wir rund 600.000 Euro benötigt. Es wurde Herbst und die Zeit lief mir davon, der Markt hatte sich verändert und mir wurde am Ende das Risiko zu groß. Realistisch betrachtet hätte ich vielleicht Anfang 2020 mit der Produktion beginnen können, da der Aufbau eines eigenen Werks sicher ein dreiviertel Jahr in Anspruch genommen hätte. Das war mir dann zu spät.

Ende November hast du nun alleine, also ohne Axel, neophon gegründet. Die Gründung passierte in einem Moment, da du schon wieder auf der Suche nach einem normalen Job warst, sie kam also offenbar ziemlich überraschend. Was genau ist passiert?
Nachdem Axel im Sommer 2018 ausgestiegen ist, wollte ich es alleine weiter versuchen. Ich habe mir eine Deadline bis November gesetzt und das Geschäftsmodell mehrmals verändert und viele gute Leute aus der Branche kennengelernt. Aber am Ende lagen doch nur noch Steine im Weg. Deshalb habe ich mich Anfang November wieder frustriert nach einer Festanstellung umgesehen. Ich stand zu der Zeit schon länger mit einem kleinen Presswerk in Kontakt, habe gar nicht mehr an eine Zusammenarbeit geglaubt und am Ende hat sich alles innerhalb von zwei Wochen ganz plötzlich ergeben. Ich konnte eine Kooperation vereinbaren, die so in der Form vielleicht einmalig, in jedem Fall aber ungewöhnlich ist.

neophon ist kein Vinylpresswerk, sondern eine Agentur für Tonträgerherstellung. Was genau darf man sich darunter vorstellen?
Eine solche Agentur, auch Vinyl Broker genannt, produziert nicht selber, sondern nutzt freie Kapazitäten von Presswerken und lässt dort produzieren. Als Agentur biete ich einen Full Service mit Beratung an, bin der zentrale Ansprechpartner und organisiere die gesamte Produktion im Sinne des Kunden. Da ich den ganzen Overhead eines Presswerks nicht habe und mir meine Kooperationspartner aussuchen kann, ist es möglich viel flexibler zu agieren und ein größeres Produktportfolio anzubieten.

Du kooperierst mit einer kleinen Schallplatten-Manufaktur aus NRW.
Ja, das Presswerk befindet sich ca. 60 Kilometer von Düsseldorf entfernt, in Wassenberg. Der Qualitätsanspruch dort ist sehr hoch und die Mitarbeiter haben über 30 Jahre Press-Erfahrung.

Langfristig möchtest du dein Angebot auch jenseits des Vinyls erweitern. Was schwebt dir darüber hinaus noch vor?
Ich möchte mittel- bis langfristig auch die Herstellung von CDs, DVDs, Musik-Kassetten und einen Digitalvertrieb anbieten. Aber den Vinylbereich möchte ich auch erweitern: ungewöhnliche Sonderformate wie 8“, 11“, Shape oder Etched Vinyl, 200 Gramm-Pressungen, Siebdruck-Produkte oder Video auf Vinyl. Auch den Aufbau eines Onlineshops für Vinyl-Zubehör habe ich im Hinterkopf.

Welche Kundschaft möchtest du mit neophon ansprechen?
Bis auf wenige Ausnahmen alle, die Schallplatten benötigen. Im Speziellen möchte ich die DIY-Szene ansprechen, die kleine und limitierte Sonderauflagen ab 100 Stück benötigen. Und ich möchte gerne audiophile Labels als Kunden gewinnen. Die haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch, den ich mit meinen Kooperationspartnern erfüllen kann.

Die Geschichte deiner Gründung ist nicht zuletzt ein leidenschaftlicher Kampf, den du, so wie es momentan ausschaut, gewonnen hast. Gerade geht es mit neophon richtig los. Wie ist deine Gefühlslage?
Sehr glücklich, aber auch etwas nervös. Ich glaube, dass ich gut vorbereitet bin und ich freu‘ mich drauf.

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