Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Erinnern und Vergessen. Weronika Gęsicka im Polnischen Institut

Ohne Titel (Ausschnitt), aus der Serie „Traces“ (2015-2017), Foto: Weronika Gęsicka, Copyright: Jednostka Gallery

Auf den ersten Blick sieht es aus, als wäre alles in Ordnung auf den Fotos von Weronika Gęsicka. Eine heile Familie lächelt – aufs Canapée drapiert – in die Kamera. Doch irgendwas stimmt nicht. Genau: Alle vier haben dasselbe Gesicht. Die Tatsache, dass dem so ist, ist der Künstlerin zu verdanken. Die Polin kreiert aus Vintage-Fotos verstörende Bildwelten, die zum Nachdenken anregen und den Betrachter in eine pittoreske, aber beunruhigende Retro-Welt entführen. Derzeit sind Gęsickas Arbeiten in der Galerie des Polnischen Instituts zu sehen. Der Titel der Schau könnte treffender nicht sein. Er lautet: „Seltsam“.

Weronika Gęsicka hat an der Akademie der Schönen Künste Warschau studiert. Grafik. Heute ist ihr Hauptarbeitsgebiet die Fotografie, sagt sie, „aber ich schaffe auch Objekte, die als individuelle Elemente oder als Grundlage für meine Fotos dienen“. Gęsicka ist gerade mal Mitte 30. Trotzdem konnte sie bereits zahlreiche Preise einheimsen. Den „Spotlight Award“ des „Belfast Photo Festivals“ zum Beispiel. Oder „Foam Talent“. In diesem Jahr werden ihre Arbeiten in unterschiedlichen Teilen der Welt zu sehen sein: Geplant sind Einzelausstellungen im japanischen Kyoto und in Straßburg, zudem ist sie an Gruppenausstellungen in Wien und Budapest beteiligt. Unter anderem.

Ausgangspunkt von Gęsickas Arbeiten sind Fundstücke. Fotos, die sie im Internet gefunden hat. Fotos aus Polizeiarchiven. Alte Pressefotos. Sie alle sind nicht mehr, was sie waren, nachdem die Künstlerin Hand angelegt hat. Die durch Verfremdung entstandenen Werke lösen unterschiedliche Gefühle beim Betrachter aus. Manche sind unheimlich. Andere reizen zum Lachen. Die drei Paare auf der Tanzfläche etwa, bei denen Gęsicka die Größenverhältnisse kurzerhand umgekehrt hat. Die Frauen groß und stämmig. Die Männer klein und schmächtig. Sie reichen ihren Tanzpartnerinnen nicht einmal bis zur Schulter, stehen den Ladys auf den Füßen und haben ihre Gesichter fest in deren Brüsten vergraben.

In ihren Arbeiten befasse sie sich mit mit verschiedenen Aspekten von Erinnerung und Gedächtnis, sagt Weronika Gęsicka. Dazu gehören wissenschaftliche und pseudowissenschaftliche Theorien, Mnemotechniken (Techniken, mit denen sich die Gedächtnisleistung steigern lässt) und verschiedene Arten der Verzerrung. „Außerdem interessieren mich auch die eigentlichen Prozesse des Erinnerns und Vergessens als solche“, erklärt die Künstlerin. Schließlich bilden sie – im Zusammenspiel mit vielen anderen Faktoren – das Fundament unserer Wahrnehmung der Welt um uns herum.

Weronika Gęsicka „Seltsam“: bis 22.3., Polnisches Institut, Citadellstr. 7, Düsseldorf, Di + Mi 16-19, Do + Fr 11-16 Uhr

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