Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Widerspenstig wie immer. Sophie Hunger kommt ins zakk

Sophie Hunger, Foto: Marikel Lahana

Das Leben von Sophie Hunger wirkt von außen betrachtet nicht gerade langweilig. Seit mehr als zehn Jahren steht die Diplomatentochter aus der Schweiz, die bereits in Bern, London, Bonn und Zürich lebte, mittlerweile auf der Bühne. Ihr Sound mäanderte dabei stets zwischen Jazz, Chanson, Soul und Pop. Irgendwann war Frau Hunger das nicht mehr genug. Oder wie sie es in ihrer sehr direkten Art sagt: „Manchmal ist man gelangweilt von sich selbst und muss ein neues Feuer finden.“ Seit rund drei Jahren lebt Sophie Hunger in Berlin. Als sie dorthin kam, begab sie sich auf eine musikalische Spurensuche – und entdeckte Krautrock für sich. Sie fand es spannend, dass vieles in der elektronischen Musik einen deutschen Ursprung hatte, obwohl allgemein der Glaube vorherrscht, in dem Bereich hätten die Amerikaner und Engländer stets die Nase vorn. Hunger wollte die technischen Hilfsmittel, mit denen diese Art von Musik erzeugt wird, erlernen und ging in die USA, nach Los Angeles. Damals war gerade ihr fünftes Album „Supermoon“ erschienen.

In L.A. belegte die Musikerin Kurse an einer Schule für Software und Aufnahmetechnik. Sie wollte nicht mehr auf andere angewiesen sein, hat sie in einem Interview erzählt. Sie wollte alles alleine machen können. Hat sie dann auch. Ihr aktuelles Album „Molecules“, das im August vergangenen Jahres erschien, hat sie fast komplett im Alleingang erarbeitet. Synthesizer, Drum-Computer, Stimme und Gitarre. „Minimal Electronic Folk“ nennt Hunger ihren neuen Sound. Die elf Kompositionen des Albums entstanden kurz nach einer Trennung. Das Songschreiben sei sehr stark mit dieser Situation verknüpft gewesen, so Hunger. Heute, rückblickend betrachtet, fände sie die Lieder manchmal ein bisschen sehr pathetisch. Aber: „Für mich ist Liebe immer etwas Extremes“, nichts daran sei sachlich. Schon gar nicht ihre Songs, die häufig das Schwierige an der Zweisamkeit betonen. Oder gar das Ende. „Walzer für niemand“ lautet der Titel eines jetzt schon modernen Klassikers von Frau Hunger. „Niemand kommt rein und setzt sich hin/Fuß auf‘n Tisch, die Hand unters Kinn/Niemand isst hungrig mein Frühstücksmenü/Niemand kommt immer zu früh“, singt sie darin.

„Molecules“ ist nun das erste Album, das Hunger komplett in englischer Sprache verfasst hat. „There Is Still Pain Left“ heißt ein Song, „That Man“ ein anderer. Auf „Let It Come Down“, dem viele nachsagen, Hunger klinge darin wie Sade, geht es um den Komplettzusammenbruch des eigenen Systems. Aber auch darum, daraus etwas Neues aufzubauen. „Fall und Erhebung, mich fasziniert beides“, so die Künstlerin. Das, was sie aus den Extremen entstehen ließ, stieß auf jede Menge Wohlwollen, obwohl ein Stilwechsel für eine etablierte Künstlerin natürlich immer auch ein Risiko birgt. „Technoider Pop oder eher Berghain-Blues?“ fragte der „Musikexpress“ angesichts des neuen musikalischen Gewands der Schweizerin. Und „Titel, Thesen, Temperamente“ labelte ihr Klangschaffen gar als „Sound einer Widerspenstigen“. Mal ehrlich, was brauchen wir 2019 und vermutlich auch in den Folgejahren mehr als widerspenstige Frauen? Richtig, nichts.

theycallitkleinparis präsentiert: Sophie Hunger, 18.2., 20 Uhr, zakk, Düsseldorf

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