Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Stefan Keller im Interview – „Endlich einen Zylinder kaufen!“

Stefan Keller, Foto: Jens Howorka/Blendfabrik

Stefan Keller ist Autor. Meistens schreibt er Krimis. Einige davon sind in Köln angesiedelt. Der jüngste, „Das Ende aller Geheimnisse“, spielt in Düsseldorf. Zur Kenntnis genommen wurde das Buch, das im Januar 2017 bei Rowohlt erschien, aber auch außerhalb der Landeshauptstadt. Zum Beispiel in Herzogenrath. Dort bekommt Keller am 30. November einen Preis verliehen, dessen Name aufhorchen lässt (aber dazu später). theycallitkleinparis hat dem Preisträger in spe ein paar Fragen gestellt.

 

Du hast lange in Köln gewohnt, seit knapp sechs Jahren lebst du in Düsseldorf. Was verbandest du bisher mit Herzogenrath?
Mein Vater ist da geboren und aufgewachsen und hat bis zu seinem Tod in Herzogenrath gearbeitet. Insofern ist der Preis ausgerechnet in Herzogenrath einer dieser seltsamen und schönen Zufälle, die einem gelegentlich im Leben zustoßen.

Für deinen Kriminalroman „Das Ende aller Geheimnisse“ bekommst du in diesem Jahr die „Herzogenrather Handschelle“. Worüber hast du dich mehr gefreut, über den originellen Namen des Preises oder die Dotierung von 1.000 Euro?
Um ehrlich zu sein: über die Auszeichnung an sich.

Der Roman sei packend und besitze politischen Tiefgang, so die Jury. Zudem gelinge es dir, den Alltag bei der Polizei glaubhaft darzustellen. Wie bist du bei der Recherche vorgegangen?
Ich recherchiere eigentlich immer von außen nach innen. Zunächst lese ich mich in ein Thema ein. Bei diesem Buch waren es gleich mehrere Themen: afrodeutsch oder schwarz sein in Deutschland, Polizeiausbildung und –arbeit sowie die politischen und technischen Hintergründe des Kriminalfalles, um den es geht. Im Anschluss versuche ich über Hintergrundgespräche und Interviews mit Leuten zu reden, die mir mehr erzählen können, als in Büchern steht. Und natürlich beobachte ich sie und ihr Umfeld dabei noch etwas mehr. Manchmal geht es ja nicht nur darum, was einem Leute erzählen, sondern auch wie. Und oft auch: wo sie mit einem reden. Und vor allem: was sie einem nicht erzählen.

Deine Hauptfigur ist Heidi Kamemba, die erste schwarze Kommissarin im deutschen Krimi. Welche Reaktionen bekommst du auf diese Figur?
Bisher ausschließlich positive. Wobei es dabei erfreulicherweise weniger um die Hautfarbe der Kommissarin geht, sondern vor allem um ihren Charakter. Am meisten gefreut hat mich aber ein Gespräch mit einer schwarzen Polizistin, die sich von mir mit den Worten verabschiedete, sie wolle unbedingt wissen, wie es „mit ihrer Heidi“ weitergeht.

Die Preisverleihung findet am 30. November um 19:30 Uhr in der Herzogenrather Stadtbücherei statt. Wie gedenkst du dort Glamour zu verbreiten? Paillettenanzug? Zylinder? Krokolederschuhe?
Ich kann mir keinen glamouröseren Ort vorstellen, als einen, der bis unter die Decke mit Büchern, Wissen und Geschichten vollgestopft ist.

Und was hast du mit dem Geld vor?
Endlich einen Zylinder kaufen! Nein, ganz simpel: Als Schriftsteller lebe ich von dem, was meine Bücher einbringen. Insofern kommt das Preisgeld in die Haushaltskasse und ermöglicht die Arbeit am nächsten Buch.

Für April kommenden Jahres ist schon dein nächstes Buch angekündigt. „Schabowskis Zettel“. Wieder ein Krimi?
Es gibt einen Mord, einen ermittelnden Volkspolizisten, eine Verschwörung: also ja. Aber da der Roman in Ostberlin 1989 angesiedelt ist, spielen die historischen Ereignisse im November 89 eine besondere Rolle.

Was kannst du schon jetzt über die Story verraten?
Ein bisschen habe ich ja schon verraten. Ausgangspunkt der Geschichte ist die Frage, warum SED-Politiker Günter Schabowski auf seiner berühmten Pressekonferenz am 9. November so gestammelt hat beziehungswese wer ihn damals so in die Bredouille gebracht hat, dass er quasi aus Versehen die Mauer öffnete.

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