Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Ina Schulz (Golzheim Fest) im Interview – „Henrys Abwesenheit schmerzt immer“

Treten beim Golzheim Fest 2018 auf: Jule Blumt, Foto: Jule Blumt

Eigentlich sollte das Golzheim Fest schon im Juni stattfinden. Dann kam Ed Sheeran. Beziehungsweise er kam nicht. Das zweitägige Stadtteil-Fest mit viel Musik musste auf das erste September-Wochenende ausweichen. theycallitkleinparis hat mit Mit-Organisatorin Ina Schulz gesprochen. Über die Kooperationsbereitschaft der Stadt. Das diesjährige Programm des Golzheim Fests. Und natürlich den verstorbenen Initiator des Ganzen, Henry Storch.

 

Magst du Ed Sheeran?
Musikalisch, nein. Ist nicht wirklich Musik, die mich touched. Persönlich kenne ich ihn nicht und kann mir dazu keine Meinung bilden.

Wegen seines möglichen Konzerts ist dem Golzheim Fest ja für den eigentlich geplanten Termin im Juli abgesagt worden. Was bedeutete diese Absage damals für euch?
Die Absage beziehungsweise Verschiebung bedeutete in erster Linie Stress für uns. Wir mussten einen neuen Termin finden, sämtlichen Helfern Bescheid geben, neue finden, wenn die eigentlichen Leute am neuen Termin nicht mehr konnten. Das gleiche galt für die Bands, DJs und die ganze Technik. Natürlich waren wir auch enttäuscht, weil wir uns bereits sehr gefreut hatten. Und wenn ich sehe, was für ein tolles Wetter am ursprünglich geplanten Termin war, dann ärgert man sich auch ein klein wenig und hofft, dass Petrus uns auch im September wohl gesonnen ist.

Wie kooperativ war die Stadt dann, als es darum ging einen neuen Termin zu finden?
Die Wirtschaftsförderung und das Kulturamt waren sehr hilfreich und haben uns toll unterstützt, schnell einen neuen Termin zu finden. Mit dem eigentlichen Entscheider – dem Steuerungskreis – war es etwas holprig. Woran das gelegen hat, können wir nicht genau sagen. Als wir dann aber an die Presse gegangen sind, ging es plötzlich doch ganz schnell.

Und gab es auch finanzielle Unterstützung für Kosten, die euch gegebenenfalls entstanden sind?
Ja, der Oberbürgermeister Thomas Geisel hat uns eine finanzielle Erstattung zugesagt.

Die offizielle Argumentation von Seiten der Stadt war ja, dass an dem Sonntag im Juni mit der Kirmes und eventuell eben auch Ed Sheeran zwei Großveranstaltungen in Düsseldorf stattfanden, denen ihr mit dem Golzheim Fest in die Quere kommen konnten. Sonntags findet bei euch ein Flohmarkt statt. Und es legen DJs auf. Wie viele Besucher habt ihr an dem Tag in der Regel?
Ja, das hat uns auch gewundert. In der Regel hatten wir bei dem Weiberkram-Flohmarkt im Durchlauf zwischen 1500 und 2000 Besucher.

Das Golzheim Fest wird jetzt am 1. und 2. September stattfinden. Können alle Bands, die für Juni geplant waren, denn nun auch im September auftreten? Oder musstet ihr umdisponieren?
Nein, leider konnten wir nicht alle Acts halten und mussten umdisponieren. Wir hatten Glück, dass wir so kurzfristig noch entsprechenden Ersatz finden konnten. Für John Wayne On Acid konnten wir Jule Blumt aus Düsseldorf gewinnen und für Botticelli Baby kommen The Mighty Mocambos aus Hamburg, was uns sehr freut.

Die Organisation des Golzheim Fests wird ja überwiegend über ehrenamtliches Engagement gestemmt. Wie groß ist das Team, das dahintersteht?
Im Kern-Team sind wir neun Leute inklusive mir. Das sind alles Düsseldorfer und ein Teil kümmert sich bereits seit der ersten Stunde um das Golzheim Fest. Dann kommen noch die Helfer dazu, angefangen mit den Leuten hinterm Bierwagen, Künstlerbetreuung, Grafiker, Techniker, Aufbauhelfer, Leute, die nachts Wache halten, und und und. Ohne diese Menschen würde nichts laufen und wir sind wirklich dankbar, dass sie sich für das Golzheim Fest ihr ganzes Wochenende freihalten. Bäcker Kapust ist unter anderem unser Behörden-Spezialist und zentraler Ankerpunkt für alle Treffen und Kalle Becker, der früher den Q-Stall gemacht hat, kümmert sich um die Getränkestände. So hat jeder seinen kleinen Aufgabenbereich.

Was kannst du uns zu den Bands, die auftreten, verraten?
Sie sind natürlich alle toll und wenn es die Besucher einrichten können, sollten sie ab 15 Uhr vor der Bühne stehen oder sitzen. Love Machine (Düsseldorf) haben sich extra das Wochenende freigeschaufelt, um spielen zu können. The Mañana People (Bonn) waren letztes Jahr bereits da und kommen diesmal mit ganzer Band. Wir wollten die Jungs unbedingt nochmal haben, bevor sie demnächst mit HONIG touren. The Mighty Mocambos (Hamburg) sorgen mit ihrer Bläsersektion für wippende Hüften und Sons Of Time (Berlin) für nickende Köpfe. Moderiert wird das Live-Programm von Klaus Fiehe.

Das Fest findet in diesem Jahr bereits zum 10. Mal statt. Wenn du zurück schaust, wie hat sich die Veranstaltung im Laufe der Jahre entwickelt?
Die Kernidee eines Umsonst- und Draußen-Fests für jedermann ist unverändert und wird auch so bleiben. Das war dem Verein immer wichtig. Es soll sich niemand ausgeschlossen fühlen und alle sollen eine gute Zeit haben. Der Zuspruch ist über die Jahre größer geworden. Es kommen mehr Leute und man plant unser Fest bereits in den Kalender ein. Gerade durch die Verschiebung des Termins haben wir noch mal gemerkt, wie sehr das Golzheim Fest hier in der Stadt angenommen wird. Das fühlt sich toll an und gibt einen großen Motivationsschub. Es bedeutet natürlich auch mehr Arbeit und Verantwortung, aber wir stecken unser Herzblut rein und versuchen immer, dass alle ein schönes Fest haben. Seit ein paar Jahren gibt es am Sonntag den Flohmarkt und seit vergangenem Jahr moderiert Klaus Fiehe das Liveprogramm am Samstag. Wir hoffen, dass er das jetzt immer machen kann. Wir überlegen, eine Art kleine Aftershow-Party zu etablieren. Das Fest endet in der Regel immer gegen 22:30 Uhr und manchmal will man danach noch nicht heim. Das ist aber tatsächlich noch Zukunftsmusik und wird dieses Jahr noch nicht passieren.

Der Hauptinitiator Henry Storch ist im Februar dieses Jahres überraschend verstorben. Wie werdet ihr seiner in diesem Rahmen gedenken?
Für uns war schnell klar, dass wir etwas Besonderes machen wollen. Auch wenn es am Anfang sehr schwer war, überhaupt an so was wie eine Party zu denken, haben wir uns als Finale des diesjährigen Fests das Unique-Club-All-Star-DJ-Set überlegt. Henry war nicht nur Initiator des Golzheim Fests, sondern auch vieler anderer Dinge hier in Düsseldorf. Wir wollen das 10-Jährige mit einer Open-Air-Party als Hommage an den Unique Club begehen und die Soul- und Hip-Hop-Seite von Unique mit diversen DJs feiern. Das wird es nur dieses Jahr beim Golzheim Fest geben.

Du führst das Label Unique Records ja nun ohne Henry weiter. Machst du das eigentlich alleine?
Im Prinzip bin ich erst mal allein. Ich habe aber ganze viele liebe Menschen um mich, mit denen ich mich austausche und dir mir unter die Arme greifen. Es fällt mir noch recht schwer, mich an den Gedanken zu gewöhnen, Henrys Platz irgendwann freizuräumen und jemand anderen dort sitzen zu sehen. Auf kurz oder lang werde ich mir aber jemanden suchen müssen, der mit ins Unique-Team passt. Mal schauen.

In welchen Momenten im Arbeitsalltag wird dir die Tatsache, dass Henry nicht mehr da ist, besonders schmerzlich bewusst?
Eigentlich schmerzt Henrys Abwesenheit immer. Wir haben sehr eng zusammen gearbeitet und es gibt eigentlich kaum einen Bereich, in dem er nicht fehlt. Am meisten, wenn ich eine Unique-Band sehe, die sich super entwickelt. Dann bin ich traurig, dass Henry das nicht mehr erleben kann. Und wenn ich dieses Wochenende zum Haldern Pop Festival fahre (Anm. d. Red.: Das Gespräch wurde vor dem Haldern Festival geführt). Das haben wir fast immer zusammen gemacht.

Ist der Friedhof für dich ein guter Ort, um dich an Henry zu erinnern?
Ich hab‘ es nicht so mit Friedhöfen als Erinnerungsstätte. Von daher würde ich sagen, dass die Tanzfläche einer Soul-Party eher zum Erinnern geeignet wäre. Auch wenn man ein paar Tränen beim Tanzen wegdrücken muss.

Welche Veröffentlichungen sind bei Unique Records in naher Zukunft geplant?
Dieses Jahr kommen noch neue Alben von Botticelli Baby und Blackberries, was wir auch beim diesjährigen Reeperbahn Festival feiern wollen. Dann gibt’s Anfang des nächsten Jahres das Debüt der Mañana People und das zweite Album von Suzan Köcher, das sie derzeit in Austin, Texas aufnimmt. Außerdem werden gerade zwei neue „This Is DJs Choice“-Sampler geplant. Einer davon – zusammengestellt von Henry Storch & Eddie Piller – liegt schon seit Jahren fertig in der Schublade. Das Debüt der Sons Of Time steht auch in den Startlöchern. Generell wollen wir gerne wieder mehr in die Soul-Richtung grooven, wenn sich was Passendes ergibt.

1.+2.9. Theodor-Heuss-Brücke, Düsseldorf

 

Schreibe einen Kommentar

Basic HTML is allowed. Your email address will not be published.

Subscribe to this comment feed via RSS

*