Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Beim Büdchenkanzler. Ein Besuch am Oberbilker HipHop-Büdchen

Yasar Karakus (links) und Stammkunde Klaus, Foto: Alexandra Wehrmann

Am 25. August findet der mittlerweile dritte Düsseldorfer Büdchentag statt. 23 der kleinen Verkaufsstuben werden sich dann von ihrer besten Seite zeigen – und theycallitkleinparis präsentiert. Auch das Oberbilker Büdchen von Yasar Karakus ist einmal mehr Teil des Spektakels. In eingeweihten Kreisen firmiert es mittlerweile unter „HipHop-Büdchen“. Der Chef gilt als „Büdchenkanzler“.

Ein stinknormaler Dienstag in Oberbilk. Das strahlende Blau der vergangenen Tage hat einem mittleren Grau am Himmel Platz gemacht. Der Verkehr auf Hüttenstraße und Oberbilker Allee ist wie immer: dicht. Dort, wo die beiden Verkehrsadern aufeinandertreffen, liegt das Büdchen von Yasar Karakus. Seit 13 Jahren macht der gebürtige Türke an dieser Stelle schon Geschäfte. Zunächst betrieb er gemeinsam mit seinem Bruder einen Obst- und Gemüseladen. Nach zwei Jahren gaben sie auf – und sattelten auf Büdchen um. Mit Büdchen kennt Karakus sich aus. Vor dem Kiosk in Oberbilk hatte er schon zwei andere: den ersten in Neuss, den zweiten in Jüchen.

Jetzt also Oberbilk. Zwischen Lessingplatz und Volksgarten, Straßenbahn- und S-Bahnhaltestellen in direkter Nähe. Keine schlechte Lage also. Grüne Digitalschrift preist das Angebot an: Tabak, Getränke, Telefonkarten und und und. Es ist kurz nach drei am Nachmittag, die Schicht von Karakus hat gerade erst begonnen. Der 49-Jährige hat sich erst mal einen Kaffee gemacht. Er trägt Jeans, dazu ein rosafarbenes Hemd mit Stehkragen, in dessen Brusttasche er seine Brille verstaut hat. Klaus ist auch da. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, denn Klaus ist Stammkunde. Der schmächtige Mann mit dem grauen Bart und der Fortuna-Kappe wohnt direkt gegenüber. Seit es das Büdchen von Karakus gibt, schaut er zwei Mal am Tag vorbei. „Klaus ist unser bester Kunde“, sagt Karakus, nur um gleich wieder zurückzurudern: „Schreiben Sie besser: ein treuer Kunde.“ Nicht dass die anderen noch beleidigt sind! Klaus lacht. Er sitzt er am Plastiktisch gleich neben dem Eingang, trinkt einen Kaffee. Vor ihm liegt sein Einkauf: ein Doppelpack Zigaretten der Marke Burton. „Eine 40er-Packung schluckt der pro Tag“, erklärt Karakus und steckt sich selbst eine Marlboro an.

Schräg gegenüber vom Büdchen liegt ein Discounter. Ein paar hundert Meter weiter hat vor einigen Monaten eine weitere Supermarkt-Filiale eröffnet. Warum kauft die Kundschaft trotzdem an der Bude? Karakus erklärt es mit Menschlichkeit: „Wenn dir im Supermarkt an der Kasse 10 Cent fehlen, musst du Ware zurückgeben. Wir drücken schon mal ein Auge zu, der Kunde kann beim nächsten Mal zahlen.“ Und natürlich spiele auch die Kommunikation eine Rolle. „Wenn jemand nicht gut drauf ist, merke ich das sofort.“ Das Herz-Ausschütten, das geliehene Ohr – bei Karakus ist es inklusive. Das Prinzip ist das gleiche wie in der Stammkneipe. Der Büdchenmann ist Freund, Therapeut und Beichtvater in einer Person. Manchmal sei das für ihn durchaus nicht ganz leicht, gesteht Karakus. Dann wisse er selber nicht so recht wohin mit den vielen Problemen seiner Kunden.

Karakus ist 1995 aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Er stammt aus der Nähe von Ankara. Bevor er Büdchenmann wurde, war er Gebäudereiniger. Der 49-Jährige mag seinen Job – und ist realistisch genug zu wissen, dass er auf dem Arbeitsmarkt kaum eine andere Chance hätte. Das Büdchen hat an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Immer von 6 bis 24 Uhr. Der Chef selber übernimmt meist die späte Schicht, von 15 Uhr bis Mitternacht. „Im Anschluss mache ich hinten die Buchhaltung“, sagt er. Vor halb zwei nachts hat Karakus selten Feierabend. Das Gros seines Umsatzes macht er mit Alkohol, mit Bier. Unzählige Sorten hat er im Angebot – wesentlich mehr als die meisten Mitbewerber in der Gegend. Die Flaschen sind fein säuberlich in gläsernen Kühlschränken aufgereiht. Am Büchentag gehen sie weg wie die in diesen Fällen so gern zitierten warmen Semmeln. Der Umsatz sei dann etwa doppelt so hoch wie an normalen Tagen. 200 bis 300 Besucher kamen in den vergangenen beiden Jahren vorbei, um dem von Killa Calles verantworteten HipHop-Programm am Kiosk zu lauschen. 2016 lief das Programm bis spät in die Nacht. Im vergangenen Jahr war vor 23 Uhr schon zwei Mal die Polizei zu Besuch, die Party dementsprechend früh vorbei. 2018 wird Killa Calles zusammen mit DJ NST fürs Programm verantwortlich zeichnen. Ab 18 Uhr sind Live-Auftritte von Busy Beast (Mental Movement), Jesen (Neuer Westen) und der Fourgruppe geplant. Karakus wird einen Grill aufbauen, seine Frau macht Salat. Und eine spezielle Überraschung will er sich auch noch einfallen lassen. Im vergangenen Jahr konnte man bei ihm Lose erwerben. Die Hauptgewinne waren, wie es sich für die Umgebung gehört, hochprozentig: eine Flasche Jack Daniels, eine Flasche Wodka und eine Flasche Asbach.

theycallitkleinparis präsentiert: 25.8. Düsseldorfer Büdchentag
HipHop-Büdchen, Volksgartenstr. 17, Düsseldorf

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