Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

„Die soziale Skulptur weiterbauen“. Die Container-Installation „Ceremony Space“ von dem Tanzhaus NRW

Auf dem Dach der Container-Welt: denken3000, Foto: denken3000

Es ist kurz nach zehn, als Dominique Garaudel in den Hof des Tanzhaus NRW einbiegt. Vor dem hellen Container, der rechts vom Eingang aufgebaut ist, springt er vom Rad – und ist erst mal schnappatmig. Trotz des Mangels an Luft hat Garaudel dieser Tage viel zu erzählen. Als Teil der sechsköpfigen Gruppe denken3000 organisiert er „Ceremony Space“. Die Container-Installation vor dem Tanzhaus NRW ist sozusagen ein Vorbote der Feierlichkeiten rund um den 20. Geburtstag des Hauses an der Erkrather Straße, die Ende des Monats beginnen.

Mit dem Tanzhaus arbeitet Garaudel schon seit der Spielzeit 2014/15 zusammen. Mit den Kollegen vom Kollektiv Moxie hat er das aktuelle Corporate Design entwickelt. Für die alljährlichen Kampagnen zeichnen sie ebenso verantwortlich wie für Plakate, Spielpläne oder Sondermedien. Moxie und denken3000 sind dabei personell mehr oder weniger deckungsgleich. Ein dynamischer Kreis von Freunden, die zusammen Projekte machen, die bei gutem Design und einprägsamen Slogans noch lange nicht aufhören. Free Bikes war so ein Projekt, bei dem es darum ging, dass Düsseldorfer Fahrräder, die sie selber nicht mehr brauchen, spenden und die Räder in der Folge an bestimmten Stationen kostenlos ausgeliehen werden können. Eine gut Idee, langfristig funktioniert hat sie allerdings nicht. Mittlerweile seien die Räder eingelagert, erzählt Garaudel: „Vielleicht war Düsseldorf noch nicht bereit.“ Verbittert ist er deshalb nicht. Bei Projekten geht es ihm und seinen Mitstreitern um Zusammengehörigkeitsgefühl, um Liebe, aber auch darum Düsseldorf mitzugestalten, erklärt der 37-Jährige. denken3000, das ist ihm wichtig, sei keine Eventfirma: „Wir möchten die soziale Skulptur weiterbauen.“

Ganz im Beuys‘schen Sinne dürfte auch der „Ceremony Space“ sein. Gerade einmal 6 mal 2,40 Meter misst der Container, der im Laufe der gut zwei Wochen unter anderem als Labor, Diskurs-Salon, Lehranstalt, Bar, Konzerthalle, Studio, Restaurant, Kinosaal, Club oder Tempel dienen soll. Jeden Abend wird im und am Container Programm stattfinden. Victoria Tarak hat das Ganze mitkuratiert. Dass viele Namen nur Eingeweihten etwas sagen, ist dabei geradezu Teil des Konzepts: „Wir möchten nicht, dass die Besucher wegen eines großen Namens kommen“, so die 28Jährige. „Sie sollen sich vielmehr auf das Thema selber einlassen.“ Das Thema ist die persönliche und kollektive Bedeutung von gegenwärtigen Ritualen, Zeremonien und Gemeinschaften. Unterschiedliche Performance-Künstler wurden eingeladen, sich damit auseinander zu setzen. Herausgekommen ist ein maximal diverses Programm, das von einem Vortrag über den Mond (24.4.) über eine Performance zu rituellen Handlungen einer futuristischen Pflege und Servicekultur (27.4.) bis zum Meditationsworkshop (16.4.) reicht. Aber es gibt auch leichter Verdauliches: Für den 23.4. laden die Macher gemeinsam mit dem Nooij Dutch Deli zu einem Abendessen ein, bei dem jeder Gang eine andere Inszenierung, ein neues Erlebnis sein soll. Teilnehmen können allerdings nur zehn Esser. Interessierte sollten sich unter ceremonynow.de anmelden. Die Finissage am 29.4. gestalten die Damen und Herren von denken3000 dann höchstselbst. Von 12 bis 22 Uhr soll an dem Tag im und am Container Programm stattfinden. Vom Amateur-Gottesdienst über Teezeremonie, von den ehrlichen 10 Minuten bis zum 1-Stunden-Rave ist vieles denkbar, manches vermutlich noch in den Köpfen der Erfinder. „Wir möchten die Begegnungen, die in unserer Zeit ja zu einem großen Teil im virtuellen Raum stattfinden, zurück ins reale Leben holen“, erklärt Victoria Tarak. Sie zieht den Vergleich zum Fußballstadion: Da kommen Leute zusammen und erleben unterschiedliche Emotionen von Trauer über Wut bis hin zu Freude zusammen. „Mit unserer Installation geht es uns genau darum, das gemeinsame Erleben, Reflektieren und darum, dass man am Ende des Prozesses wächst“, so Tarag. Dominique Garaudel formuliert es so: „Ceremony Space ist ein kollektives Treffen mit wichtigen Emotionen.“ Keine Frage, Slogan kann er.

Bis 29.4., Ceremony Space: Container-Installation vor dem Tanzhaus NRW, das komplette Programm gibt es hier.

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