Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Rob Keane im Interview – „Ich wollte einen Namen mit einer elektronischen Referenz“

Dringendes Bedürfnis? Rob Keane aka WATT!, Foto: Ant Palmer/Ape Photos

Seit vergangenem Jahr macht der Australier Rob Keane unter dem Namen WATT! Musik. Rund 50 Songs sind seitdem entstanden. Elektronische Musik, die der Wahl-Düsseldorfer selber als „positiv melancholisch“ beschreibt. Keane ist beim Open Source Festival aufgetreten. Im Café Baustoff. Und in der Kantine am Berghain. Nun freut sich der 30-Jährige auf seinen Gig im Rahmen der MicroPopWeek. theycallitkleinparis hat mit dem Herrn from down under gesprochen.

 

Du stammst aus Australien. Wo hast du dort gelebt?

Ich komme aus Adelaide, der Hauptstadt von South Australia. Ähnlich wie Düsseldorf hat auch Adelaide eine ziemlich lebendige lokale Musikszene. Meine Familie ist seit 1809 in Adelaide, nachdem mein Ur-ur-urgroßvater wegen Mordes dorthin gebracht wurde. Ich denke, das ist die Story vieler Australier.

Warum bist du nach Deutschland gekommen?

Ich kam 2011 als australisches Souvenir meiner damaligen Freundin und jetzigen Ehefrau Wiwi nach Düsseldorf. Damit wir zusammenbleiben konnten, musste einer von uns umziehen. Das war dann ich. Die beste Entscheidung meines Lebens. Leider ist mein Deutsch immer noch ziemlich schlecht. Ich übe nicht genug. (Das Interview hat Rob auf Englisch gegeben, es wurde im Anschluss übersetzt. Die Redaktion)

Wie oft bist du heute in deiner Heimat?

Ich fliege seltener hin als ich gerne würde. Eine Frage von Zeit und Geld. Als Lehrer habe ich natürlich lange Sommerferien, aber wenn hier Sommer ist, ist in Oz Winter. Es lohnt sich um diese Zeit einfach weniger dorthin zu reisen. Ich denke, ich bin im Durchschnitt alle zwei Jahre für eine kurze Zeit in meiner Heimat.

Was vermisst du besonders?

Abgesehen von den Leuten, ist es wahrscheinlich die Einfachheit des täglichen Lebens, die ich am meisten vermisse. Ich liebe Deutschland, ich finde es toll. Aber es kann auch stressig sein, mit vielen Regeln und Vorschriften. Australien hat hingegen eine wirklich entspannte Ruhe.

Bevor du nach Deutschland kamst, hast du in Australien klassische Musik studiert.

Ja, das stimmt. Ich habe sowohl klassische Musik mit dem Hauptfach klassische Aufführung als auch Lehramt am Elder Conservatorium of Music der Universität von Adelaide studiert.

Welche Instrumente beherrschst du?

Meine Spezialität sind Blechblasinstrumente, besonders klassisches Euphonium und Jazz-Posaune. Außerdem habe ich während des Studiums Saxofon, Klarinette und Cello gelernt. Ich spiele aber auch Klavier, Gitarre, Jazz-Bass und Schlagzeug. Und singe, das mache ich heute mehr als früher.

Womit verdienst du dein Geld?

Ich bin Musiklehrer und -koordinator an der Cologne International School. Ich unterrichte klassische Musiktheorie und Geschichte für die Klassen 5 bis 12.

Seit wann machst du unter WATT! Musik?

WATT! ist ein ziemlich neues Projekt. Ich habe es Anfang vergangenen Jahres gestartet. Also 2017.

Warum hast du den Namen gewählt?

Ich wollte einen Namen mit einer elektronischen Referenz. Watt ist eine Einheit der Leistung, die die Rate der Energieübertragung misst. Das Ausrufezeichen verweist auf die Düsseldorfer Band Neu!, von der ich ein großer Fan bin.

Wie würdest du deine Musik selber beschreiben?

Ich nehme an, dass meine Musik am besten als positiv melancholisch elektronisch beschrieben werden kann.

Wie kamst du von der Klassik zur elektronischen Musik?

Ich war seit meiner Kindheit schon immer ein Fan der elektronischen Musik. Dank meiner Eltern habe ich schon in jungen Jahren unterschiedlichste Musikrichtungen kennengelernt. Mein Vater spielte Renaissance/Barock-Laute und meine Mutter ist eine klassisch ausgebildete Musikerin. So lernte ich nicht nur Bach und Mozart kennen, sondern auch Leute wie Philip Glass, Steve Reich, Stockhausen und Tristram Cary. Cary war ein britischer Elektronikmusiker und Gründer von Electronic Music Studies London (EMS), der in den Siebziger Jahren nach Adelaide gezogen war und an der dortigen Universität arbeitete. Durch das Hören dieser minimalistischen und elektronischen Musiker kam ich dann auf Kraftwerk und Jean-Michel Jarre, deren Musik definitiv klassische Züge hat. Von da an begann ich mein eigenes elektronisches Material zu erstellen.

Welche Musik hat dich am stärksten geprägt?

Meine größten Einflüsse sind sicherlich die Düsseldorfer Elektronikpioniere sowie Joy Division beziehungsweise New Order.

Wie entstehen deine Songs?

Musikalisch mag ich es, jedes Stück ohne bewusste Inspirationen anzugehen. Ich improvisiere gerne, spiele mit Harmonien und Tonleitern herum.

Wie viele Tracks von dir gibt es?

Momentan habe ich ungefähr 50 fertige Tracks und einige weitere warten noch auf Gesang.

Aber einen Tonträger hast du noch nicht, oder? Ist diesbezüglich etwas geplant?

Ich habe derzeit keine offizielle Veröffentlichung, hoffe aber, in den kommenden Monaten ein Label zu finden.

Welche Auftritte stehen in naher Zukunft an?

Ich werde im Rahmen der MicroPopWeek im The Tube spielen. Da freue ich mich besonders drauf. Zwei Tage später habe ich einen Auftritt im MTC in Köln. Am Record Store Day im April spiele ich einen kleinen Gig im Vinylwerk auf der Ackerstraße, der Laden gehört einem Freund von mir. Und im Mai bin ich im zakk, beim „D-Dorf Pop Day“.

Deine Stimme wurde zuletzt mit der des Sängers von Future Islands verglichen. War das ein Vergleich nach deinem Geschmack?

Future Islands sind eine großartige Band mit einem großartigen Bariton-Sänger, ich mag sie wirklich sehr. In Bezug auf den Gesang denke ich allerdings, dass ich viel mehr von Ian Curtis inspiriert bin. Er war ein lyrisches Genie!

Was hörst du momentan besonders gerne?

Im Moment höre ich viel Gum, ein australischer Künstler, der Teil der Band Tame Impala ist. Außerdem den französischen Techno-Künstler Gesaffelstein.

Interessiert dich die hiesige Musikszene?

Düsseldorf hatte immer eine starke Musikszene – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Ich bin immer heiß darauf, Live-Musik zu hören. Mir gefallen Veranstaltungen wie das Open Source, MicroPopWeek oder D-Dorf Pop Day, die lokale Künstler supporten. Love Machine, Lucas Croon, Solyst. Es gibt hier wirklich tolle Sachen.

Die letzte Frage hat gar nichts mit Musik zu tun. Kennst du eigentlich Horst Lichter?

Ja, ich weiß wer das ist. Und ich muss sagen, ich bin großer Fan seines Schnurrbarts.

21.3., 20 Uhr, The Tube, Düsseldorf (zusammen mit Vintage Neon)

 

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