Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Laura Catania im Interview – „Das Understatement ist haarklein durchdacht“

Laura Catania & Thomas Artur Spallek, Foto: Barbara K. Prokop

Eigentlich wollten Laura Catania und Thomas Artur Spallek zusammen eine Bar eröffnen. Dieser Plan ist vorerst ein Plan geblieben. Stattdessen haben sie im Sommer 2017 ein Label gegründet. Heaven. Am 4.2. wird dessen erste Veröffentlichung an der Kunstakademie Düsseldorf vorgestellt. theycallitkleinparis hat mit Laura Catania gesprochen.

 

Woher kennt ihr euch, dein Label-Kompagnon und du?
Wir haben beide an der Hochschule Düsseldorf Kommunikationsdesign studiert. Thomas hat neulich noch ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von John Morgan aufgenommen. Seit ein paar Jahren sitzen wir beide im selben Studio in Unterbilk und machen diverse Projekte zusammen. Da lag es eigentlich auf der Hand, dass wir auch das Plattenlabel gemeinsam angehen. Thomas ist meine Muse.

Wie entstand denn die Idee mit dem Label?
Die Idee hatte ich schon länger, beziehungsweise am Anfang war die Idee eigentlich, eine Bar namens Heaven zu führen. Das hat sich aber bisher nicht ergeben. Aber ein Plattenlabel ist ja auch fast so etwas wie eine Bar. Die Inspiration für den Namen lieferte Joachim Witt mit dem Lied Der Weg in die Ferne (Heaven). Das englische Original stammt von Talking Heads. Die Bar Heaven ist in dem Song ein Synonym für die Erlösung von den eigentlichen Problemen. Die Lösung parat zu haben, ist natürlich als Bar wie als Plattenlabel nicht das Schlechteste.

Wie ist das Konzept von Heaven?
Das Konzept von Heaven sieht vor, ausschließlich Künstlerinnen aus der freischaffenden Kunst zu unterstützen, deren Medium unter anderem auch Musik ist. Es geht bei dem Label nicht um Highclass Sound und ausgebildete Musiker. Die Platte, also das, was auf der Platte zu hören ist, versteht sich sozusagen als Kunstedition.

Foto: Laura Catania

Am Sonntag präsentiert ihr im Rahmen des diesjährigen Rundgangs die erste Veröffentlichung von Heaven. Die Künstler, die darauf vertreten sind, habt ihr gezielt angesprochen. Wie seid ihr auf sie aufmerksam geworden?
Wir haben Nora Hansen, Sianéad Sullivan und Alexandra Grübler angefragt, an einem Bar-Abend im KW in Berlin mitzuwirken. Auf Einladung von Maurin Dietrich und Cathrin Mayer hatte ich zusammen mit Isabella Fürnkäs einen Abend in Bob‘s Pogo Bar / KW initiiert. Es hat sich erst während der Planung ergeben, genau mit diesen drei Künstlerinnen auch die erste Veröffentlichung auf Vinyl anzugehen. Das hat alles wahnsinnig gut gepasst. Thomas und ich haben es als große Chance gesehen, in einer international renommierten Institution den Startschuss abzufeuern. Isabella und ich haben den Abend im KW so gestaltet, dass sie für den künstlerischen Teil verantwortlich war und ich für den musikalischen Teil. Daher kam es auch, dass ich dann die drei Künstlerinnen eingeladen habe. Nora Hansen hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und in London zusammen mit Yoko Tsuno ein Fashionlabel namens yoko x nora gegründet. Sie arbeitet mit ganz verschiedenen Medien. Mode, Fiktion und Musik spielen in ihrer Arbeit immer eine große Rolle. Ich bin 2011 durch ihre Band Chiqueria Düsseldorf auf sie aufmerksam geworden. Alexandra Grübler alias Baal & Mortimer hatte ich 2014 eingeladen bei Kunsthalle „Bühne: Das Fest!“ mitzuwirken, ihr erster öffentlicher Auftritt überhaupt. Alex ist ein Tausendsassa! Sie studiert Kunst- und Literaturwissenschaften in Potsdam, hat schon in fast allen wichtigen Kunstinstitutionen in Deutschland gearbeitet und ist musikalisch und performativ in der Weltgeschichte unterwegs. Sianéad Sullivan alias Sian Sull, die in London lebt, habe ich 2016 in Berlin kennengelernt. Sie plant ein Gaststudium in der Performanceklasse an der Kunstakademie Düsseldorf aufzunehmen. Sianéad arbeitet in ihrer künstlerischen Praxis mit verschiedenen Identitäten und Medien wie Musik, Fotografie, Film und Performance. Im Grunde kann man ihre Arbeit als Studie und Analyse verschiedener Themen begreifen, die sich auf menschliche Wahrnehmung, Identität, Verhalten, Metaphysik und Transzendentalismus konzentrieren.

Habt ihr schon Pläne für kommende Veröffentlichungen? Wie viele sind für dieses Jahr vorgesehen?
Wünschenswert wäre für 2018 noch eine weitere Veröffentlichung… mal sehen, ob das klappt. Es hängt auch davon ab, ob wir in Zukunft Unterstützung bekommen. Wir wollen uns bei verschiedenen Stiftungen bewerben. Bisher bezahlen wir alles aus eigener Tasche.

Erscheinen die Veröffentlichungen ausschließlich auf Vinyl?
Ja, auf jeden Fall! Das gehört zum Konzept.

Als Gestalter legt ihr sicher viel Wert auf das Cover-Artwork. Werdet ihr dafür selbst verantwortlich zeichnen?
Wir legen auf jeden Fall viel Wert auf die Gestaltung. Die Cover bleiben schwarz und auf der Rückseite sind lediglich die nötigsten Infos aufgelistet. Auf dem Vinyl ist auf dem Label ein Stempel mit den Lettern HEAVEN zu lesen, mehr nicht. Das Understatement ist natürlich haarklein durchdacht und spiegelt vor allem das Konzept unseres Labels wider, was eben nicht das fancy Artwork ist.

Von der ersten EP lasst ihr 200 Stück pressen. Werden die Auflagen immer so klein sein?
Ja, wir wollen uns auch in Zukunft zwischen 200 und 300 Stück bewegen, da wir die Platte eben auch als Edition begreifen. Die soll rar und besonders sein und bleiben.

Wo kann man die Platte erwerben?
Die EP kann man bei A&O in den Shadow Arkaden für 15 Euro und über unsere Website heavenrecords.eu erwerben. An dieser Stelle möchte ich meinen ganz besonderen Dank an Marc Meyer aussprechen, der es möglich gemacht hat, dass über A&O Vinyls erhältlich sind.

4.2., 18 Uhr, Heaven Release mit Baal & Mortimer, Nora Hansen (feat. Mary Lake) and Sian Sull, Sparta (Room 216), Kunstakademie Düsseldorf, heavenrecords.eu

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