Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Brandt Brauer Frick im Interview – „Freude als Gegenmittel“

Brandt Brauer Frick, Foto: Harry Weber

Vom 18. bis zum 20. Januar feiert das Festival Schönes Wochenende in der Tonhalle und im NRW-Forum die großen Meister der Minimal Music – und ihre Enkelkinder. Auch die Berliner Formation Brandt Brauer Frick erteilt in dem Rahmen eine Lektion in Sachen Groove. theycallitkleinparis hat vorab mit Bandmitglied Daniel Brandt gesprochen.

 

Du hast mit deinem Solo-Projekt ja erst vor wenigen Wochen in Düsseldorf gespielt. In der Kunsthalle, im Rahmen des „Approximation Festivals“. Wie hat das Düsseldorfer Publikum dich aufgenommen?
Es war ein interessanter Auftritt. Der Raum, in dem wir in der Kunsthalle spielten, wirkte beim Soundcheck so, als sei er für die Musik, die wir an dem Abend dort darbieten wollten, absolut ungeeignet. Viel zu hallig und zu laut für das Publikum. Die meisten anderen Künstler des Festivals haben ein Solo-Programm auf dem Klavier gespielt, wir jedoch zu dritt mit Drums, E-Gitarre und Posaune. Beim Konzert war dann doch alles viel besser als gedacht. Wie schon so oft wurde wieder einmal die Akustik durch die Zuschauer um einiges verbessert und wir hatten ein tolles Konzert. Wir hatten durchweg das Gefühl einer positiven Resonanz.

Euren ersten Gig als Brandt Brauer Frick habt ihr vor sieben Jahren im Berliner Club Berghain gespielt. 2012 seid ihr beim „Open Source Festival“ aufgetreten. Nun konzertiert ihr im Rahmen des Festivals „Schönes Wochenende“ in der Tonhalle, einem klassischen Konzerthaus. In welchem Kontext fühlt ihr euch am besten aufgehoben?
Können wir gar nicht so einfach sagen, im Prinzip in allen! Es ist nach wie vor jeder Abend anders, und das finden wir gut. Manche Festivals sind leider sehr unpersönlich, aber wir haben meistens Glück und werden von Leuten gebucht, die unsere Musik gut finden und ein schönes Setting für die Auftritte herrichten.

Eure frühen Auftritte habt ihr als Trio absolviert. Mittlerweile seid ihr mit zehn Musikern auf der Bühne. Schlagzeug, Klavier, Xylophon, Glockenspiel, Cello, Geige, Trompete, Tuba, Harfe. Wie kam es zu der Erweiterung?
Die Idee, unser Trio auf zehn Musiker zu erweitern, kam, weil unsere Stücke meist zu viele Elemente hatten, um alles zu dritt live zu spielen. Und ab dem Moment, wo wir es realisieren konnten, bekam das Ganze naturgemäß ein Eigenleben, sodass auch die Beschreibung „Techno“ es nicht mehr so richtig trifft.

Als 1989 die erste Love Parade stattfand, warst du noch in der Grundschule. Wie war deine erste Begegnung mit Techno, konntest du dem Sound etwas abgewinnen?
Der Sound von Techno war ja damals ganz anders. Ziemlich albern auf eine Art. Was hingegen schon immer spannend war, waren die futuristischen Sounds und die maschinelle Anmutung der Musik.

Euer aktuelles, viertes Album heißt „Joy“. Es gibt wohl kaum einen Titel, der in diesen Zeiten fernliegender erscheint. Warum habt ihr euch dafür entschieden?
Die Angst, die unter den Menschen grassiert, spielt den Falschen in die Hände, deshalb brauchen wir Freude und noch mehr Freude als Gegenmittel.

Auf „Joy“ arbeitet ihr mit dem kanadischen Sänger Beaver Sheppard zusammen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Wir haben ihn in Montréal kennengelernt und wurden erst mal Freunde, bevor wir beschlossen haben, zusammen Musik zu machen. Er ist eine ziemlich unglaubliche Person. Wir hatten noch nie so jemanden getroffen, schwer zu beschreiben… Nach dem Album hatten wir eine tolle Tour mit ihm. Jetzt sind wir schon mitten im nächsten Album, und das wird wieder vor allem instrumental, wie unsere ersten Sachen.

Und wie entstanden die Stücke für „Joy“, wie intensiv war Sheppard in den Kompositionsprozess eingebunden?
Sie sind gemeinsam entstanden. Beaver hat fast alle Texte bei uns im Studio geschrieben, dreimal mehrere Wochen. Ohne ihn haben wir dann noch ziemlich viele Instrumente dazu aufgenommen.

Euer Sound ist sehr tanzbar. Wie sehr bedauert ihr es, dass euer Publikum in der Tonhalle sitzt und nicht tanzen kann?
Wir bedauern nichts und spielen so, wie es sich an dem Ort richtig anfühlt! Ein paar werden vielleicht trotzdem Platz zum Tanzen finden…

20.1., 20 Uhr, Brandt Brauer Frick, Tonhalle, Düsseldorf

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