Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Kamil Kuzko im Interview – „Düsseldorf spielt bei der Entwicklung von Graffiti in Europa eine wichtige Rolle“

Kamil Kuzko, Foto: Ganna Nesterenko

 

Kamil Kuzko hat in Düsseldorf Spuren hinterlassen. Künstlerische Spuren. Seit Juni prangt ein wunderbares Bild des Polen auf einer Hauswand an der Reichstraße. Wie kam es dazu? Und wer ist der Mann hinter dem Bild? Ein theycallitkleinparis-Interview über Bande, das dank der Übersetzungshilfe von Bianca Quasebarth doch noch zu einem guten Ende kam.

 

Foto: Kamil Kuzko

Du hast im Juni dieses Jahres ein Wandbild an der Reichstraße, direkt an der Kniebrücke, erstellt. Wie kam es dazu?
Das Wandbild ist im Rahmen des Projekts „Triangel“ entstanden, das das Polnische Institut Düsseldorf gemeinsam mit dem Kulturform Alte Post in Neuss, dem Verein der Düsseldorfer Künstler und der Stiftung Transporter Kultury aus Krakau organisiert hat. Transporter Kultury, deren Mitglied ich bin, hat im vergangenen Jahr mit „Cube“ eine internationale Ausstellung in Krakau organisiert, zu der auch einige Mitglieder des Vereins der Düsseldorfer Künstler eingeladen waren. 2017 hat der Verein dann im Gegenzug Künstler aus Krakau nach Düsseldorf geholt. Ich selber hatte in erster Linie mit Klaus Richter, Kurator der Alten Post, und Kj263 zu tun. Beide haben mir bei der Organisation rund um das Wandbild sehr geholfen.

Wie lange dauerte die Vorbereitung für das Projekt?
Ursprünglich hatte ich einen ganz anderen Entwurf für diese Wand vorgesehen. Die Organisatoren hatten dann allerdings Bedenken. Sie fürchteten, dass das Motiv für politischen Zündstoff sorgen könnte und haben mich gebeten, etwas Anderes zu malen. Ich bin dann eine Weile gedanklich mit der Wand an der Reichstraße schwanger gegangen. Das Motiv, das letzten Endes realisiert wurde, hat sich erst kurz vor meiner Reise nach Düsseldorf, herauskristallisiert. Der Entwurf, den ich verworfen habe, war übrigens auch zu sehen: im Rahmen einer Ausstellung in der Off-Galerie PunktKommaStrich.

Bei der Arbeit, Foto: Ganna Nesterenko

Was kannst du uns zum Motiv sagen?
Die Idee zu dem Motiv wurde bei einer morgendlichen Fahrt mit dem Regionalzug durch Krakau geboren. Einige Kollegen und ich haben während der Fahrt des öfteren die Türen aufgerissen, um nach frisch gesprühten Zügen Ausschau zu halten.

Wie lange dauerte der eigentliche Prozess des Malens an der Reichstraße?
Ich habe es nicht genau nachgehalten. Ich schätze aber, es waren ungefähr 20 Stunden. Dabei hatten wir keine Eile, sondern konnten ruhig und konzentriert arbeiten.

Du hast das Projekt gemeinsam mit Kj263 umgesetzt. Wie habt ihr zusammen gefunden?
Wir haben uns im November vergangenen Jahres bei einem Treffen der Organisatoren von „Triangel“ kennengelernt und sehr schnell gemerkt, dass wir gemeinsame Freunde haben und auf einer Wellenlänge sind.

Kanntest du Düsseldorf als Stadt vorher schon?
In der Tat kenne ich die Stadt schon länger. Mein erster Besuch hier liegt bereits 20 Jahre zurück. Seitdem war ich regelmäßig in Düsseldorf. Zum einen um Freunde zu besuchen. Aber auch um zu arbeiten. Ich mag Düsseldorf. Die Stadt hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Die Leute, die ich hier kennenlernen durfte, die Studios, Galerien und Kunstsammlungen machten einen guten Eindruck auf mich. Dementsprechend habe ich viel positive Energie mit zurück in mein Studio nach Krakau genommen.

Was denkst du über die Düsseldorfer Street-Art-Szene?
Ehrlich gesagt gebe ich nicht so viel auf die sogenannte Street-Art-Szene, weil ich gar nicht genau weiß, was das sein soll. Natürlich spielt Düsseldorf in der Entwicklung von Graffiti in Europa eine wichtige Rolle, vor allem in den Neunziger Jahren. Die Früchte dieser Zeit sind heute immer noch sichtbar. Die Stadt ist ziemlich gut gebombt, die Züge immer noch vollgesprüht. Aber das ist vermutlich eher keine Street Art…

Und wie ist es um die Street Art in Krakau, wo du lebst und arbeitest, bestellt?
So etwas wie eine Szene existiert in Krakau meiner Meinung nach nicht. Trotzdem gibt es ungefähr ein Dutzend Künstler, die Arbeiten im öffentlichen Raum anbringen. Gerade das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz ist stark von solchen Werken geprägt.

Neben deiner eigenen künstlerischen Arbeit lehrst du auch als Dozent an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau. Was möchtest du deinen Studenten mitgeben?
In erster Linie kann ich die Erfahrungen, die ich als Künstler gemacht habe, mit ihnen teilen. Ansonsten bin ich weit davon entfernt, den Studenten etwas vorzugeben, ihnen ein Stil aufzudrängen. Ich möchte ihnen vielmehr die größtmögliche Freiheit lassen in dem, was sie tun. Dafür ist es wichtig, möglichst individuell auf jeden Einzelnen einzugehen. Letzten Endes bin ich sowieso davon überzeugt, dass sie in der Gruppe am meisten voneinander lernen können.

Du bemalst Wände in ganz Europa. In welchen Städten kann man außer Düsseldorf noch Arbeiten von dir im öffentlichen Raum sehen?
Viele meiner Arbeiten sind in meinem Heimatland Polen. In Lublin, Krakau, Warschau, Danzig und Kattowitz zum Beispiel. Darüber hinaus habe ich auch Wände im georgischen Batumi, in Barcelona, Dresden oder Berlin gestaltet. Und in den vergangenen Wochen habe ich eine Wand in Prag bemalt.

Arbeitest du eigentlich als Künstler ausschließlich im öffentlichen Raum? Oder bemalst du auch ganz klassisch Leinwände und Papier?
Während der Freiluft-Saison, wenn die Temperaturen es erlauben, arbeite ich tatsächlich überwiegend draußen. Das sehe ich allerdings auch als klassische künstlerische Form. Die Basis meiner Arbeit bilden trotzdem nach wie vor Bleistift, Papier, Leinwände und Ölfarben.

Was sind deine nächsten Projekte?
Ich habe mir vor kurzem eine Quetschung an der Hand zugezogen. Das hat die Pläne in der nahen Zukunft ein bisschen durcheinander gebracht. Trotzdem möchte ich in diesem Jahr gerne noch zwei, drei Wände bemalen, darunter eine in Neuss, zusammen mit Kj263. Außerdem bin ich gerade damit beschäftigt, eine Einzelausstellung vorzubereiten. Davon abgesehen werde ich mich in Zukunft eher auf innenarchitektonische Projekte konzentrieren. Geplant sind unter anderem Interventionen in einer Kirche und in einem Schwimmbad, das nächstes Jahr gebaut werden soll. Diese Arbeit sind im Gegensatz zur Street Art, die ja doch eher flüchtig ist, längerfristig angelegt. Sie bedarf aber auch einer wesentlich langfristigeren Planung. Aber vielleicht entspricht das auch eher meinem Alter.

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