Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Frank Bauer im Interview – „Ich hatte als einziger Adorno nicht gelesen“

Frank Bauer: Stillleben mit Erdbeeren

Als Kind wollte Frank Bauer Biologe werden. Dann entdeckte er die Fotografie für sich. Heute ist er Maler und Musiker. Der 53-Jährige hat an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gerhard Richter studiert. Derzeit zeigt die Galerie Voss eine Ausstellung mit seinen Arbeiten. theycallitkleinparis hat mit Bauer gesprochen.

Gemeinsam mit deinen Eltern hast du schon als Kind die Pinakothek in München besucht und bist dort auf die Werke von Dürer und Cranach gestoßen. Kannst du beschreiben, was das mit dir gemacht hat?
Ich weiß noch, dass ich es sehr aufregend fand, wie gewalttätig und blutrünstig viele Bilder waren. Judith mit dem Kopf des Holofernes zum Beispiel. Diese unverständliche Mythologie, die geheimnisvolle Ikonographie. Ich habe als Kind auch oft den Katalog durchgeblättert, kann aber nicht behaupten, damals schon gedacht zu haben, dass ich Maler werden will. Ich wollte immer Biologe werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Begonnen hat dein künstlerisches Schaffen allerdings mit Fotografie. Deine erste Kamera bekamst du zur Kommunion geschenkt. Von deinem Großvater. Erinnerst du dich noch, was du damals fotografiert hast?
Er hat mir damals auch seine alte Dunkelkammer überlassen. Ich habe mir dann zu Hause ein kleines Labor eingerichtet und viel schwarz-weiß fotografiert. Architektur, Freunde, viele Porträts. Das bot sich an, weil man dabei schön mit Licht experimentieren konnte.

Frank Bauer: Inga

In der Folge galt dein großes Interesse der Fotografie. Heute sind die Hälfte der Bücher aus deinem Bestand zum Thema. Warum bist du eigentlich nicht Fotograf geworden, sondern Maler?
Ich wollte Anfang der Neunziger tatsächlich Modefotograf werden, habe dann aber schnell gemerkt, dass ich dem professionellen Betrieb niemals standgehalten hätte. Ich arbeite am liebsten allein. Außerdem arbeite ich gerne mit den Händen. Bereits während meiner Schulzeit war klar, dass ich ein zeichnerisches Talent habe. Deshalb hat meine Kunstlehrerin, die selbst bei Erwin Heerich studiert hatte, mich gedrängt, ich solle mich an der Akademie bewerben. Das habe ich dann getan, obwohl ich selbst mich nicht für besonders begabt hielt. Als ich angenommen war, habe ich gedacht, okay, jetzt bin ich hier, dann will ich auch malen lernen. Heute mache ich übrigens auch noch Fotos, die nur als Foto gedacht sind und nicht als Vorlage, aber das ist jetzt nur Hobby und wird nicht ausgestellt. Die Ausstellung von Axel Hütte, die derzeit im Museum Kunstpalast läuft, ist übrigens richtig toll. Immer, wenn ich allerdings solche Fotos sehe, bekomme ich Lust, sie zu malen. Allein das Foto reicht mir oft nicht.

Du hast dein Studium an der Akademie schon erwähnt. Zwischen 1985 und 1993 warst du dort. Wie hast du die Zeit in Erinnerung?
Die Akademiezeit war einerseits toll, weil sie für mich totale Freiheit bedeutete. Ich bin nach meinem Zivildienst sofort nach Düsseldorf gezogen, das damals noch von den Nachwehen des Punkrock geprägt war. Das war für mich als Jungen vom Dorf natürlich sehr aufregend. Andererseits hatte ich immer Probleme mit dem sehr intellektuellen, diskursgeprägten Klima der Richterklasse. Ich hatte als einziger Adorno nicht gelesen. Zudem konnte Richter mich nicht besonders leiden, was aber rückblickend auch hilfreich war, da ich aus der Distanz besser meine eigenen Sachen machen konnte.

Deine aktuelle Ausstellung in der Galerie Voss trägt den Titel „Die Gelassenheit der Dinge“. Warum habt ihr euch für den Titel entschieden?
Ich hatte den Titel plötzlich im Kopf, habe der Galeristen gefragt, was er dazu meint. Von mir war das erst mal als Idee gedacht. Voss hat es dann einfach gedruckt. Es soll bedeuten, dass ich die Dinge, die ich male, immer so lasse, wie sie sind und nicht daran herum arrangiere.

Für die Fotos, die deinen Gemälden zugrunde liegen, nutzt du unterschiedliche Kameras. Das können Handys mit niedriger Auflösung sein. Oder hochwertige Rollfilmkameras. Die meisten Fotos machst du allerdings mit der Nikon FE2, einer Schlitzverschlusskamera. Was ist das Besondere an ihr?
Die Nikon ist ein Arbeitspferd. Sehr robust. Wenn ich nachts durch die Clubs gezogen bin, musste die Kamera einiges aushalten. Ich habe mir regelmäßig den Blitz abgebrochen. Der Metz Mecablitz ist ein tolles Blitzgerät, hat aber leider einen Plastikfuß. Zum Glück waren die gebraucht sehr günstig. Außerdem baute Nikon sehr gute Objektive. Heute fotografiere ich zugegebenermaßen viel digital, mit der Canon G9. Die ist sehr kompakt, hat aber die Möglichkeit, die Belichtung komplett von Hand einzustellen. Das ist mir sehr wichtig.

Als Grundlage für deine Malerei wählst du statt der gelungenen Aufnahmen gerne solche, die verschwommen, über- oder unterbelichtet sind. Warum?
Weil das malerisch spannend sein kann, wenn ein Foto einen Farbstich hat oder unscharf ist. Etwas unscharf zu malen ist ja um einiges schwieriger, als etwas scharf zu malen. Irgendwo muss immer eine Herausforderung in der Vorlage liegen, sonst brauche ich sie gar nicht zu malen.

Frank Bauer: Flaschen

Als Motive dienen dir häufig banale, alltägliche Motive. So gibt es eine ganze Serie von Gemälden von deinem Frühstückstisch. Die Einladungskarte zur neuen Ausstellung bei Voss zeigt ein Sammelsurium unterschiedlicher Bierflaschen. Welche Motive sind ansonsten in der neuen Ausstellung zu sehen?
Diesmal sind es wieder viele Stillleben. Dazu zwei Porträts, eins vom Foto, eins vom Modell.

Und die Bierflaschen, die auf der Einladungskarte sind, wo hast du die fotografiert?
Die Bierflaschen stammen von dem Konzert von The Arcade Fire in Köln. Die Besucher durften sie nicht mit rein nehmen. Das Konzert war grauenhaft, aber für das Foto hat es sich gelohnt.

Frank Bauer „Die Gelassenheit der Dinge“: bis 13.1. Galerie Voss, Düsseldorf, Di-Fr 10-18, Sa 11-14 Uhr

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