Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

half past selber schuld im Interview – „Drei Lacher mehr! Versprochen!“

Szene aus „Kafka in Wonderland“, Foto: Krischan Ahlborn

2016 haben sie das RTL-Format „Die Puppenstars“ gewonnen. Nun tritt das Düsseldorfer Duo half past selber schuld den Beweis an, dass tiefgründige Kunst und gute Unterhaltung sich nicht gegenseitig ausschließen. Nach der Premiere im April kehrt ihr jüngstes Stück „Kafka in Wonderland“ jetzt zurück auf die Bühne des FFT. theycallitkleinparis hat mit Ilanit Magarshak-Riegg und Frank Römmele gesprochen.

Im Februar vergangenen Jahres habt ihr das RTL-Format „Die Puppenstars“ gewonnen. Rückblickend betrachtet: Was hat euch das gebracht?
Frank: In erster Linie bundesweite Popularität und das sehr gute Gefühl bei allen Beteiligten, dass wir es mit unserem ganz eigenen Comic-Stil schaffen konnten, ein Millionenpublikum gut zu unterhalten.

Der Gewinn war mit 50.000 Euro dotiert. Was habt ihr mit dem Geld gemacht?
Frank: Beim ersten Interview unmittelbar nach dem Sieg, haben wir diese Frage mit „Wir eröffnen eine Herrenboutique in Wuppertal“ beantwortet. Aber letztlich haben wir dann doch unsere intensiven Proben damit finanziert und den Rest aufgeteilt. Wir waren ja zu neunt. Neben dem guten Gefühl konnte also auch jeder von uns ein hübsches Sümmchen einstecken.

2014 und 2016 wart ihr jeweils für ungefähr zwei Monate in den USA. Was genau habt ihr dort gemacht?
Ilanit: Wir haben dort sehr viele immens wichtige Kontakte geknüpft und fantastische Sachen gesehen. Wir bekamen persönliche Führungen und dadurch detaillierte Einblicke in renommierte Hollywood Animatronic-, Special Effects- und Puppenwerkstätten, zum Beispiel Spectral Motion, Screen Novelties, Jim Henson Studios, BixPix Entertainment, die für Filme wie „Hellboy“ oder „Stranger Things“ verantwortlich waren. Wir konnten bei Dreharbeiten und Gestaltungsprozessen zusehen, bekamen Antworten auf brennende Fragen und lernten eine wahre Flut von für uns wichtigen Künstlern und Produzenten kennen. Die beiden Reisen haben unseren Horizont um ein Vielfaches erweitert und uns eine neue Sicht der Dinge ermöglicht.

Im April dieses Jahres hatte eure jüngste Produktion „Kafka in Wonderland“ Premiere. Zwischen dem 30.11. und 2.12. ist das Stück erneut im FFT zu sehen. Wie viel Kafka dürfen die Zuschauer erwarten?
Frank: Kafka erwarten dürfen sie reichlich, aber bekommen werden sie lediglich Kafkaeskes, davon allerdings wiederum reichlich. Will sagen: Kafka kommt weder persönlich noch textlich vor, während sein Geist allgegenwärtig ist.
Ilanit: Was die Zuschauer aber auf jeden Fall erwarten dürfen, ist, dass wir nachgelegt haben und das Stück im Vergleich zur ersten Aufführungsrunde an einigen Stellen modifiziert und nochmal verbessert haben. Drei Lacher mehr! Versprochen!

Das Wonderland ist keinesfalls das von Alice. Worum geht es in „Kafka in Wonderland“?
Ilanit: Ein Megakonzern namens Wonderland Inc., der seine Finger überall drin hat, sorgt in vielen Bereichen für ungeahnte Möglichkeiten, die selbstverständlich auch Probleme mit sich bringen. Da gerät ein selbstfahrendes Auto in die Zwickmühle und muss sich moralische Fragen stellen, da werden Entscheidungen getroffen, in welche Cloud das Bewusstsein nach dem Tod hochgeladen werden soll, ein genetisch editiertes „Instant Baby“ erblickt mittels einer intelligenten Mikrowelle das Licht der Welt oder ein autonomes Waffensystem namens KFK 42 entdeckt seine künstlerische Ader.

Eure Stücke zeichnen die Zukunft sehr düster, fast hoffnungslos. Ist die Welt eures Erachtens noch zu retten?
Ilanit: Das Stück ist für uns überhaupt nicht düster, sondern eigentlich eher hoffnungsvoll. Doch wenn man unterhalten möchte, muss man irgendwie Probleme und Widersprüche darstellen. Eine völlig reibungslose Geschichte mit Happy End ist nicht witzig und will kein Mensch sehen.
Frank: Daher ist die Welt sehr wohl zu retten! Der bevorstehende Fortschritt ist eine Riesenchance für uns alle. Da kommen fantastische Errungenschaften auf uns zu, die die großen Probleme der Menschheit – Armut, Hunger, Krankheit, Umweltverschmutzung, Überbevölkerung, Krieg, Tod – lösen können, allerdings mit dramatischen Entscheidungen einhergehen werden.

Eure Kunst ist ja sehr politisch. Engagiert ihr euch auch jenseits der Kunst für Initiativen oder NGOs?
Ilanit: Das Engagement reduziert sich auf finanzielle Unterstützung verschiedener NGOs wie Amnesty International, Greenpeace oder früher auch Wikileaks. An Weihnachten verschenken wir gerne zielgerichtete Spenden über Oxfam, was wir jedem nur empfehlen können. Und regelmäßige Unterschriftenunterstützung bekommen Avaaz, Campact! und ähnliche Projekte, die eine Verbesserung der Welt zum Ziel haben.
Ansonsten ist Frank vor kurzem in die Transhumanistische Partei Deutschlands eingetreten. Vergesslich genug wäre er ja für eine politische Karriere.

30.11.-2.12., jeweils 20 Uhr, FFT Kammerspiele, Düsseldorf

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