Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Film über Boxpapst Wilfried Weiser – „Das war hier eine Puffstraße“

Boxpapst Wilfried Weiser, Foto: Lars Schütt

Neulich hat der Boxpapst mal wieder jemandem einen mitgegeben. Vor dem Altenheim auf der Industriestraße war das. Der Widersacher tat einen dummen Spruch – und fand sich kurz darauf im Gebüsch wieder. Geschichten wie diese erzählt Wilfried Weiser, besser bekannt als der Boxpapst, am liebsten. Geschichten, in denen er der Held ist. Der starke Mann. Der Unbesiegbare. Unbesiegbar ist Wilfried Weiser schon länger nicht mehr. 2016 erlitt er einen Schlaganfall. „Von einer Minute auf die andere war ich ein Krüppel“, sagt er. Kein leichtes Schicksal, für niemanden. Aber für einen wie ihn, der sich über physische Stärke definiert, vermutlich besonders schlimm. Früher, früher sprang Weiser eine halbe Stunde am Stück Seil. „Und dann noch mal eine Viertelstunde mit einer Bleiweste.“ Heute ist er froh, wenn er gerade über die Straße gehen kann. Meistens ist er nicht zu Fuß unterwegs, sondern nimmt das „Taxi“. So nennt er den Elektro-Rollstuhl, mit dem er mittlerweile durch seinen Stadtteil kurvt. Sein Stadtteil, das ist Oberbilk. War es schon immer. 1946 wurde Weiser auf der Vulkanstraße geboren. Haus Nummer 26. „Damals war das eine Puffstraße“, erinnert er sich. „Die Weiber haben auf der Straße angeschafft.“ Das Geschäft mit den horizontalen Vergnügungen lief gut. Und die Weisers profitierten davon. Wilfrieds Eltern betrieben auf der Vulkanstraße einen kleinen Lebensmittelladen, in dem sich die Dirnen mit dem Wichtigsten versorgten.

Heute lebt Weiser immer noch auf der Vulkanstraße. Drei Häuser neben seinem Geburtshaus. Wegziehen war nie eine Option. Die Straße, das Viertel ist seine Heimat. Auch wenn es sich im Laufe der Jahrzehnte natürlich verändert hat. „Früher war das hier Small Polska“, sagt Weiser. „Heute ist es das Mokkalöffel-Viertel.“ Political Correctness ist einem wie ihm fremd. Entsprechend offen agiert er auch vor der Kamera von Lars Schütt. Zwei Nachmittage lang hat er Weiser erzählen lassen. „Am Boxpapst hat mich das Vergangene gereizt, die Patina“, erklärt Schütt. „Er ist es gewohnt, seine Geschichten zu erzählen. Ich wollte etwas von dem Wilfried Weiser entdecken, der dahinter steckt.“ Das ist ihm gelungen. In dem knapp 15-minütigen Film spricht der Boxpapst über das Milieu, Freundschaften, Raubüberfälle, Frauen-Boxen und seinen täglichen Besuch auf dem Friedhof. Das ist oft derbe. Meistens amüsant. Und manchmal überraschend anrührend.

 

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