Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Miki Yui im Interview – „Meine Musik ist wie eine Reise“

Miki Yui, Foto: ACBaur

Sie kam wegen Joseph Beuys. Anfang der Neunziger Jahre sah Miki Yui, damals Kunststudentin in Tokyo, eine Ausstellung mit Arbeiten von dem Mann mit Hut. Sie beschloss, mehr über ihn zu erfahren. Als sie ihr Studium fertig hatte, ging sie nach Düsseldorf. Heute, 22 Jahre später, lebt sie immer noch in der Stadt am Rhein. Sie macht Musik, schafft aber auch Zeichnungen, Installationen und Performances. Am 5. Juli gibt sie – zusammen mit der wunderbaren Pony – im postPOST eine Kostprobe ihres musikalischen Könnens. theycallitkleinparis hat mit Yui gesprochen.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?
Ich webe aus Geräuschen und elektronischen Klängen organische und minimalistische Musik. Sie ist mal zart, mal lebendig und lustig. Viele sagen, dass meine Musik wie eine Reise sei, die Bilder im Kopf erzeugt.

Wie entsteht sie genau?
Ich nehme Geräusche auf und verarbeite sie im Anschluss so, dass sie nicht mehr direkt erkennbar sind, aber dennoch Assoziationen erzeugen. Dann spiele ich diese Fragmente auf Sampler, zusammen mit den elektronischen Klängen, und gebe ihnen eine Struktur.

Funktioniert die Musik nur in einer bestimmten Art von Räumen? Wo trittst du normalerweise auf?
Ich spiele leise oder laut, lasse dabei aber immer Platz für die im Raum vorhandenen Geräusche, sodass sie ein Teil meiner Musik werden. Meine Konzerte können grundsätzlich überall stattfinden, in Kunsträumen, in Konzerträumen oder auch in Parks. Nicht so gut passt die Musik in Clubs, weil man eine gewisse Ruhe und Konzentration braucht.

Was bedeutet es dir, live vor Publikum zu spielen?
Eine schönes einmaliges Erlebnis, das wir gemeinsam haben. Einfach loslassen, sich auf das konzentrieren, was im Raum und in uns passiert, zusammen mit der Musik.

Bist du in Japan geboren?
Ja, ich bin in Tokyo geboren und aufgewachsen, habe dort ein Kunststudium abgeschlossen.

Wann und warum bist du nach Düsseldorf gekommen?
In den frühen Neunzigern habe ich in Tokyo eine Ausstellung von Joseph Beuys erlebt und war fasziniert. Seine Arbeit war mir so nah und gleichzeitig mysteriös. Um mehr darüber herauszufinden, habe ich mich entschlossen, nach meinem Studium nach Düsseldorf zu gehen. Ich kam als Reisende, bin dann aber letzten Endes 22 Jahre geblieben.

Inwiefern prägen deine japanischen Wurzeln deine künstlerische Arbeit?
Dass das so ist, ist mir erst in Deutschland bewusst geworden, erst da habe ich die Unterschiede zwischen Japan und Europa wahrgenommen. Reduktion ist zum Beispiel in meiner Arbeit wichtig, um auf Vorhandenes im Raum, in unserem Kopf hinzuweisen.

Du machst seit 1999 Musik, seitdem sind fünf Soloplatten von dir erschienen. Arbeitest du eigentlich auch nach wie vor als Bildende Künstlerin?
Für mich persönlich macht es keinen großen Unterschied, ob ich Musik oder Kunst mache. Ich arbeite auch an Zeichnungen, Installationen und Performances und zeige die regelmäßig im Rahmen von Einzel- oder Gruppen-Ausstellungen. Viele Werke sind bei Festivals im Bereich Klangkunst gezeigt worden.

Pony, Foto: Lotte Baatz

Im postPOST trittst du gemeinsam mit Daniela Georgieva auf. Wie gut kennst du ihre musikalische und sonstige Arbeit?
Ich habe neulich ihren Auftritt im Salon des Amateurs gesehen. Kurz danach haben wir uns dann auf einen Kaffee getroffen und uns näher kennengelernt. Wir finden beide, dass es auffällig wenig Frauen in der elektronischen Musik in Düsseldorf gibt. So entstand die Idee eines Doppelkonzerts. Wir denken, dass unsere Musik gut zusammenpasst, auch weil wir beide aus dem Kunstbereich kommen. Es war dann Glück, dass wir schnell einen Termin im postPOST bekamen, sonst gibt es ja außer dem Salon sehr wenig Möglichkeiten in Düsseldorf, schnell und spontan einen Abend mit experimenteller elektronischer Musik zu organisieren.

Ihr werdet aber zwei separate Sets spielen? Oder gibt es auch eine Kollaboration, etwas völlig Neues?
Es werden zwei unterschiedliche Sets. Es wird aber, da bin ich sicher, eine interessante und gute Kombination.

Neben deiner eigenen künstlerischen Arbeit kümmerst du dich auch um das Archiv deines ehemaligen Partners Klaus Dinger. Wie groß ist das Interesse der Öffentlichkeit an seiner Hinterlassenschaft?
Klaus‘ Arbeit als früheres Kraftwerk-Mitglied und bei NEU!/La Düsseldorf in den Siebziger und Achtziger Jahren ist nach wie vor weltweit präsent und gefragt. Die Musik wird immer wieder erwähnt als Inspirationsquelle nicht nur von Musikern wie David Bowie, Iggy Pop oder Brian Eno, sondern auch von jüngeren Künstlern verschiedener Genres, Musikern, Filmemachern, Gestaltern oder Künstlern.

Wie lange warst du mit Dinger zusammen?
Ich habe seit 2000 über sieben Jahre mit ihm zusammengelebt und -gearbeitet. Ich habe viel von ihm gelernt. Wie man als Künstler Leben und Arbeit unter einen Hut bekommt, wie man ein unabhängiger kritischer Künstler bleibt, wie man sich traut, seinen eigenen Weg zu gehen und wie man die Schwierigkeiten im Leben in tolle Kunstwerke ummünzen kann. Klaus war ernst und spielerisch zugleich, ein sehr warmherziger, einzigartiger Mensch.

5.7., 20:30 Uhr, postPOST, Kölner Str. 114, Düsseldorf

https://www.mixcloud.com/NTSRadio/miki-yui-7th-november-2016/

https://soundcloud.com/ponylovesmusic

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