Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Creeps im Interview – „Zwischen Rammstein und Lana del Rey“

Foto: The Dorf, Sabrina Weniger

Nein, ihre Gesichter möchten sie nicht zeigen. Die Aufmerksamkeit soll sich vielmehr voll und ganz auf ihre Musik richten. Und auf die Videos. Scheint so, als könnte das Konzept aufgehen. Die Düsseldorfer Band Creeps hat derzeit jedenfalls ziemlichen Rückenwind. Dabei liegt ihr erstes Konzert gerade mal ein halbes Jahr zurück. theycallitkleinparis hat mit Creeps-Mitglied Israel Blaque gesprochen.

Im Dezember vergangenen Jahres habt ihr den Bandwettbewerb „CityBeats“ gewonnen. Wie hoch war der dotiert und wofür habt ihr das Geld eingesetzt?
Das Preisgeld von 2500 Euro haben wir überwiegend in Live-Equipment investiert. Da wir mit einer Beamershow und ineinander übergehenden Songs performen, halten wir unsere Liveshow für ein besonderes Erlebnis, das wir seitdem noch intensiver verfeinert haben. Außerdem haben wir das Glück, von der Düsseldorfer Bandprofessionalisierung gefördert zu werden. Auch hier werden wir finanziell kräftig unterstützt und investieren das Geld in eine kleine Tour sowie in unsere neue EP, die in den nächsten Monaten erscheinen wird.

Hattet ihr vor dem CityBeats eigentlich schon viele Live-Auftritte absolviert?
Nein, wir hatten zuvor lediglich einen kleinen Auftritt vor einer Hand voll Zuschauern. Der Contest war unser erstes großes Konzert. Da wir aber vor Creeps alle bereits in anderen Bands gespielt haben, konnten wir schon viel Bühnenerfahrung sammeln, was uns jetzt zugute kommt.

Konzentriert ihr euch momentan sehr auf Düsseldorf oder spielt ihr auch viel außerhalb?
Wir versuchen erst eine solide Fanbase in Düsseldorf aufzubauen und hier ein wichtiger Name zu werden. Wenn sich aber andere gute Gelegenheiten bieten, dann spielen wir auch auswärts. Im Juli haben wir beispielsweise einen Gig im englischen Reading.

Wie empfindet ihr Düsseldorf als Standort für Bands und Musiker?
Natürlich ist die Düsseldorfer Szene etwas kleiner als zum Beispiel in Köln oder Berlin, aber das, was hier an Quantität fehlt, wird durch Engagement wettgemacht. Wir haben von sehr vielen Seiten Unterstützung bekommen. Ich denke, dass jeder, der in Düsseldorf Förderung und Hilfe braucht, sie auch bekommt – man muss nur danach fragen.

Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?
Wir nennen unseren Sound Post Pop. Es ist wirklich schwierig, sich dort festzulegen, theoretisch ist es Pop-Musik, hat aber eine Elektro-Instrumentalisierung und konträr dazu oftmals Rockstrukturen. Ich denke, wir stehen irgendwo zwischen Depeche Mode und Fever Ray, zwischen Rammstein und Lana del Rey.

Auf die Gefahr hin, dass die Frage nervt: Warum die Masken?
Wir freuen uns über die Frage. Wenn es sie nicht gäbe, wäre der Sinn der Masken verfehlt. Also: Creeps ist nicht einfach eine Band, sondern ein artifizielles Projekt. Unsere Songs, unsere Videos erzählen nicht unsere eigenen individuellen Erfahrungen, sondern sind Teil des Gesamtkonzepts. Wir möchten vermeiden, dass unsere Musik auf die Ergebnisse unserer persönlichen Kreativität heruntergebrochen wird und wir möchten umgehen, dass wir als Menschen hinter den Liedern zu sehr in den Vordergrund rücken. Es geht um die Musik, die Videos und die Texte. Nicht um uns. Außerdem ist es von elementarer Wichtigkeit, dass bei einem Konzept alles funktioniert – und so fügen sich unsere Masken neben unseren düsteren Videos und deepen Sounds in das Gesamtbild ein.

Ihr seid bei weitem nicht die einzigen Musiker, die ihre Gesichter verbergen. Man denke an Kollegen wie Cro oder Lambert. Warum hat die Maske in der Musik derzeit Hochkonjunktur?
Ich denke nicht, dass die Maskerade in der Musik zurzeit besonders beliebt ist. Wenn man auf KISS, Daft Punk, Slipknot und so weiter schaut, merkt man, dass Masken immer schon modern waren. Als Popmusiker macht man ja nicht einfach Musik, man ist viel mehr ein Entertainer.

Ihr studiert alle drei an der Kunstakademie. Was sind eure Schwerpunkte in der Bildenden Kunst?
Wir beschäftigen uns alle viel mit intermedialer Kunst, ein genauer Schwerpunkt ist da nicht so leicht festzulegen. Das ist ähnlich wie mit Creeps, da können wir auch nicht einfach Musik und Videos auseinanderhalten.

Auch über die Musik hinaus macht ihr alles selber. Videos, Visuals. Klingt nach einem Vollzeitjob für die Band. Wie viel Zeit bleibt noch für die Akademie?
Ja, es ist viel Arbeit. Wenn man wirklich alles perfekt haben will, muss man es halt selber machen. Das kostet Zeit und Energie, aber am Ende merkt man die Liebe und die Arbeit. Wir sehen Creeps ja auch als Produkt der bildenden Kunst. Von daher lässt sich das sehr gut mit unserem Studium vereinen.

Im vergangenen Jahr seid ihr vom Duo auf ein Trio angewachsen. Auf der Pressefotos sind aber nach wie vor nur zwei Personen zu sehen. Warum?
Aktuell proben wir sogar zu viert, Kate und ich sind als Komponisten der Kern der Band und repräsentieren die anderen öffentlich. Wir planen, die Besetzung auch noch weiter zu vergrößern, die Anzahl der Livemusiker wird sich an die Begebenheiten der Shows anpassen. Aber von den anderen Mitgliedern werden wir bald auch Fotos online stellen.

Ist euer Album „A Documentary of Now“ schon in der Mache?
Ja, das ist in Arbeit. Nach einigen Überlegungen haben wir uns darauf geeinigt, dass „A Documentary of Now“ unsere nächste EP wird, die voraussichtlich im September, Oktober erscheinen wird. Die EP wird ein Vorgeschmack auf das Album werden, sie beinhaltet bereits drei Songs des Albums und zusätzlich zwei akustische Lieder.

Und wann ist dann mit dem Album zu rechnen?
Der Releasetermin des Album steht noch in den Sternen, die Songs sind soweit fertig komponiert und werden fleißig aufgenommen und abgemischt. Da das Album von einem Kunstkonzept untermauert ist, möchten wir dies in einem Kurzfilm ebenfalls kommunizieren – und es soll viele Videos geben. Es dauert also noch etwas.

Werdet ihr beim Auftritt in den FFT Kammerspielen schon Songs daraus spielen?
Ja, wir spielen alle Songs der kommenden EP. Darüber hinaus performen wir zwei Songs, die sich nicht auf der EP, aber auf dem kommenden Album befinden werden.

23.6., 21 Uhr, Creeps, FFT Kammerspiele, Düsseldorf


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