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Raimund Hoghe im Interview – „Im Chaos kann ich nicht arbeiten“

Foto: Rosa Frank

Zwischen dem 1. und 3. Juni stellt „INVENTUR 2“ im tanzhaus NRW die aktuelle Situation der zeitgenössischen Tanz- und Performancekunst auf den Prüfstand. In unterschiedlichen Veranstaltungsformaten diskutieren prominente Akteure des Feldes zentrale Fragestellungen der Tanz- und Kunstentwicklung vor dem Hintergrund gegenwärtiger politischer, ökologischer und ökonomischer Krisen. Raimund Hoghe ist mit der Lecture Performance „Ich räume auf“ vertreten.

Sie zeigen im Rahmen von „Inventur 2“ am 1.6. im tanzhaus NRW die Lecture Performace „Ich räume auf“. Sie haben aber nicht ihre Wohnung aufgeräumt, sondern Ihr Archiv. Wie darf man sich letzteres vorstellen, sowohl was den Umfang angeht als auch das Ordnungssystem?
Ich arbeite gerade an der Archivierung und bin überwältigt von dem Umfang. Ich mache ja nicht nur seit mehr als 25 Jahre eigene Stücke, die einzeln archiviert sind, sondern habe auch noch viele Texte und Fotos aus meiner Zeit als Journalist und später als Dramaturg von Pina Bausch. Das alles aufzuarbeiten und zu archivieren kostet einfach sehr viel Zeit – aber ich komme voran.

Wie sind Sie beim Sichten des Materials vorgegangen?
Ich gehe intuitiv vor. Ich erinnere mich an einen Text, ein Foto oder ein Stück und suche das entsprechende Objekt – und stoße dabei auf Material, an das ich vielleicht gar nicht gedacht hatte.

Sie betonen, dass es sich bei „Ich räume auf“ nicht um ein Best of handelt. Was ist der entscheidende Unterschied?
Beim Best of würde man vielleicht besonders spektakuläre oder unterhaltsame Momente auswählen, aber mir geht es inhaltliche Zusammenhänge zwischen verschiedenen Stücken.

Sie entwickeln seit 20 Jahren Bühnenstücke. Wie nah ist Ihnen das, was Sie vor langer Zeit einmal inspiriert und angeregt hat, mit einem so großen zeitlichen Abstand? Was beschäftigt Sie heute noch genauso wie damals? Was hat an Relevanz verloren?
Ich bin selbst überrascht und manchmal erschrocken, wie aktuell vieles noch ist – zum Beispiel die Ausländerfeindlichkeit, über die ich in den Neunziger Jahren in meinen Solostücken gesprochen habe. Die Problematik beschäftigt mich noch immer. Das Thema Aids war auch sehr wichtig in meiner Arbeit – heute ist das Thema aus den Schlagzeilen verschwunden, aber in Afrika sterben noch immer Tausende an der Krankheit.

Wie halten Sie es mit dem Aufräumen in Ihren privaten Räumlichkeiten?
Wie auf der Bühne ist auch meine Wohnung nicht vollgestellt mit Möbeln. Ich benötige viel freien Raum um mich – das bedeutet auch, dass ich immer wieder aufräumen muss. Im Chaos kann ich nicht arbeiten.

1.6., 20 Uhr, Raimund Hoghe „Ich räume auf“, tanzhaus NRW, Düsseldorf

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