Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Szymon Szymanski (Düsseldorf spricht) im Interview – „Die Filterblasen des Internets platzen lassen“

In den Weiten des Internets sind die meisten ziemlich meinungsstark unterwegs. Vor allem dann, wenn man die Meinung in maximal zwei Sätze fassen kann. Was ist aber mit jenen Themen, die man nicht auf 160 Zeichen abhandeln kann? Wie ist es um das Zuhören bestellt, das sich mit anderer Leute Meinungen auseinander setzen? Und all das auch noch im realen Raum? Die Veranstaltung „Düsseldorf spricht“ wagt den Versuch. Hier kann jeder zu einem Thema seiner Wahl reden. Mit anschließender Diskussion. theycallitkleinparis hat mit einem der Organisatoren gesprochen, Szymon Szymanski.

Am 5.3. findet „Düsseldorf spricht“ erstmals in der Kassette statt. Wie viele Veranstaltungen in der Reihe gab es bis jetzt schon?
Zwei.

Und wo gingen die über die Bühne?
Unsere Veranstaltung im Oktober haben wir draußen an der Rheinuferpromenade veranstaltet. Das hat richtig Spaß gemacht, auch weil es einer der letzten warmen Tage war. Im November waren wir dann im Niemandsland e. V., einem sozio-ökologischen Verein in Oberbilk. Die Zusammenarbeit mit dem Niemandsland hat super geklappt, doch die Location ist leider nicht die richtige für uns.

In welchem Turnus findet „Düsseldorf spricht“ statt?

Wir versuchen, eine Veranstaltung pro Monat zu organisieren, doch einen regelmäßigen Turnus haben wir noch nicht geschafft. Wir haben im Oktober und November veranstaltet und dann Winterpause gemacht, die aus organisatorischen Gründen etwas länger ausgefallen ist.

Was für Leute kommen?
Wir möchten keine bestimmte Klientel ansprechen, weil es die Idee ist, mit einem möglichst pluralistischen Publikum zu diskutieren. Hauptsächlich sind wir bei Studenten beliebt und älteren Leuten, die früher schon politisch aktiv waren. Sonst ist es wirklich sehr gemischt.

Wie ist das Konzept der Veranstaltung?

Wir steigen ein mit Musik und hören Beiträge von denen, die sich angemeldet haben und sprechen daraufhin in einer Art Interview mit ihnen. Das Publikum kann einfach Fragen stellen und die Moderation achtet nur darauf, dass alles friedlich bleibt und nicht zu langatmig wird. Später gibt es dann noch zwei weitere Musik-Blöcke.

Angenommen, ich möchte dort sprechen. Muss ich mich vorher anmelden? Oder kann ich einfach vorbeikommen?
Falls du sprechen möchtest, musst du uns vorher anschreiben und dein Thema nennen, damit wir deinen Vortrag halbwegs passend ins Programm setzen können. Wer nur mitdiskutieren möchte, kann einfach vorbeikommen.

Wie lange habe ich Zeit, um über mein selbstgewähltes Thema zu sprechen?
Ungefähr 10 Minuten. Danach bitten wir die Redner, in einen Dialog mit der Moderation und dem Publikum zu treten.

Gibt es Themen, die ihr von vorneherein ausklammert?
Nein, die Themenwahl ist komplett frei. Nur von Rassismus, Hetze und monokausalen Verschwörungsideologien möchten wir uns ausdrücklich distanzieren. Kommen solche vor, ist es unsere Aufgabe, diesen argumentativ den Boden zu entziehen.

Über welche Themen wurde in der Vergangenheit schon gesprochen?

Gott und die Welt, Demokratiekultur, Populismus, der Nah-Ost-Konflikt, Ernährung, Korporatismus. Und über allem schwebt die Frage, wie wir als Gesellschaft zusammen leben wollen.

Und sind es, wie in den sozialen Netzwerken, eher Themen, die die Menschen aufregen? Oder spricht auch mal jemand über etwas, dass ihm positiv aufgefallen ist?
Auch solche. Es kommen aber zum Beispiel auch Initiativen, die sich vorstellen möchten, und Menschen, die sich nicht unbedingt aufregen, sondern über ihre Wünsche und Visionen sprechen möchten.

Besteht im Anschluss an die Reden der Einzelnen auch Gelegenheit zum Austausch, zur Diskussion?
Ja, das ist ganz wichtig. Nach jedem Vortrag besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und in einen Dialog mit den Rednern zu treten. Drinnen wird das von der Moderation geleitet, draußen ist es lockerer. Wer sich traut, stellt seine Fragen mit Mikrofon, wer das nicht möchte, kann sie an die Moderatoren weitergeben.

Und es bleibt nicht beim Sprechen allein. Ihr ladet auch Bands und Musiker ein. Wird in der Kassette auch Musik gemacht?
Ja natürlich, die Musik ist ein fester Bestandteil der Veranstaltungen, um neben den großen und oft sehr schwierigen Themen auch etwas zu entspannen und zu reflektieren. Dieses Mal kommt ein Straßenmusiker Namens El Rubito Da Granada, ein begabter Gitarrist, der auch einen Beitrag über seine Ethnie, die Sinti und Roma, halten wird sowie Maps and Keys, ein Musikprojekt von einem unserer Teammitglieder.

Wer sind die Organisatoren hinter der Idee?
Die Idee ist ursprünglich in Köln entstanden. Ein Deutschlehrer für Flüchtlinge und ehemaliger Party-Veranstalter kam auf die Idee, draußen im Park, am Aachener Weiher in Köln, über Politik und Gesellschaft zu sprechen, um die Filterblasen des Internets platzen zu lassen und Menschen kennenzulernen, die gewillt sind, sich mit den Gefühlen und Argumenten von anderen zu beschäftigen. Danach ist das Team gewachsen und die meisten, die nun „Düsseldorf spricht“ mitorganisieren, waren zuerst Gäste in Köln.

Es gibt also „Düsseldorf spricht“ und „Köln spricht“. Wie schaut es in anderen deutschen Städten aus?
Ist alles in Arbeit. Ich darf noch nicht viel verraten, aber unsere Vision ist es, dass durch solche Speakers‘ Corner im ganzen Land wirklich Politik und freie Meinungsäußerung und -bildung betrieben werden kann. Wir möchten Menschen verbinden, Räume schaffen und Gerechtigkeit vermitteln.

Düsseldorf spricht – Das Café der Demokratie: 5.3., 13:30 Uhr, Kassette, Düsseldorf

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