Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Alain Bieber im Interview – „Ich möchte die Kunst an meinem Körper sammeln“

Thomas Mailaender: No Pain, No Gain, 2009 / Courtesy of the artist © Thomas Mailaender /

Die Ausstellungseröffnung am vergangenen Donnerstag begann für Alain Bieber mit Schmerzen. Und einem Tattoo. Seinem zweiten. Was es damit auf sich hat, erzählt der Direktor des NRW-Forums im Gespräch mit theycallitkleinparis.

Am Donnerstag sind im NRW-Forum die Ausstellungen von Peter Lindbergh/Garry Winogrand und Thomas Mailaender gestartet. Zur Eröffnung gab es eine besondere Aktion. Man konnte sich umsonst tätowieren lassen. Wie viele Besucher haben sich getraut?

Der Künstler und Tätowierer Holger Kurt Jäger hat uns bei der Aktion unterstützt und von 17 Uhr bis 0 Uhr tätowiert – insgesamt 36 Besucher hat er geschafft. Und der Andrang war enorm, es kam fast schon zu Tumulten in der Schlange.

Das beruhigt mich, dass ein Profi am Werk war. Ich dachte schon, ein Amateur habe die Nadel geschwungen.

Nein, tätowiert hat ein Profi, die Vorlage kam vom Thomas Mailaender: eine Auswahl seiner Handschrift mit dem Wort „Fun“.

Was hat es damit auf sich?

Die Arbeit heißt No Pain no gain. An seinem dreißigsten Geburtstag hat der Künstler Thomas Mailaender sich das Wort „Fun“ auf den Po tätowieren lassen, ein Spaßprojekt. Diese Aktion hat so viele Fans gewonnen, dass sich bereits hunderte „Follower“ weltweit ebenfalls ein „Fun“ haben tätowieren lassen. Und Thomas Mailaender sammelt alle Bilder und stellt sie online.

Im NRW-Forum zeigt Mailaender Fundstücke, in erster Linie aus dem Netz, aber auch von Flohmärkten. Was erwartet den Besucher?

Den Besucher erwarten spektakuläre Rauminstallationen, wie zum Beispiel das Hauptquartier des obsessiven Bildersammlers. Hier laufen über 10.000 gesammelte Netzbilder von Mailaender im Loop, absurde Internetbilder auf missglückten Keramiken oder das „Fish Museum“ – echte Fische in Kunstaquarien und vieles mehr.

Zurück zu den Hautbildern: Wo genau wurden denn tätowiert, mitten im Museum, vor aller Augen?

Direkt in der Ausstellung von Thomas Mailaender „The Fun Archive“, in einer hinteren Ecke, im Schutz der Cyanotypie-Installation. Aber natürlich bildete sich trotzdem eine Traube Neugieriger. Aber das vergaß man auch schnell, wenn man auf der Liege lag.

Du selber bist mutig vorangegangen und hast dich als Erster tätowieren lassen. Wie lange hast du darüber nachgedacht, welche Stelle am Körper es sein sollte?

Ehrlich gesagt, sehr lange. Am Ende war klar: Das Wort muss aufs Herz.

Fun“ ist ja bereits deine zweite Künstler-Tätowierung. Die erste trägst du auf dem Unterarm. „Omnia sunt communia“ steht da. Auch von der Künstlerin vorgegeben oder in diesem Fall frei gewählt?

„Omnia sunt communia“, alles gehört allen, kommt aus dem großartigen historischen Roman „Q“ von Luther Blisset. Es sind die letzten Worte des Reformators und Revolutionärs Thomas Müntzer in der Zeit der Bauernkriege – kurz vor seiner Hinrichtung am Galgen. Das Tattoo hat mir eine Künstlerin aus Hamburg gestochen.

Die Tattoos von Mailaender sehen ein bisschen aus wie mit dem Zirkel gestochen, atmen einen Hauch von Knast-Ästhetik.

Das sieht nur so aus, das sind Profis und die Tattoos haben natürlich eine klare Kunst-Ästhetik, die zum Teil einen Knast-Look zitiert. Es gibt inzwischen sehr viele fantastische Künstler, die auch tätowieren. Und ich habe für mich beschlossen: Ich möchte so die Kunst an meinem Körper sammeln. Das war also bestimmt nicht das letzte Tattoo.

Thomas Mailaender „The Fun Archive“: bis 30.4. NRW-Forum, Düsseldorf, So-Do 11-18, Fr+Sa 11-20 Uhr

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