Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

„Wir sind Pop und Eskalation“ – Interview mit One-Eyed Kollektiv

Lange Jahre wusste man in Düsseldorf nie so recht, wo man Silvester feiern sollte. Die öffentlichen Partys waren wenig originell und oft zu teuer. Das tanzhaus nrw könnte in diesem Jahr die Rettung sein. Mitveranstalter der Jahreswechsel-Sause an der Erkrather Straße ist das One-Eyed Kollektiv, jedenfalls drei Viertel davon. theycallitkleinparis hat mit den Feier-Fachleuten gesprochen.

Welches war das beschissenste Silvester eures Lebens?
Benny: 2000! Erst kein Computercrash, und dann wird mir auch noch die Jacke geklaut.
Laura: Gebt mir einfach eine Handvoll Böller, mit einer Handvoll Böller ist Silvester immer gut. Mit einer Handvoll Böller ist alles gut.
Luise: Ich kann mich auch nicht an ein einziges schlechtes Silvester erinnern. Muss wohl an meinen wundervollen Freunden liegen, die es jedes Jahr perfekt gemacht haben.

Grundsätzlich herrscht ein hoher Druck, am Jahreswechsel-Abend was ganz Besonderes zu unternehmen. Viele warten bis zur letzten Minute auf Angebote, die dann nicht kommen. Habt ihr euch dem schon mal entzogen, indem ihr zum Beispiel mit eurer Oma zu einer Autobahn-Raststätte geflüchtet seid? Oder einfach schon vor Mitternacht ins Bett gegangen?
Luise: Ich muss gestehen, dass ich echt nur einmal richtig feiern gegangen bin, und das ist auch schon Jahre her. Bei uns gibt es immer ein riesiges Fress-Fest mit Freunden, das wird dann am 1.1. gemeinsam im Pyjama auf der Couch fortgesetzt. Ich freue mich jedes Jahr auf Silvester.
Laura: Ich hab’s schon mal unfreiwillig verschlafen. Da musste ich dann eben am nächsten Morgen böllern, war aber auch schön.

Das Angebot an originellen Silvester-Partys war in Düsseldorf in den vergangenen Jahren sehr, äh, überschaubar. An welche gelungenen Silvester-Sausen hier in der Stadt denkt ihr gerne zurück?
Benny: Wir sind früher oder später eigentlich immer im Pretty Vacant aufgeschlagen, da ist jetzt das Cube drin, auf der Mertensgasse in der Altstadt.
Laura: Ja, das war schön, quasi ein Familientreffen, die ganze Indie-Bande auf einem Haufen.

Als One-Eyed Kollektiv seid ihr Mitveranstalter der diesjährigen Silvester-Party im tanzhaus nrw. Was erwartet die Besucher dort?
Luise: Etwas Großes! Wir sind Pop und Eskalation. Wir wollen, dass alle tanzen und sich in den Armen liegen.
Benny: So sieht’s aus! Und es wird außerdem verdammt hübsch im tanzhaus, denn Anette Jacobs sorgt für Videoinstallationen.
Laura: Vor allem sind’s ja nicht nur wir von One-Eyed, das allerbeste an der Party ist ja, dass wir eben zwei fantastische Floors haben. Auf der kleinen Bühne fackeln unsere Homies von der something ihr Feuerwerk ab, da sind die Jungs von Die Wilde Jagd, die spielen live, dazu Philipp Otterbach (Farbfernseher/Berlin) und Jules (NTS). Ich bin bloß traurig, dass ich mich nicht zweiteilen kann!

Seit wann läuft euer VVK? Wie ist die Resonanz bisher?
Laura: Es ist so schön zu hören, wie viele sich schon auf die Party freuen – und darüber, dass wir wieder da sind.
Luise: Der VVK läuft seit Mitte November, wir sind total zufrieden.

Die Tickets sind ja mit 16,50 Euro extrem fair bepreist. Wie wichtig war euch das?
Luise: Unsere Early-Bird-Tickets kosten sogar nur 13 Euro. Das ist uns wichtig. Und auch die Getränkepreise werden bei der Party wie an jedem anderen Abend sein. Alle sollen sich fühlen wie Könige, es ist schließlich Silvester.
Benny: Exakt.
Laura: Wer kein Early-Bird-Ticket ergattert und von weiter her kommt, der muss sich übrigens auch nicht grämen: In den regulären Tickets für 16,50 Euro ist ein VRR-Ticket inklusive.

Eigentlich besteht das One-Eyed Kollektiv aber nicht nur aus drei, sondern aus vier Leuten.
Luise: Stimmt, wir sind zu viert. Benny und Laura, das Dream-Team, Luise der Padawan und Super-Nadine, die leider am Silvester-Abend nicht dabei sein kann. Aber da es der Liebe wegen ist, ist es natürlich komplett verständlich.

Ihr seid vor ein paar Jahren hier in der Stadt schon mal in Erscheinung getreten. Damals habt ihr drei Partys gemacht. Warum dann die lange Pause?
Luise: Das frage ich mich auch manchmal …
Laura: Na ja, wir haben halt mittlerweile total erwachsene Jobs – aber auch teilweise neue Projekte am Start.
Benny: Uns war bei unseren Partys wichtig, immer andere außergewöhnliche Orte zu finden. Das lohnt sich, wenn dann das ziemlich schräge Kir Royal aus allen Nähten kracht und auf Bänken und Theke getanzt wird, weil auf der Tanzfläche einfach kein Platz mehr ist – braucht aber Zeit.
Laura: Eine Gedenkminute bitte für das Kir Royal, dieses wundervolle Etablissement mit der besten Qype-Rezension aller Zeiten: „Kleine Keller-Kaschemme – zwielichtige, unfreundliche Barbesitzerin! Weder Kult, noch sehenswert! Nicht empfehlenswert! Weder Vertrauen noch Liebe warten dort!“ Hat leider seit ein paar Wochen zu.
Luise: Jedenfalls: Umso mehr freuen wir uns jetzt auf die Reunion.

Was für ein Sound ist von euch zu erwarten?
Luise: Pop steht da bei mir ganz oben. Allgemein spiele ich aber einfach was passt und mir selber gefällt, da geht es auch gerne mal in Richtung Indie, Wave oder Elektronik.
Benny: Britische Popschiene.
Laura: Popkids united! Aber für mich ist ja alles Pop, von Britney bis zum Geräusch einer kaputten Kettensäge, wenn’s nur halbwegs rhythmisch ist.
Benny: Ein Blick auf unsere Facebook-Seite lohnt sich, da teasern wir gerade mit bunten GIFs an, wo’s musikalisch ungefähr hingeht.
Luise: Wir wissen halt vorher nie hundertprozentig, wo der Abend hinführt, wir garantieren nur, dass es ein großer Spaß wird.

Drei Songs, die ihr auf jeden Fall spielen werdet?
Luise: Ganz spontan: Grimes „Kill V. Maim“, The Big Pink „Too Young to Love“, Django Django „Default“.
Benny: Public Service Broadcasting „Everest“, Morrissey „First of the Gang to Die“, The Libertines „Don’t Look Back into the Sun“.
Laura: The Knife „Neverland“, The Pains of Being Pure at Heart „Young Adult Friction“, Belinda Carlisle „Heaven Is a Place on Earth“. Und Bowie, Bowie, Bowie.
Benny: Mit Bowie sind’s aber vier.
Laura: Klappe, Bowie geht immer.

Ein Song, den ihr im Leben nicht spielen werdet?
Luise: Mh, es gibt bestimmt einige, aber grundsätzlich setzte ich mir da keine Limits.
Benny: „Wonderwall“ von Oasis.
Laura: „Dancing in the Moonlight“ ist der beschissenste Song der Welt und ich spiele keine beschissenen Songs. … So, jetzt habe ich’s King Harvest und Toploader aber mal so richtig gegeben.

Welche Silvester-Rituale müssen sein?
Luise: Glitzer, Sekt, Konfetti, Küssen und Umarmen.
Laura: Glitzer ist super, aber … ich brauche Böller!

Habt ihr in der Konstellation, in der ihr Silvester auflegen werdet, schon mal zusammen gefeiert?
Benny: Silvester haben wir zumindest noch nie zusammen verbracht.
Luise: Wird also langsam mal Zeit.
Laura: Yo.

Der todsichere Tipp gegen den Kater am nächsten Morgen?
Luise: Essen, essen, essen, leiden – man sagt mir eine gewisse Neigung zum Jammern nach – und Tierdokus schauen.
Benny: Alles vorhandene Obst mit einem Schuss Wodka in den Mixer werfen und auf das Beste hoffen.
Laura: Nice! Ich hoffe trotzdem darauf, dass Neujahr alle vom Tanzen so einen Muskelkater haben, dass sie es nicht einmal mehr bis zum Mixer schaffen. Jawoll.

31.12., ab 22 Uhr, Hallo 2017, tanzhaus nrw, Düsseldorf, VVK-Stellen: tanzhaus nrw, Café Baustoff, Pretty Lush Store, Hitsville Records, A&O Medien

theycallitkleinparis velost 2 mal 2 Karten für die Sause. Bei Interesse bitte eine Mail an salut@theycallitkleinparis.de senden. Stichwort: Silvester. Den Rest besorgt die Glücksfee.

2 Responses to “„Wir sind Pop und Eskalation“ – Interview mit One-Eyed Kollektiv”

  1. tanzhaus nrw

    Aua. Trotzdem: Dank für Ihre Rückmeldung. Es gab – neben vielen glücklichen Gästen – auch Unzufriedenheit, bei Ihnen sogar eine heftige Verärgerung. Wir stellen fest: Die Marke „Silvester im tanzhaus nrw – mit Musik und Tanz in allen Räumen“, wie sie weit mehr als 20 Jahre und zuletzt im Jahr 2013 für berechtigte 48,- an der AK stattgefunden hat, ist stark. Und obwohl wir als professioneller Veranstalter in der Kommunikation für 2016 glasklar waren, kommen Besucher, die bei einem Eintritt von 13,- (early bird) bis 18,- (AK) inkl. VRR erwarten, es wäre alles so wie immer, wie früher, wie damals, kurz wie in den vergangenen Jahren. Die schillernden, ganz unterschiedlichen Erwartungen an eine gelungene Silvesterparty ist eine Tatsache, aus der wir lernen. Trotz des für Sie „schlechtesten Silvesters Ihres Lebens“: Kopf hoch, Ihr tanzhaus nrw

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  2. Stefanie Pulger-Engelhardt

    es war das schlechteste silvester meines Lebens im tanzhaus nrw!

    die musik war grauenvoll.
    die menschen beschwerten sich reihenweise, aber die ladies weigerten sich standhaft musikwünsche zu realisieren. so standen viele nur ratlos auf der tanzfläche, die sich wie in früheren jahren, nach den stimmungsvollen silvester-parties zurücksehnten.
    es war eine qual mitternacht und damit den jahreswechsel abzuwarten.

    lediglich „freedom“ von george michael munterte um punkt 00 uhr die gemüter etwas auf….
    früher tanzten wir bis um 4uhr in der früh- jetzt waren wir glücklich diesen unsäglichen, unprofessionell organisierten event fluchtartig kurz nach mitternacht verlassen zu können.

    wie uns ging es vielen anderen!

    die verantwortlichen hätten sich besser am konzept der vorjahre orientiert!

    resumee: schrecklich bis unerträglich- ebenso das klägliche konzert im nebensaal!
    schade, dass so die erwartungen vieler bitter enttäuscht wurden.
    das hätte man besser machen können!

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