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Gregor Kerkmann im Interview – „Wir haben eine eigene Sprache gefunden“

Coughing Bell, Foto: privat

Gregor Kerkmann kennt man in erster Linie von seiner Band Chogori, die er seit 2013 gemeinsam mit Ralf Stritt betreibt. Nun hat der Bassist ein neues Duo am Start. Bei Coughing Bell macht er gemeinsame Sache mit Frank Schwiklewski. Am 30.11. treten die beiden in dieser Konstellation zum ersten Mal vor Publikum. Woher sie sich kennen, wie ihre Gefühlslage so kurz vor der Premiere ist und was er sonst noch für musikalische Baustellen beackert – all das hat Kerkmann theycallitkleinparis im Interview verraten.

Du hast zusammen mit Frank Schwiklewski das Duo Coughing Bell gegründet. Seit wann gibt es euch und wie kamt ihr zusammen?

Mit Frank verbindet mich eine lange, schöne Geschichte, die seit Sommer diesen Jahres fortgeschrieben wird. Wir hatten damals auf dem Internat unsere allererste Band zusammen und sind seitdem befreundet. Musikalisch haben wir uns gegenseitig immer sehr geschätzt und obwohl wir in dieser Hinsicht unterschiedliche Richtungen eingeschlagen haben, haben wir uns nie völlig aus den Augen verloren. Als Gitarrist war Frank lange Zeit vorwiegend mit Rockbands unterwegs, während ich mich als E- und Kontrabassist immer mehr in Richtung elektronischer Musik und E-Musik bewegt habe. Vergangenen Sommer haben wir uns dann zu zweit zu einer Session getroffen, die für uns so inspirierend war, dass daraus Coughing Bell entstand.

Wie umfangreich ist euer Repertoire derzeit?

Ungefähr 40 Minuten.

Was hat es mit dem Bandnamen auf sich?

Der Bandname ist eine Assoziation zu unser Musik. Wir haben die Mitschnitte der Sessions angehört und hatten lauter Bilder dazu im Kopf. Es fielen einige Namen, irgendwann kam Frank mit Coughing Bell um die Ecke. Mir gefiel der Klang und das Bild. Und jetzt heißen wir so.

Am 30.11. tretet ihr im Rahmen der „Novembar“ auf der Lorettostraße 9 zum ersten Mal auf. Wie würdet ihr eure Gefühlslage so kurz vor der Premiere beschreiben?

Das Gefühlsbarometer reicht von großer Vorfreude und „aufgeregt wie schon lange nicht mehr“ bis hin zu Nervosität, Anspannung und der Frage „Werden wir unseren Ansprüchen gerecht“. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir freuen uns beide sehr auf den Auftritt und sind absolut gespannt darauf.

Was erwartet die Zuhörer musikalisch?

Wir besitzen beide ein sehr breites musikalisches Spektrum. Dennoch haben wir, beginnend mit den ersten Sessions, sehr schnell eine eigene Sprache gefunden. Wir arbeiten bewusst ohne Schlagzeuger, stattdessen mit zum Teil selbst erstellten Schlagzeugsamples, die ich unter anderem mit meinem E-Bass erzeugt habe. Darüber hinaus verwenden wir eine drum machine und verfremden diese sehr stark. Laptops oder sonstige digitale Alleskönner verwenden wir nicht. Stilistisch erwartet die Zuhörer alles, was uns musikalisch beeinflusst hat und wir selbst gerne hören: Das geht los bei früher New-Wave-Musik über Funk und Postrock bis hin zu elektronischer Musik.

Was ist für die nahe Zukunft geplant?

Für die Zukunft sind Auftritte, Tonträger, das ein oder andere Video geplant. Mal sehen, was unser Zeitplan zulässt.

Vor einigen Wochen bist du zusammen mit Stefan Schwander aka Harmonious Thelonious aufgetreten. Bist du jetzt fester Teil der Besetzung?

Ich habe Stefan im Mai diesen Jahres nach einem Konzert im Elektro Müller angesprochen. Wir haben uns kennengelernt und dann zu einer Session verabredet, die uns beiden viel Spaß gemacht hat. Ich mag seine rhythmisch- synkopierte elektronische Musik, in der ich viele musikalische Gemeinsamkeiten finde. Mein Gedanke war, Stefans Musik mit meiner Art, E- und Kontrabass zu spielen, zu kombinieren, quasi mit dem, was ich live mit meiner Analog-Electronica-Band Chogori oder solo als Trickpath mache. Stefan und ich spielen symbiotisch zusammen und wir haben beide viel Spaß daran, sodass man uns in Zukunft sicherlich noch öfter zusammen sehen und hören wird.

Und was verbirgt sich hinter Trickpath?

Bei Trickpath arbeite ich multiinstrumental mit E- und Kontrabass, Gitarre, Synthesizer, Looper, drum machine und diversen Analog-Effektgeräten. Außerdem habe ich noch ein Duo mit dem Grafik-Designer Dino Franke, wir nennen uns Grid. Wir haben beide unseren Arbeitsraum beziehungsweise unser Studio im Kloster in Flingern. Dort haben wir uns kennengelernt und sind seitdem befreundet. Dino und ich teilen eine große Liebe für abgedrehte elektronische Musik und Spielzeug, mit dem sich selbige produzieren lässt.

Welche Projekte stehen ansonsten bei dir noch an? Du arbeitest ja auch viel fürs Theater…

Ganz oben auf der Liste steht natürlich meine Band Chogori, die ich zusammen mit Ralf Stritt 2013 ins Leben gerufen habe. Wir haben gerade ein neues Album produziert, inklusive neuem Video, das wir mit Roland und Andreas von Warped Type gedreht haben. Die beiden haben in der Vergangenheit schon mit Hauschka und den Grandbrothers gearbeitet. Roland hat uns schon die ersten Stills zukommen lassen. Wir sind sehr gespannt. Auch für das Düsseldorfer Schauspielhaus habe ich gerade ein neues Projekt in der Mache. Nach den Stücken „Das fremde Kind“ und „Kein Science Fiction“, wofür ich die Musik geschrieben und performt habe, war für mich nach dem Intendantenwechsel erst einmal Pause. Ungefähr zeitgleich und bis Sommer letzten Jahres habe ich viel am Theater Dortmund zusammen mit dem New Yorker Paul Wallfisch gearbeitet. Ich war der Bassist bei zwei Produktionen, bei denen Paul musikalischer Leiter war. Ich hoffe, mit der neuen Produktion für das Düsseldorfer Schauspielhaus, einer Abenteuerromanerzählung, die ich mit Schauspielerin Hanna Werth vorgelegt habe, wieder einen Fuß in die Düsseldorfer Theater-Türe zu bekommen. Hanna ist Bestandteil des aktuellen Ensembles am Schauspielhaus. Sie hat mich vor ein paar Monaten angesprochen und wir hatten sehr viel Spaß daran, den Roman gemeinsam umzusetzen.

30.11., 20 Uhr, Novembar, Lorettostr. 9, Düsseldorf

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