Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Unter der Stadt

Oben, ja, oben scheint alles in Ordnung. Selbst die U-Bahn-Baustelle, die Anwohnern, Einzelhändlern und vielen anderen so lange zu schaffen gemacht hat, ist endlich Geschichte. Jetzt können alle wieder ans Geld verdienen denken. Bald beginnt der Weihnachtsmarkt. Man trifft sich an der Glühwein-Pyramide. Mit Kollegen. Mit Freunden. Unter der Stadt hingegen sieht die Welt ganz anders aus. Dunkel ist es dort, dunkel und sehr kalt. Und trotzdem leben in dem stillgelegten Tunnel der Deutschen Bahn Menschen. Aus Stangen, Planen, Decken und Stoffen haben sie sich notdürftige Behausungen gebaut. Ein Bild wie aus den Slums von Rio de Janeiro, Nairobi oder Jakarta. Mitten in Düsseldorf, der Hochburg des Neo-Kapitalismus. Rumänen sollen es sein, die hier leben. Sagen jedenfalls die beiden Männer, die im Auftrag der Deutschen Bahn im Tunnel arbeiten. Die Rumänen haben provisorische Regale an der Wand angebracht. Sie kochen mit einem Campingkocher. Etwas Speck ist noch in der Pfanne. Zur Freude der Ratten. Keine zehn Meter von der Kochstelle entfernt verrichten sie ihre Notdurft. Man sieht es. Man riecht es. Und hofft inständig, dass die Kinderwagen nur zum Transport von Sachen benutzt werden. Und der rosafarbene Minischuh durch Zufall hierher gekommen ist.

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