Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Hans-Peter Feldmann in der Sammlung Philara – Er möchte das nicht

Hans-Peter Feldmann: Brotscheibe

Nein, für Interviews steht der Künstler nicht zur Verfügung. Dabei wollten ihn viele Journalisten sprechen. Aber Hans-Peter Feldmann möchte das nicht. Wie vieles andere auch. „Feldmann ist ein Marktverweigerer“, sagt Katharina Klang, Direktorin der Sammlung Philara, die ihre nunmehr zweite Wechselausstellung dem Kunst-Kauz widmet.

40 Jahre hat der heute 75-Jährige an der Wallstraße im Herzen der Düsseldorfer Altstadt einen Laden betrieben. Was es dort gab? Vieles, was man unter „Nippes“ verbuchen würde. Kuckucksuhren zum Beispiel. Aber auch Fingerhüte, Postkarten oder Wackeldackel. Irgendwann kam Kaspar König vorbei. Ende der 1980er Jahre war das, zu einer Zeit, in der Feldmann dem Kunstbetrieb den Rücken gekehrt hatte und regelmäßig im Geschäft anzutreffen war. König kaufte also zwei Fingerhüte. Und überzeugte den Einzelhändler, in den Kunst-Betrieb zurückzukehren. In der Folge wurden Feldmanns Werke in aller Welt ausgestellt. In seiner Heimatstadt ließ er eher selten künstlerisch von sich sehen. Sechs Jahre ist die umfassende Schau in der Kunsthalle nun schon wieder her. Und doch sind diverse Arbeiten, die dort gezeigt wurden, im Gedächtnis geblieben. „Ein Pfund Erdbeeren“ etwa, für die Feldmann die Früchte einzeln fotografiert und an die Museumswand gepinnt hatte, zeugte ebenso von seinem sehr speziellen Humor wie die goldenen Pumps, deren Fußbett komplett mit Reißzwecken versehen war. Derartige Werke bedürfen keiner kunsthistorischen Erklärung. Man kann sie erfühlen.

Das ist auch bei den „Seestücken“ so, der ersten Feldmann-Arbeit, auf die man in der Sammlung Philara trifft. Auf knallrot gestrichener Wand hängen 15 Ölgemälde. Alle zeigen das Meer. Und nur das Meer. Schiffe sind nirgends auszumachen. Sämtliche Arbeiten stammen von Flohmärkten. Dort findet der Künstler oft jenes Material, aus dem er die Dinge entstehen lässt. Katharina Klang spricht von der Referenz an das Alltägliche. Davon, dass Feldmann die Überhöhung der Kunst ad absurdum führt. „Solche Gemälde mit den entsprechenden Nachkriegsrahmen kennen die meisten aus den Wohnzimmern ihrer Großeltern, man hat sofort die entsprechende Schrankwand im Kopf und das entsprechende Sofa“, sagt sie. Dass die Fundstücke teilweise in schlechtem Zustand sind, stört den Künstler übrigens nicht. Das muss so, findet er.

Es gehört zu der Verweigerungshaltung des Hans-Peter Feldmann, dass er nicht möchte, dass seine Ausstellungen einen Titel tragen. Sein Name, findet er, reiche völlig aus. Auch signiert, editiert und datiert er seine Arbeiten nicht. Bei der Serie „100 Jahre“, 101 schwarz-weißen Fotos von Menschen zwischen 0 und 100 Jahren, kann man zumindest ungefähr errechnen, wann sie entstanden ist. Felina, auf der Fotografie gerade mal acht Wochen alt, „hat dieses Jahr Abitur gemacht“, erzählt Klang. Die Serie ist genauso im Besitz des Sammlers Gil Bronner wie „Mister Dollar“ und „Miss Pound“. Den Köpfen auf den jeweiligen Banknoten hat Feldmann einen Körper gegeben. Die Queen vom 5-Pfund-Schein trägt in seiner Version ein tailliertes Jäckchen zum Rock, der das Knie selbstverständlich bedeckt. Die Wirkung ist ähnlich wie bei jenen Fotoserien, auf denen sich Menschen Plattencover mit anderer Leute Konterfeis vors Gesicht halten. Auf der Wand gegenüber prangen übereinander angeordnet die „Brotscheiben“, die Feldmann komplett schlicht auf weißem Grund fotografiert hat. Spätestens hier würde mancher Betrachter die K-Frage stellen. Die Frage nach der Kunst. Hans-Peter Feldmann würde das vermutlich gefallen.

Hans-Peter Feldmann: bis 15.1.17 Sammlung Philara, Birkenstr. 47, Düsseldorf; Führungen: Fr, Sa & Mo, jeweils 14 & 16 Uhr, So 12 & 15 Uhr, Di 16-20 Uhr geöffnet (und ohne Führung zugänglich), Anmeldungen unter fuehrungen@philara.de

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