Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

„Heisenberg“ im Central – Im Entstehen

Heisenberg
von Simon Stephens, Foto: Sebastian Hoppe

Regie: Lore Stefanek
Bühne und Kostüm: Janina Audick
Musik: Primus Sitter
Dramaturgie: Felicitas Zürcher
Foto: Sebastian Hoppe

In den vergangenen Wochen ist viel über Wilfried Schulz geschrieben worden. Meist geht es dabei um die mehr als schlechten Nachrichten, mit denen der Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses konfrontiert ist. Die letzte war gerade noch ganz frisch, als am 21. Oktober „Heisenberg“ im Central Premiere feierte. Die Einführung dazu hielt der Chef persönlich und er tat es auf die ihm eigene Art. Es ist eine Freude zu erleben, wie der Theatermann den Kontakt zu seinem Publikum sucht, wie er ihm auf Augenhöhe begegnet und seine Idee von Theater vermittelt. Das Publikum mitnehmen wollen viele. Schulz könnte es gelingen.

Zum Stück. „Heisenberg“, eine Komödie des britischen Theaterautors Simon Stephens, ist in Düsseldorf als Deutschsprachige Erstaufführung zu erleben. Für die beiden einzigen Rollen konnte man zwei erstklassige Darsteller verpflichten. Burghart Klausner, der ein paar Tage vor der Theater-Premiere noch als Richter in der Fernsehversion von „Terror“ zu erleben war. Und Caroline Peters, seit 2004 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters und 2016 von der Fachzeitschrift „Theater Heute“ zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Vor allem Klausner scheint seine Rolle geradezu auf den Leib geschrieben zu sein. Er gibt den kauzigen Metzger Alex Priest absolut überzeugend. Jede linkische Geste, jede mimische Regung sitzt. Priest wird nun am Londoner Bahnhof St. Pancras von einer Frau in den Nacken geküsst. Absicht? Versehen? Plan? Man weiß es nicht. Die Frau ist jedenfalls Georgie Burns. Sie ist mehr als drei Jahrzehnte jünger als der Mittsiebziger Priest und auch davon abgesehen scheinen die aufgedrehte Frau aus New Jersey und der eher wortkarge Mann aus Irland wenig gemeinsam zu haben. Außer der Einsamkeit. Auf deren Grundlage lässt der gefeierte Dramatiker Stephens eine zarte Liebesgeschichte entstehen. Das dezente Bühnenbild sorgt dabei dafür, dass man alle Aufmerksamkeit auf die beiden Schauspieler richten kann, die der Erwartungshaltung, die man an Darsteller ihrer Güte hat, über die gesamten 90 Minuten (ohne Pause) voll gerecht werden. Am Ende ist man als Zuschauer geradezu erleichtert, dass es kein böses Erwachen für Alex und Georgie gibt. Ausgerechnet der Kühlschrank dient ihnen als Tor zu einem neuen Universum. Das Premierenpublikum geizte nicht mit Applaus. Für Schulz vermutlich die beste Nachricht der Woche.

Nächste Aufführungen: 2., 8.+16.11. (alle ausverkauft), Central, Düsseldorf

Schreibe einen Kommentar

Basic HTML is allowed. Your email address will not be published.

Subscribe to this comment feed via RSS

*