Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Stefan Schwander im Interview – „Sich in der Musik zu verlieren, ist ein toller Zustand“

Stefan Schwander, Foto: Fotoschiko 2012

Am 16. September veröffentlicht Stefan Schwander eine neue Platte. Wieder mal. Wie alle Vorgänger erscheint auch das aktuelle Werk nicht unter dem bürgerlichen Namen des Musikers, sondern in diesem Fall unter dem Pseudonym Harmonious Thelonious. „International Dance Record“ heißt das gute Stück und der Hörer, der Schwander ein bisschen kennt, wundert sich. Wie kann ein eher schüchterner Mensch wie er so extrovertierte, tanzbare Musik machen? theycallitkleinparis hat mit dem Düsseldorfer gesprochen. Über Hypnose. Über fleischlose Ernährung. Und über seine Klang-Kunst. Nur in einem Punkt blieb der Künstler die Antwort schuldig: Zu seinem Alter wollte Schwander keine Angaben machen.

Hast du dich schon mal hypnotisieren lassen?

Nein, war bisher noch nicht nötig.

Würdest du gerne mal?

Ja, vielleicht schon…

Ich frage das, weil die Tracks, die du unter Harmonious Thelonious veröffentlichst, sehr hypnotisch sind. Eine Wirkung, die du bewusst erzeugst?

Ja, wenn sich diese Wirkung einstellt, habe ich eins meiner Ziele erreicht. Sich in der Musik zu verlieren, ist ein toller Zustand, denke ich.

Angenommen, du müsstest die neue Platte mit nur drei Adjektiven beschreiben. Welche wären das?

Tanzbar, leicht und monoton.

Einer deiner prägenden Einflüsse ist afrikanische Musik. Wie hast du sie für dich entdeckt? Und was magst du an ihr?

Der Kontinent ist riesig und es gibt verschiedenste Stile. Am Anfang hat mich die Musik aus Zimbabwe ergriffen, aber auch immer schon Highlife, afrikanische Gitarren und die Polyrhythmik, die Trommeln, rituelle Musik, Musik für Zeremonien und so weiter.

Dein Sound kommt ziemlich gut gelaunt und extrovertiert daher. Wann hattest du das letzte Mal richtig schlechte Laune?

Beim verlorenen Europameisterschaftsspiel gegen Frankreich. Die ist dann aber schnell wieder verflogen, da wir an dem Abend im Salon aufgelegt haben, im Rahmen der Reihe „Dub & Musique Africaine“. Bei der Musik ist schlechte Laune nicht angebracht.

Warum veröffentlichst du deine Musik, auch wenn du sie ohne Mitstreiter produzierst, eigentlich ausschließlich unter Pseudonymen? Oder wird irgendwann auch etwas unter Stefan Schwander erscheinen?

Unter meinem Namen wird wohl so schnell nichts erscheinen. Ich bin oldschool. Man hat sich damals im Techno-/Elektronik-Kontext immer Namen gegeben, da die Person hinter dem Projekt verschwinden sollte, weil es um die Musik ging, nicht um Personen beziehungsweise um Personenkult. So sehe ich das heute noch.

Die Platte heißt ja „International Dance Record“. Wie oft gehst du selber noch tanzen?

Nicht wirklich oft und wenn, dann eher hinterm Plattenteller. Ab und zu auch mal zuhause. Wenn wieder mal ein Groove ganz gut geglückt ist beim Musikmachen.

Tanzt du auch schon mal zu eher peinlichen Sachen? Schlagern vielleicht? Pur? Helene Fischer?

Niemals, damit kann man mich jagen, da verstehe ich keinen Spaß. Dazu nehme ich die Musik auch zu ernst, obwohl ich mich selber hoffentlich nicht so ernst nehme.

Ende Oktober spielst du bei SOY Festival in Nantes. Wann bist du denn hier in der Gegend das nächste Mal zu hören? Am 6. Oktober mit afrikanischer Musik vom Plattenspieler zusammen mit dem DJ-Duo Leroy & Johenson im Salon des Amateurs. Und am 26. November live im Weltkunstzimmer.

Deine Booking-Agentur hat den feinen Namen „Eine Welt aus Hack“. Isst du eigentlich noch Fleisch?

Sehr wenig, ich koche zuhause immer vegetarisch. Auf dem Grill landen allerdings schon mal Würstchen für die Kinder und eine Dorade für Freunde.

Neben dem Musikmachen widmest du dich auch dem Möbelbauen. Wohnst du eigentlich ausschließlich in deinen eigenen Möbeln?

Ja, bis auf den Kühlschrank. Man muss die Sachen ja auf Haltbarkeit überprüfen und schauen, ob man selber Spaß dran hat. Falls das nicht gelingt, braucht man sie natürlich auch nicht andern Leuten anzupreisen.

International Dance Record“ erscheint am 16. September bei italic.

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