Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Ausstellung „Die Nachkommen des Herrn L.“ – Gregor Schneider meets David Lynch

Foto (Ausschnitt): Josef Schulz

Die Szenerie hätte sich David Lynch nicht besser ausdenken können. Eine Wohnanlage der Neuen Heimat, gebaut in den 1970er Jahren, unweit des Mörsenbroicher Eis. An der gepflegten Fassade weiße Balkone. Der Spielplatz vor dem Eingang besteht aus Beton und gummierten Platten. Kinder sind weit und breit nicht zu sehen. Erika Ruhl wohnt seit vielen Jahren an diesem aus der Zeit gefallenen Ort, obwohl man sie aufgrund ihres hippieesken Äußeren eher auf der Kiefernstraße verorten würde. Gemeinsam mit dem Fotografen Josef Schulz hat Ruhl die Räumlichkeit im vergangenen Jahr immer wieder als Kulisse für ein Fotoprojekt genutzt. Die Bildideen stammen von ihr. Umgesetzt wurden sie im Team. Becher-Schüler Schulz hinter der Kamera, Anne Eleftheria und Laurenz Molnar davor. „Es war ein Gemeinschaftsprojekt“, betont Ruhl, die auch für das Styling verantwortlich zeichnet, „alle konnten sich einbringen“. Auch wenn manche ihrer Bildideen daraufhin noch umgestrickt wurden („Die Frau auf dem Spielplatz sollte zum Beispiel eigentlich ein Kopftuch tragen“), scheint der demokratische Ansatz dem Projekt gut getan zu haben. In zwölf Monaten sind 16 Fotos entstanden. Eins davon, möglicherweise das zentrale Motiv der Serie, zeigt ein Paar, das sich mit versteinerten Mienen an einem Esstisch gegenübersitzt. Auf seinem Teller: Salatblätter. Auf ihrem: eine bunte Pillen-Mischung. Eine andere Aufnahme präsentiert Molnar als bezopftes Funkemariechen in der Tiefgarage der Wohnanlage. Die ist übrigens ein Ort wie aus einer sehr düsteren Gregor-Schneider-Fantasie. Die Luft abgasgeschwängert. Die Düsternis des Souterrains nur von Neonleuchten durchbrochen. Und die einzelnen Stellplätze vergittert. In der Etage darüber liegt der holzgetäfelte Partyraum. Gefeiert wird hier allerdings selten. Er wird vielmehr für Eigentümerversammlungen genutzt. Am 28. August wird das definitiv anders sein. Dann nämlich ist Vernissage. Die 16 Aufnahmen der Serie werden im Format 150 mal 100 und unter dem Titel „Die Nachkommen des Herrn L.“ genau dort zu sehen sein, wo sie entstanden sind. Beste Gelegenheit, dem eigentlichen Protagonisten der Serie einen Besuch abzustatten. Ruhl für ihren Teil denkt im Vorfeld bereits über das Getränkeangebot nach. Was würde in dieser Umgebung am besten passen? „Martini“, findet sie.

„Die Nachkommen des Herrn L.“: 28.8.-19.10. Ludwig-Beck-Straße 10, Düsseldorf; Vernissage: 28.8., ab 16 Uhr; Finissage: 19.10., ab 17 Uhr, zur Finissage findet das Seminar „Psychoanalyse trifft Kunst“ statt; zwischen Vernissage und Finissage ist die Ausstellung ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter 0211-2303636 zu besuchen.

Schreibe einen Kommentar

Basic HTML is allowed. Your email address will not be published.

Subscribe to this comment feed via RSS

*