Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Andreas van der Wingen (Kiesgroup) im Interview – „Ich möchte aus Leder sein oder tot“

Kiesgroup, Foto: Kiesgroup

Unter seinem bürgerlichen Namen kennt Andreas van der Wingen kaum jemand. Alle sagen Vander. 1999 gründete der Düsseldorfer gemeinsam mit Max Stamm die Band Kiesgroup. Als deren Sänger und Texter verantwortet er so wunderbare Zeilen wie „Das Leben als Umweg zwischen Nichts und Nichts“, „Die Welt ist düster/leuchten müssen wir“ oder „Trinken wir noch bis der Morgen kommt?“. Letztere stammt vom neuen Kiesgroup-Album, das Ende Juli bei Fidel Bastro erscheint. Dass er nicht nur ein sauguter Texter ist, sondern auch ein geistreich-humorvoller Gesprächspartner, stellt Herr van der Wingen im Interview mit theycallitkleinparis unter Beweis.

Zum Start möchte ich dich etwas fragen, was man oft in den Fußgängerzonen des Landes gefragt wird. Bist du Tierfreund?

Natürlich mag ich Tiere. Außer sie sind bekloppt und bellen den ganzen Tag. Ich wohne gegenüber des Flora Parks, wo sich sieben Tage in der Woche die dümmsten Kläffer der Stadt treffen. Da hört’s auf. Ich betrachte Tiere immer sehr individuell.

Welches Tier magst du besonders?

Max‘ damalige Hündin Mrs. Jones. Sie war unglaublich demokratisch und höflich. Leider schon tot.

Eure neue Platte heißt „Eulen und Meerkatzen“. Wie kam es zu dem Titel? Und was sind überhaupt Meerkatzen?

Bei „Eulen und Meerkatzen“ handelt es sich um einen Till Eulenspiegel-Streich. Als er als Bäckergeselle gearbeitet hatte, buk er statt Brot eben jene Vögel und Affen. Meerkatzen sind kleine Äffchen. Generell ist der „Ulenspiegel“ von Charles de Coster mein Lieblingsbuch. In der Version allerdings kein Spaß.

Die 14 Stücke des neuen Albums klingen wie bei euch üblich alle sehr unterschiedlich. Könnte man sagen, es ist eure Linie, keine Linie zu haben?

Wenn wir sagten, wir hätten keine Linie, hätten wir ja eine. Voll verrückt.

Man hört ja bei den meisten Bands Vorbilder/Referenzen heraus. Bei euch fallen mir zwei sofort auf. Die goldenen Zitronen und Hildegard Knef. Liege ich damit richtig? Und: Wer oder was inspiriert euch darüber hinaus?

Ja, genau. Schorsch Kamerun und Hildegard Knef sind meine großen Vorbilder. Ich möchte sein wie sie. Aus Leder oder tot.

Stammen die Texte alle von dir?

Nur die von Kiesgroup.

Wie geht der Prozess des Textens bei dir vonstatten?

Ich bin meistens von Visionen abhängig. Absolut unspontan und unprofessionell.

Welche Rolle spielen Drogen dabei?

Persönlich trink ich nicht einmal Kaffee, da ich den Flash nicht vertrage. Alles Psychoaktive macht mich krank.

Deine Lieblingszeile auf „Eulen und Meerkatzen“?

Anjas Querflötensolo erzählt die schönsten Geschichten in dem Titelsong.

Hast du jemals überlegt, Texte jenseits von Songtexten zu schreiben. Kurzgeschichten, Theaterstücke oder einen Roman?

Es wird bestimmt ein zweites Hörspiel nach „Sommerzeit“ geben. Mindestens.

Eulen und Meerkatzen“ erscheint am 29. Juli. Ist ein Release-Konzert in Düsseldorf geplant? Und: Geht ihr danach auf Tour?

Das Release-Konzert findet am 3. September in Max‘ Studio und in Cornelius‘ darüber liegendem Atelier auf der Friedenstraße 62 statt. Sonst spielen wir noch in Hamburg, Bremen, Berlin und Köln. Mindestens.

Es gibt Musik, die kann man bei einem Spaziergang am Meer hören. Musik, zu der man seine Wut ausleben kann. Und solche, die sich perfekt zum Bügeln eignet. In welchen Situationen, glaubst du, hört man die neue Kiesgroup-Platte?

Wütend und bügelnd am Meer.

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