Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Thomas Sanders (Teleman) im Interview – „Etwas Unbestimmtes, das neugierig macht“

Teleman, Foto: PIAS

Es liegt in der Natur des Lokalpatriotismus, dass Stadthymnen von Musikern verfasst werden, die am besungenen Ort leben. Das war bei Herbert Grönemeyers „Bochum“ so oder bei „Modestadt Düsseldorf“ von den Toten Hosen. Die jüngste musikalische Lobpreisung der Landeshauptstadt entstand allerdings nicht in der Heimat, sondern auf der britischen Insel. „Düsseldorf“ heißt das Stück Musik. Es stammt von der Londoner Band Teleman und erschien vor einigen Wochen als erste Single-Auskopplung ihre aktuellen Albums „Brilliant Sanity“. Wer ist nun das im Song besungene „Girl from Düsseldorf“? Und warum in Gottes Namen kann ein Brite das ihm ungeläufige „ü“ so gut aussprechen? theycallitkleinparis hat nachgefragt. Bei Thomas Sanders, Sänger von Teleman.

Die erste Single eurer aktuellen CD „Brilliant Sanity“ heißt „Düsseldorf“. Wart ihr denn jemals in Düsseldorf?

Ja. Wir waren ja mit Metronomy auf Tour und Düsseldorf war eine der Städte, in denen wir gespielt haben.

Und, hat die Stadt euch gefallen?

Düsseldorf hat ein industrielles Flair versprüht, gleichzeitig aber etwas Unbestimmtes, das neugierig macht. Das hat sich deutlich von anderen deutschen Städten unterschieden, die wir kennen.

Der Song handelt weniger von der Stadt selber als von einem Mädchen aus Düsseldorf, das der Ich-Erzähler auf einer Party trifft. Ist die Geschichte komplett erfunden oder gibt es das Mädchen aus Düsseldorf wirklich?

Natürlich existiert sie, aber ihr Name ist nicht bekannt. Einige lyrische Elemente sind erfunden, aber davon abgesehen ist sie so real wie du und ich.

Weiß sie, dass ihr ein Song gewidmet wurde?

Nein, weiß sie nicht.

Habt ihr auf den Song eigentlich schon Reaktionen von Leuten aus Düsseldorf bekommen?

Ja. Ich habe auf unserer letzten Tour einige Leute aus Düsseldorf getroffen. Sie fanden es spannend, dass nach ihrer Stadt ein Song benannt ist. Außerdem haben sie uns erzählt, dass die meisten Leute, vor allem Deutsche, nicht wirklich was übrig haben für Düsseldorf.

Den Buchstaben „ü“ gibt es im Englischen ja nicht. Trotzdem sprichst du Düsseldorf fast perfekt aus bzw. singst es perfekt. Hat du das geübt?

Es geht mehr darum zu verstehen, wie man es nicht aussprechen sollte, dann klappt es mit der richtigen Aussprache am besten. Wenn man singt, ist es allerdings etwas schwieriger, weil dann die Melodie von „Duu“ sozusagen herausgezogen wird.

Ich habe gelesen, dass euer Sound oft mit dem von Kraftwerk verglichen wird. Das hat mich überrascht. Ist das auch in euren Augen ein wichtiger Einfluss?

Nein, sie haben uns nicht beeinflusst. Es hat uns selber überrascht, wie viele Leute sie als Referenz genannt haben im Zusammenhang mit uns. Ich denke, viele Journalisten sind einfach faul. Es wurde einmal erwähnt, als wir noch ziemlich am Anfang unserer Karriere standen. Dann wurde es so weiterverbreitet.

Was euren Bandnamen angeht, habt ihr euch von dem Komponisten Georg Philipp Telemann inspirieren lassen. Hört ihr denn selber klassische Musik?

Manchmal. Der überwiegende Teil meiner Vinyl-Sammlung ist Klassik. Ich bin kein Fan von Georg Philipp Telemann im Speziellen. Ich mag sehr gerne Chopin, Satie, Debussy, hauptsächlich Klavier-Werke. Es gibt viel zu entdecken und so vieles davon ist undurchdringbar.

Wie sind die Reaktionen auf eurer Album „Brilliant Sanity“?

Ziemlich gut. So gut, wie ich gehofft hatte.

Ende April wart ihr für vier Konzerte in Deutschland. Leider hat keins davon in Düsseldorf stattgefunden. Wann dürfen die Düsseldorfer mit euch rechnen?

Das steht noch in den Sternen. Aber wir freuen uns schon darauf – wann immer es soweit sein mag.

Danke*Danke*Danke*theycallitkleinparis dankt der Queen of Korsch für die Übersetzungshilfe. Danke*Danke*Danke

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