Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

„So unterhaltsam wie möglich und so seriös wie nötig“ – Interview mit Dorian Steinhoff

Foto Dorian Steinhoff: Marco Piecuch, Foto Mercedes Lauenstein: Juri Gottschall /


Privat hat er Düsseldorf vor einigen Wochen den Rücken gekehrt und ist nach Köln gezogen. Für seine neue Literaturshow import/export aber kehrt der Autor und Literaturvermittler Dorian Steinhoff in Zukunft regelmäßig nach Düsseldorf zurück. Am 19. April hat das Format im Caffè Enuma Premiere. Kurz bevor es ernst wird, hat Steinhoff theycallitkleinparis einige Fragen beantwortet.

Dorian, du bist vor einigen Wochen von Düsseldorf nach Köln gezogen. Hast du schon ein FC-Spiel besucht, ein Kölsch getrunken und dich in das Werk von Brings eingearbeitet?
Bisher habe ich vor allem Löcher in Wände gebohrt, Bücherkisten ausgepackt, die Nachbarn verärgert, weil die Papiertonne wegen mir immer voll war und Kölsch getrunken, ja. Seit der Zeit von Pierre Littbarski, Thomas Häßler und etwas später noch Toni Polster ist mir der FC nicht mehr so wichtig, deshalb werde ich wohl auch in Zukunft nicht ins Stadion gehen.

Welche Lesung hast du zuletzt besucht?
Auf der Langen Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei habe ich eine Reihe Lesungen gesehen. Gut gefallen hat mir Sascha Macht. Er hat aus seinem Debütroman „Der Krieg im Garten des Königs der Toten“ gelesen. Klug, unterhaltsam und präzise gearbeitet. Witziger Typ außerdem.

Du bist also nicht eingeschlafen?
Nö. Es war so voll, ich musste stehen. Im Stehen kann ich nicht schlafen, außerdem war es ja auch wirklich gut.

Anders gefragt: Wie viel Inszenierung verträgt eine Lesung? Ab wann lenken Gespräche, Videos, Musikeinspieler etc. vom Eigentlichen, dem Text nämlich, ab?
Das Wesentliche an einem belletristischem Buch ist der Text. Eine Lesung inszeniert diesen Text und den Autor beziehungsweise die Autorin, der oder die den Text geschrieben hat. Egal, ob währenddessen Menschen in Plüschkostümen über die Bühne springen oder 90 Minuten vorgelesen wird. Das Wesentliche einer Lesung ist also immer die Inszenierung, und die ist für mich als Veranstalter gelungen, wenn ich merke: Mein Gast fühlt sich wohl und das Publikum ist aufmerksam. Den Rahmen dafür zu schaffen, das ist meine Aufgabe. Ein Patentrezept für ihr Gelingen gibt es nicht.

Am 19. April feiert import/export im Caffè Enuma Premiere, laut Pressemitteilung „eine Literaturveranstaltung mit dem Zeug zur Late-Night-Show“. Erklärst du uns das Konzept?
Die Idee ist, den Kern jeder Lesung, also das Vorlesen, in ein geschmackvolles, buntes, aber nicht zu grelles Kleid zu stecken. Dafür habe ich mir zum Beispiel verschiedene Interviewspiele ausgedacht. Der dramaturgische Aufbau ist kurz getaktet und verspricht Abwechslung. Und in diesem Rahmen werde ich versuchen, so unterhaltsam wie möglich und so seriös wie nötig durch den Abend zu führen. Außerdem wird die Schauspielerin Katharina Lütten als Sidekick mit auf der Bühne sitzen. Was genau sie machen wird, ist aber noch geheim.

Das Format erinnert ein bisschen an Sven-André Dreyers „Lies, du Sau!“, das Ende letzten Jahres eingestellt wurde. Eine Lücke, die du schließen möchtest?
Ich war nie bei „Lies, du Sau!“. Aber ja, ich denke, in Düsseldorf gibt es Raum für eine Literaturveranstaltung, die sich an ein junges Publikum richtet, inhaltlich seine Themen verhandelt und formal seinen Rezeptionsgewohnheiten entspricht.

mercedes_Foto_Juri GottschallDein erster Gast ist die Autorin und Journalistin Mercedes Lauenstein. Warum hast du dich für sie entschieden?
Ich habe Mercedes letztes Jahr bei der Lesereihe „Land in Sicht“ gesehen und kenne sie als Redakteurin von jetzt.de. Sie hat das Publikum, das sich ähnlich zusammengesetzt hat wie unsere Zielgruppe, sehr begeistert. Davon war ich beeindruckt. Außerdem ist sie schlagfertig, schnell und weiß, dass Unterhaltung nicht anspruchslos sein muss. Sie passt super auf die import/export-Bühne.
Ihr Buch „Nachts“, aus dem sie auch bei uns lesen wird, handelt von einer jungen Frau, die nachts bei Leuten klingelt, hinter deren Fenstern noch Licht brennt. Diese Begegnungen werden im Buch dann episodenhaft erzählt. Ein Autor von ZEITonline hat das dann übrigens wirklich gemacht. Er ist losgezogen und hat in Hamburg bei Fremden geklingelt, einen Text darüber geschrieben und ihn veröffentlicht. Mercedes war vorher informiert und am Rande des Artikels wurde auch auf ihr Buch hingewiesen.

Welche Gäste wirst du für die kommenden Ausgaben einladen?
Im Juni kommt Tilman Strasser aus Köln. Mit ihm habe ich eine kleine Vorpremiere des Konzepts auf der Leipziger Buchmesse gemacht. Das hat so gut funktioniert, dass wir ihn direkt eingeladen haben.

Wann wäre die Premiere für dich persönlich eine gelungene?
Toll wäre, wenn alles funktioniert, was wir uns ausgedacht haben, sich Mercedes gut gefühlt hat, wir aber trotzdem wissen, dass es noch besser geht, und im Juni dann mehr Leute kommen als zur Premiere.

Kurz noch zu dir als Autor: Du hast in den vergangenen Jahren diverse Preise eingeheimst. 2014 das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium, 2015 den Förderpreis der Stadt Düsseldorf. Was machst du eigentlich mit den damit verbundenen Preisgeldern?
Ich betrachte die Preisgelder als meine private Altersvorsorge. Das meiste spare ich, kaufe mir aber auch von jeder gewonnenen Summe ein richtig großes Eis.

Du arbeitest gerade an deinem ersten Roman. Wie kommst du voran? Wann wird das Buch erscheinen?
Ich wollte zwar schon etwas weiter sein, liege aber voll im Zeitplan. Erscheinen wird das Buch im Herbst 2017 im mairisch Verlag.

19.4., 20 Uhr, Caffè Enuma, Düsseldorf

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