Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

„Vom Angebot her tiefe Provinz“ – Interview mit Henry Storch

Foto: Jaewon Chung /


Eigentlich sah es so aus, als wäre Henry Storch die längste Zeit Veranstalter in Düsseldorf gewesen. Keine bezahlbaren Locations, zu wenig Unterstützung von Seiten der Stadt – so seine beiden Hauptkritikpunkte. Anfang April kehrt Storch nun überraschend in die Manege zurück. Als Künstlerischer Leiter des Stahlwerk startet er dort die Reihe „Different Strokes“, die an das anknüpfen soll, was einst im Unique lief. theycallitkleinparis hat mit dem DJ, Labelmacher und Veranstalter gesprochen.

Man hatte zwischenzeitlich den Eindruck, dass du als Veranstalter in Düsseldorf nichts mehr machen wolltest. Warum eigentlich nicht?
Weil wir hier einfach keine Räume haben oder sie schlichtweg zu teuer sind für kulturelle Veranstaltungen.

Nicht zuletzt deshalb bist du zuletzt ins Umland ausgewichen, ins Krefelder Magnapop. Wie war die Resonanz dort?
Das Magnapop mag ich. Dort kann mal kleine Konzerte unkompliziert platzieren oder einen Tanzabend gestalten. Die Resonanz ist sehr unterschiedlich, aber das Konzert der Spitifres im Oktober war wirklich was Besonderes. Ich möchte da weiterhin auflegen, weil der Club eine schöne Größe und eine gute Anlage hat.

Am 2. April startet zudem deine Reihe „Different Strokes“ im Stahlwerk. Wieso hast du dich entschlossen, nun doch wieder in Düsseldorf zu veranstalten?
Das Stahlwerk ist an mich herangetreten mit der Frage, ob ich mir vorstellen könnte, was zu machen. Somit ist das Stahlwerk Veranstalter, aber wir haben eine Clique von Leuten, die gerne was auf die Beine stellen möchten.

Wie beurteilst du die Entwicklung der Club-Szene in Düsseldorf in den vergangenen Jahren?
Vom Angebot her ist das hier schon tiefe Provinz. Die Zeit ist an Düsseldorf vorbeigerauscht. Ich denke, wir waren schon mal weiter.

Was vermisst du genau?
Ich wünsche mir eine offene Club-Kultur und keine Musik-Gettos. Überhaupt hat Düsseldorf eine sehr überschaubare DJ-Kultur. Ü30, Ü40, Ü50 lauten die Mottos. In den Neunzigern hieß es „keine Turnschuhe“. Verstehe ich nicht. Was hat Alter und Kleidung mit Musik zu tun?

Was kann man von Seiten der Stadt tun, um eine entsprechende Szene zu unterstützen, vom schnöden Mammon jetzt mal abgesehen?
Da gibt es die unterschiedlichsten Ansätze. Es wäre ein Anfang, wenn die Stadt, anstatt sich als Marke zu vermarkten, mal die Marken der Stadt stärkt! Eine Stadt mit über 600.000 Einwohnern sollte Popkultur zum Anfassen anbieten und das nicht nur zu überdurchschnittlich hohen Eintrittspreisen.

Was meinst du mit „Popkultur zum Anfassen“?
Ich stelle mir vor, dass es auch mal gute Live-Events für alle gibt, ohne Barrieren, also freier Eintritt und keine Sponsoring hier und Sponsoring da. Das Wiu und Flingern Open Air sind meines Wissens die einzigen, die das ohne Eintritt machen. Wo wirklich alle kommen können.

Lass uns zu eurer neuen Reihe „Different Strokes“ zurückkommen. Wie ist das Konzept?
„Different Strokes“ bietet mehrere Floors mit Live-Angebot zwischen Hip Hop, elektronischer Musik und analoger Tanzmusik, also Soul, Funk, Rock und Jazz. Es geht darum, auch internationale Acts im Düsseldorfer Nachtleben anzubieten.

Werdet ihr versuchen, für die Reihe eine Förderung von Seiten der Stadt zu bekommen?
Bis auf ganz wenige Ausnahmen kennt man uns bei der Stadt gar nicht. Das Golzheimfest ist daran gescheitert, dass der Kulturausschuss augenscheinlich weder uns noch das Golzheimfest kennt oder verstanden hat. Abgelehnte Anträge sind immer ein Motivationskiller. Von daher lassen wir das mal auf uns zukommen.

Wie gut passt die Reihe ins Stahlwerk-Programm, zwischen Street Food Markt und 90er-Party?
Das Stahlwerk hat sich verändert und ist in der Größenordnung der schönste Komplex in Düsseldorf. Mehrere Floors und der Außenbereich bieten viele Möglichkeiten. Es geht nicht nur um die „Different Strokes“-Reihe. Im April spielen dort Element of Crime und am 17. Juli José James, DER Jazz-Sänger im Moment! Wir machen uns Gedanken, was hier fehlt und ob sich diese Lücken schließen lassen.

Was kannst du über die Live Acts und DJs der ersten Ausgabe verraten?
Bei der Premiere am 2. April ist es eine Jam mit Lord Finesse, Rock, Smif ’n‘ Wessun und Planet Asia. Am 16. April spielen Retrogott mit Hulk Hodn. Und das alles eingebettet in einem Weltklasse-DJ-Line-Up. Am 30. April werden wir auch „Monsters of Funk & Soul“ im Stahlwerk machen. Die Mieten von NRW-Forum und Schauspielhaus waren für uns nicht mehr zu stemmen.

Die Reihe verantwortest du gemeinsam mit Ben, mit dem du schon im Unique gemeinsame Sache gemacht hast. Was macht eure Zusammenarbeit aus?
Wir haben unterschiedliche Kontakte und Visionen. Die wollen wir gerne zusammenfließen lassen, damit wir dem Publikum was anbieten können, was das Prädikat „Unique“ verdient.

In welchem Turnus soll die Reihe zukünftig stattfinden?
Ein bis zweimal monatlich, je nachdem, wie die Künstler verfügbar sind.

Hast du einen Trick, um als DJ den toten Punkt zu überwinden, also den, an dem man selber müde wird?
Auf die Zähne beißen.

Different Strokes #1, mit Lord Finesse, Rock of Heltah Skeltah, Smif ’n‘ Wessun, Planet Asia, 2.4., ab 20 Uhr, Stahlwerk, Düsseldorf

Different Strokes #2, mit Retrogott & Hulk Hodn, 16.4., ab 21 Uhr, Stahlwerk, Düsseldorf

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