Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Künstler der U-Bahnhöfe, Folge 2: Ursula Damm

netzwerkarchitekten, Darmstadt,

Kunst am Bau: Prof. Ursula Damm, Weimar

© 2015 by Jörg Hempel; www.joerg-hempel-com


Wie alle anderen Künstler, die für die U-Bahnhöfe der vor wenigen Wochen eröffneten Wehrhahnlinie verantwortlich zeichnen, hat auch Ursula Damm an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert, bei „Nagelkünstler“ Günther Uecker. Zudem an der KHM in Köln bei Valie Export. Heute pendelt sie zwischen zwei Wohnsitzen: Berlin und Weimar. An der Bauhaus-Universität hat sie einen Lehrstuhl. Damm hat die U-Bahn-Station Schadowstraße gestaltet.

Was hat Sie daran gereizt, einen U-Bahnhof zu gestalten?
Es ist mein erstes öffentliches Kunstwerk – das ist eine Herausforderung, die ich genossen habe. Dass das Bauwerk ein technisches ist, passt zu meiner Kunst. Die große Frage war: Kann ich den Bürgern etwas geben? Können meine Überlegungen einen Mehrwert darstellen?

dammBitte beschreiben Sie den von Ihnen gestalteten U-Bahnhof!
Auf der Stirnwand des U-Bahnhofs Schadowstraße zeigt eine LED-Wand ein generatives Video. Vor dieser Wand strebt ein Lichtschacht an die Platzoberfläche, wo eine Videokamera aufgebaut ist. Diese Kamera filmt unablässig Passanten auf dem Platz und leitet das Bild an eine eigens entwickelte generative Software, programmiert von Felix Bonowski, die aus den Bewegungsspuren der Passanten geometrische Vorschläge für Konstruktionen ableitet. Diese Interpretationen des Echtzeitvideos entwerfen neue Geometrien für den Ort, schlagen Achsen und Parzellen vor. Zentrum der künstlerischen Intervention ist das Videobild mit seinem Konzept. Dieses Konzept findet sich auch in der Gestaltung der Wände der Schnitträume wieder. In das blaue Glas des U-Bahnhofs sind an 21 Stellen Platten eingefügt, welche Geometrien über Stadtteilen von Düsseldorf aufzeigen.

Welche Vorgaben gab es von Seiten der Auftraggeber?
Es gab sehr spezifische Limitierungen der Geometrien, wobei sowohl die Beschaffenheit des Untergrunds, der Anlieger als auch die Kosten ein wesentlicher Faktor waren. Der Brandschutz forderte während der Bauphase Neuplanungen. In der Gestaltung schlussendlich war im Rahmen der technischen Vorgaben dann größtmögliche Freiheit gewährleistet. Wir hatten zudem lange diskutiert, ob die Oberflächengestaltung, also der Platz oberhalb des U-Bahnhofs, einbezogen werden kann, da ja dort die Kamera aufgebaut ist und der Platz auch im digitalen Bild sichtbar ist. Im Prinzip ist dies bis heute nicht geklärt, obwohl erst einmal ohne meine Vorschläge geplant wurde. Insgesamt jedoch entstanden mindestens 20 Entwürfe, wie der Platz oberhalb der Station gestaltet sein könnte.

Wie war das Ganze dotiert?
Alle Künstler erhielten dieselben Honorare, nur Heike Klussmann wurde für Ihre Konzeption des Kontinuums separat bezahlt. Die Dotierung war ursprünglich gut, aber die lange Arbeitsphase hat dann doch letztendlich zu großem Mehraufwand geführt, der in dieser Form nicht mehr honoriert werden konnte. Das absehbar gute Ergebnis aber hat dann für den Aufwand entschädigt.

Es gab begeisterte Reaktionen von Seiten der Medien. Welche hat Sie besonders gefreut?
Ich warte noch auf die Artikel, die mir besonders gefallen. Die Reaktion der Bürger in meinem U-Bahnhof hat mich sehr gefreut. Man konnte sehen und hören, dass sie sehr zufrieden waren, einige sogar hörbar begeistert.

Welche Vorteile hat die Kunst im Schacht gegenüber einer Ausstellung in einer Institution?
Sie ist dauerhaft. Sie muss sich vor einem neutralen Publikum bewähren. Sie geht einen Diskurs ein mit dem Alltäglichen.

Stichwort Kunst am Bau: Was bedarf in Düsseldorf dringend der Aufwertung?
Das Umfeld des Düsseldorfer Schauspielhauses, insbesondere der Platz vor dem Gebäude und das Kriegerdenkmal in Düsseldorf-Golzheim.

Das Gefühl, als Sie den fertigen Bahnhof das erste Mal begingen?
Das war schon ein grandioses Gefühl. Ein – für mich – privater Ort, weil die Erscheinungsform so nah und gewohnt ist. Und nun ist er für andere da. Eine große Neugier, wie die Menschen beispielsweise die Glasscheiben „lesen“ – sie sind ja auf Augenhöhe, sodass man sie studieren kann. Insgesamt bin ich glücklich mit dem Ergebnis.

Nutzen Sie selber den ÖPNV in Düsseldorf?
Der ÖPNV ist sehr komfortabel in Düsseldorf, ich nutze ihn so oft wie möglich.

In dieser Serie bereits erschienen:

Folge 1: Thomas Stricker

Folge 3: Ralf Brög

3 Responses to “Künstler der U-Bahnhöfe, Folge 2: Ursula Damm”

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