Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Grischa Bender im Interview – „Wir waren ein emotionales Bermudadreieck“

Grischa Bender, Foto: Yany Muhammad, yany_m@web.de, www.ishootpeople.de

Von 1988 bis 1994 waren Petrus Fischer, Matti Rouse und Grischa Bender die Monkeys with Tools, eine Crossover-Band, die als Hoffnungsträger der Düsseldorfer Szene galt. Sie tourten durch Frankreich, Dänemark und natürlich Deutschland. Selten große Venues. Viele kleine Clubs. Nach zwei Alben und zwei EPs war Schluss. Die Band ging auseinander. Am Donnerstag nun kommen zwei Drittel der Originalbesetzung im zakk wieder zusammen. Keine Reunion. Nur ein gemeinsamer Gig. Ein Gespräch mit Grischa Bender.

An welche Szenen mit den Monkeys erinnerst du dich besonders gerne?
An viel mehr, als ich erzählen kann. Besonders toll war immer, wie wir uns in Trance gespielt haben bei stundenlangen Sessions, bei denen wir auch unseren Stil entwickelt haben. In den Momenten waren wir ohne zu reden eine harmonische, symbiotische Einheit, was außerhalb unserer Zeitblase nicht immer der Fall war. Auch unsere ersten richtig gut besuchten Konzerte in und außerhalb von Düsseldorf sind unvergesslich. Als wir merkten, dass wir es trotz unserer Lazyness geschafft hatten, etwas Besonderes auf die Beine zu stellen, etwas, das Menschen offenbar irgendwie berührte. Aber falls du mit Szenen wilde Aftershow-Partys meinst: Ja , das gab es natürlich auch. Inklusive Alk, Drogen, Kontrollverlust. Einmal haben wir vor der Show Trips genommen. Mitten in einem Song hat Mattis Mikroständer langsam nach vorne nachgegeben. Matti hat weitergesungen und wurde immer breitbeiniger, wie Billy Idol.

Warum ist die Band auseinandergegangen?
Leider wurde alles zu komplex. Wir drei waren ein emotionales Bermudadreieck. Schöpferisch wie zwischenmenschlich höchst energetisch und instabil. Zu sensibel, alles andere als unkompliziert. Das konnte nicht ewig gutgehen. Der unmittelbare Auslöser war, dass Gun Records uns mit ICE Ts Band Body Count auf Tour schicken wollte im Pay-to-play-Modell. Ich war dafür. Matti war dagegen – und er hatte Recht. Solche Dinge haben Druck auf uns ausgeübt, den wir nicht weggesteckt haben.

Was haben die einzelnen Mitglieder danach gemacht?
Petrus hat die Input Kinks gegründet, ich habe Blik gemacht. Matti hatte verschiedene Projekte, alles ziemlich schräges Zeug, aber sehr coole Songs. Er ist der beste Songschreiber und gefühlvollste Musiker, mit dem ich je zusammengearbeitet habe. Heute verdient er sein Geld mit der Mittelalter-Band Die Streuner. Was Petrus macht, weiß ich nicht. Er ruft nicht zurück.

Du selber machst seit 2011 unter Grischa Musik. Wie würdest du euren Sound beschreiben?
Eigentlich ist es Pop. Aber sagen wir mal Alternative Folk mit Einflüssen aus Rap, Punk und Soul.

Heute textest du auf deutsch. Was sind deine Themen?
Liebe, Politik, Midlife, Verlust, Gesellschaft, Melancholie. Kapitalismus-Kritik. Es geht, wie mir aufgefallen ist, sehr häufig um das Miteinander. Komisch, wie harmoniebedürftig ich anscheinend bin.

Wie viele Platten hast du unter Grischa veröffentlicht?
Eine EP und zwei Singles. Unser erstes richtiges Album kommt dieses Jahr. Ich wage zu behaupten, dass es megagut wird.

Am Donnerstag spielst du im zakk-Club zusammen mit deiner Band und mit Matti. Was erwartet die Besucher an dem Abend?
Matti wird den Abend als Solokünstler mit seinen Songs eröffnen. Die tragen einen echt irgendwohin! Dann spielen meine Band und ich unser Programm. Mit ein paar neuen Sachen. Songs, die auf dem Album sein werden, an dem wir gerade arbeiten. Zu meiner Band gehört mein Lieblingsfreund Hans-Peter Müller an Bass und Gitarre. Ohne Happi geht gar nichts! Er ist ein Uhrwerk und der George Clooney der Band. Marc Monti, Gitarre, Gesang, Harp, war früher bei Krombacher MC und singt so gecheckt und akzentuiert, dass aus jedem Chor-Gesang eine vokale Grunge-Injektion wird. Und Alexander Schuster, Vibrafon und Percussion. Alex spielt auf seinem Vibrafon unorthodox, gefühlvoll und mutig. Wunderschöne, bittersüße Harmonien, die sich an meinem Mainstream-Scheiß reiben ohne Ende. Das macht einen wichtigen Teil unseres Sounds aus. Am Schluss spielen wir gemeinsam mit Matti ein paar alte Monkeys-Songs, die wir besonders mögen und die bei den Fans am besten ankamen. Zeitloses Zeug.

Mattis Musik wird als „outstanding“ bezeichnet. Kannst du das ein bisschen genauer beschreiben?
Zunächst mal entsprechen seine Lieder keinem Genre. Obwohl es eingängige Songs sind. Sie sind schräg und melodiös, sehr soulig und einfach krass! Er stimmt seine akustische Gitarre runter, was dem Sound im wahrsten Sinne Tiefe gibt. Matti hat einen Haufen cooler Effektgeräte, alle möglichen Delays, Sampler und so Kram, mit denen er geradezu verschmilzt.

Auf welche Monkeys-Songs dürfen sich die Fans freuen?
„Ratatata“ ist Pflicht, obwohl ich es hasse. „Slowly living“ war unsere Hymne. Und natürlich „Get up + go“, der schönste Song, den Matti je geschrieben hat.

Ist es eigentlich das erste Mal seit dem Ende der Band, dass ihr wieder zusammen auf der Bühne steht?
Fast. Wir haben nach der Trennung schon einmal zusammengespielt, 1994 auf der Kirmes. Alter, das war derb. Surreal. Und alle dachten, das wäre eine Reunion. War aber keine. Das im zakk natürlich auch nicht – allein schon weil Petrus nicht dabei ist. Ich hätte ihn gern für ein, zwei Songs dabei gehabt, aber ich weiß nicht, wo er steckt und habe ihm vergeblich die Mobilbox voll gequatscht.

18.2., 20:30 Uhr, Grischa & Band feat. Matthew Rouse, zakk, Düsseldorf

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