Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

Hymne für den Tampon

Foto: Jenny Schaefer


Die Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Sie hätte also durchaus Potential. Dennoch wird sie nie erzählt. Daran hat sich seit den 1950er Jahren nicht viel geändert. Umso begrüßenswerter, dass dem Tampon nun eine eigene Hymne gewidmet wurde. „Gute Reise“ heißt sie und stammt von dem Hamburger Duo Schnipo Schranke (kurz für Schnitzel Pommes mit Majo und Ketchup). Zwei Frauen zwischen Mitte zwanzig und dreißig, die so gar nichts gemein haben mit den hochglanzigen Bildern, die von Musikerinnen sonst im Umlauf sind. Friederike „Fritzi“ Ernst und Daniela Reis sehen ein bisserl blass aus. Perfekte Frisur geht anders. Und ab und zu ist eine Hautunreinheit zu erkennen. Dafür, dass diese trotz der unendlichen Möglichkeiten von Photoshop sichtbar blieb, möchte man sie umarmen. Und nicht nur dafür! Sie haben mehr als nur nebenbei nämlich auch eine fantastische Platte gemacht. „Satt“ heißt sie, erschienen Anfang Oktober. Nicht irgendwo, sondern bei Buback, dem Label des Malers Daniel Richter.

Bevor das Album raus war, mussten sich Fans lange mit einem Beitrag („Pisse“) auf dem Staatsakt-Sampler „Keine Bewegung“ und diversen YouTube-Videos begnügen. Einer davon heißt „Beste Freunde“ und hat es leider nicht aufs Album geschafft. In dem Clip spacken Fritzi und Daniela in ihrer damaliger Wohnung zwischen Schreibtisch und Matratze feinstens ab. In Hoodie und Joggingbuchse kratzen sie sich am Hintern, geben ihr Repertoire an Hip-Hop-Gesten der Lächerlichkeit Preis. Kein Zweifel, sie haben von Helge Schneider gelernt. Und von den Lassie Singers, deren rechtmäßige Erben sie sind. Ihr Potential hat auch Ted Gaier erkannt. Das Mitglied der Goldenen Zitronen hat „Satt“ produziert. „Wir danken Papa Ted“, schreiben Schnipo Schranke in ihrem CD-Booklet. Und: „Ted, wir haben ein Kind von dir!“ In der Tat, das haben sie. 11 Songs finden sich auf dem Album. Und alle handeln von Typen, Beziehungen, von der Liebe, von Sex. Letzterer ist bei Schnipo Schranke ziemlich explizit. Begriffe wie „Sperma“ und „Gangbang“ nehmen sie ebenso in den Mund wie „Genitalbereich“. Selbst Gott bekommt sein Fett weg. Als Cocktailmixer hat er einen Kurzauftritt in dem Song „Herzinfarkt“. Hintergedanken auch hier inklusive: „Und mit ein bisschen Glück kommt er mit zum Rudelfick“ singen Fritzi und Daniela. Dass die beiden sich ausgerechnet beim Studium von Cello und Blockflöte kennengelernt haben, wird kolportiert. Aber das kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen.

23.10., 21 Uhr, Hotel Shanghai, Steeler Str. 33, Essen

Best-of Texte:

„Ich würd dich gerne mal treffen, doch ich werf immer daneben. Denkst du das Bügeleisen kann man wieder kleben? Ich seh’s in deinem Blick, die Lage ist nicht mehr zu retten. Wie soll ich dann in Zukunft meine Jogginghose glätten?“ (aus: Ich küss dich tot)

„Ich find dich erste Sahne, du findest mich Banane. Ich bin nicht in deinem Obstsalat, ich finde das ist Hochverrat.“ (aus: Ich küss dich tot)

„Dein Handy mit den Arschbacken gehalten, nur um dich zu unterhalten. Dacht du findest so was komisch, seitdem liebst du mich platonisch.“ (aus: Pisse)

„Ich bin auch nur ein Mädchen, wenn auch unrasiert. Brauche Liebe, brauche Halt, und einen, der mich epiliert.“ (aus: Pisse)

„Ich schmeiß die Gabel aus dem Fenster, denn ich brauch hier nur die Hände. Dank All Inclusive krieg ich nämlich Pommes ohne Ende.“ (aus: Cluburlaub)

„Ich will hauptberuflich mit dir toben. Drum hab ich meine Ausbildung verschoben.“ (aus: Störenfried)

 

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