Kein Chichi. Nur Düsseldorf.

„Getrunken wird nur nach der Arbeit“ – Interview mit Luise Weidehaas

Vor ihrem allerersten Konzert musste sie sich noch Mut antrinken. Mit Schnaps. Den braucht Luise Weidehaas heute nicht mehr. Rund 20 Konzerte hat die Singer/Songwriterin in diesem Jahr absolviert und ist damit auf dem besten Weg, sich als feste Größe der Düsseldorfer Szene zu etablieren. Jüngst erschien ihre EP „Swell“. Heute Abend findet das dazugehörige Release-Konzert statt.

Heute Abend ist das Release-Konzert zu deiner EP „Swell“ in der Brause. Derartige Heimspiele sind bei Künstlern ja oft mit besonderer Anspannung verbunden. Wie ist deine Gefühlslage?
Eigentlich sehr gut. Ich spiele morgen gemeinsam mit meinen Freunden Isabell Meiner (Safetyville), Martin Hannaford, Dennis Melskotte und René Neumann. Und zum ersten Mal begleitet uns David Schütte am Cello. Das freut mich ungemein. David ist Multi-Instrumentalist und hat zusammen mit Felix Herzog meine EP arrangiert.

Dann bist du ja im Kreise deiner Lieben. Hast du ein Ritual kurz vor dem Auftritt?
Ein paar Atem-, Stimm- und Dehnübungen, einen Schluck Wasser oder Tee, Hände wärmen.

Warum hast du dir die Brause für das Konzert ausgesucht?
Ich hatte auch in der Kassette angefragt, weil ich den Laden und die Besitzer sehr mag. Die Brause ist aber sicher der perfekte Ort für mein Release-Konzert, da ich hier meine ersten Konzerte gespielt habe, immer sehr unterstützt wurde und zudem unglaublich intensive Konzertabende erlebt habe.

Bevor deine EP erschien, waren deine Songs flüchtig wie eine Performance oder ein Theaterstück. Es gab keine Videos, keine Songs im Netz. Warum nicht?
Eigentlich bin ich sehr fürs Konservieren von Ereignissen, Fotos sind mir zum Beispiel sehr wichtig. Aber ich bin auf der anderen Seite sehr froh, dass von mir im Netz keine halbgaren Mitschnitte rumschwirren. Sobald mir ein Video oder Live-Mitschnitt zusagt, wird es aber dann auch veröffentlicht.

In deinen Texten finden sich viele Naturbilder. Dabei lebst du mitten in der Stadt. Wie erklärst du dir das?
Naja, ohne die Nähe zumindest zum Rhein, Feldern, kleinen Wäldchen, fände ich es sehr problematisch, mich täglich auf das Wesentliche zu besinnen. Da, wo ich wohne, bin ich zum Glück in Nullkommanichts im, wie der Städter so schön sagt, Grünen. Ich liebe es, fremde Städte zu erkunden, aber ich brauche tatsächlich sehr viel Auslauf in der Natur. Sie bleibt meine Haupt-Inspirationsquelle.

Wie kam es zu dem Künstlernamen Weidehaas?
Das ist der Mädchenname meiner Mama, ich fand den Klang des Namens schon immer schön. Und der versteckte Hase kommt mir natürlich auch sehr entgegen.

Vorgestern standest du noch in der Hamburger Pony Bar auf der Bühne, vergangene Woche im Vier Linden Biergarten. Wie viele Konzerte hast du insgesamt in diesem Jahr gespielt?
Bis jetzt ungefähr 20.

Der ungewöhnlichste Ort, an dem du aufgetreten bist?
Wahrscheinlich bei der diesjährigen Fête de la musique in Köln, ganz einfach weil es heftige Windböen gab und zwei Jungs während des gesamten Sets mit aller Kraft den Pavillon über uns halten mussten. Es war so stürmisch, dass natürlich auch der Sound in alle Himmelsrichtungen flog.

Der ungewöhnlichste Künstler, mit dem du aufgetreten bist?
Ungewöhnlich toll sind natürlich Safetyville und Martin Hannaford, mit denen ich letztes Jahr eine kleine Tour spielte und aktuell toure ich ja noch mit Safetyville! Lùisa fand ich unglaublich gut und auch all die anderen Künstler des Melodica Festivals Köln, bei dem ich dieses Jahr spielen durfte, waren sehr beeindruckend!

Als Singer/Songwriterin gerät man erfahrungsgemäß schnell in die Schubladen „elfenhaft“, „zerbrechlich“, „niedlich“. Eins deiner Pressefotos zeigt dich mit Kapuze und ernster Mine. Wolltest du den besagten Schubladen bewusst entgehen?
Das Kapuzenbild von dem Fotografen Tim Ilskens war eine ganz spontane Idee und entstand zudem letztes Jahr im Herbst. Da habe ich mir über Außenwirkung und Schubladen noch weniger Gedanken gemacht als heute. Zerbrechlich als Attribut habe ich tatsächlich nach einem Konzert schon mal gehört, niedlich und elfenhaft kommt vielleicht noch…

Was steht für den Rest des Jahres bei dir an?
Ich muss viel arbeiten, um die EP-Ausgaben irgendwie wieder, tja, um Land zu gewinnen. Außerdem muss natürlich ein Video her, hoffentlich noch ein paar Konzerte und weitere Aufnahmen.

Ein Song, den du sehr magst, der dir aber peinlich ist?
Also direkt peinlich kann ich jetzt nicht sagen, aber „When You Believe“, dieses Duett mit Mariah Carey und Whitney Houston, da muss ich immer den einen oder anderen Part mitsingen, da führt kein Weg dran vorbei.

Die letzten Platten, die du gekauft hast?
FKA twigs und Nils Frahm.

Zurück zum Release-Konzert. Vor deinem allerersten Auftritt musstest du dir Mut antrinken. Mal ehrlich, hast du heute Abend für alle Fälle einen Flachmann in der Tasche?
Nein, getrunken wird allerhöchstens nach getaner Arbeit.

Foto: Tim Ilskens

9.9., 20 Uhr, Brause, Düsseldorf
Die EP „Swell“ ist bei A&O Medien in Düsseldorf erhältlich. Oder bei der Künstlerin selber. Einfach Nachricht über Facebook schicken und die EP kommt per Post ins Haus!

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